Auf einmal stehen alle auf Mathe

Saarbrücken. Lange Jahre war es der Landeshauptstadt kaum anzumerken, dass sie eine Unistadt ist. Der Campus draußen im Stadtwald und die eigentliche Stadt - das waren getrennte Welten, die ihr Eigenleben führten. Bis die Stadt 2005 im Rathaus eine Kontaktstelle für Wissenschaft einrichtete

Saarbrücken. Lange Jahre war es der Landeshauptstadt kaum anzumerken, dass sie eine Unistadt ist. Der Campus draußen im Stadtwald und die eigentliche Stadt - das waren getrennte Welten, die ihr Eigenleben führten. Bis die Stadt 2005 im Rathaus eine Kontaktstelle für Wissenschaft einrichtete. Seitdem kommen nicht nur regelmäßig Uni-Wissenschaftler aus dem Elfenbeinturm herunter ins Rathaus, um Ringvorlesungen fürs breite Publikum zu halten. Auf allen Ebenen hat sich der Austausch zwischen Stadt(-Verwaltung) und Universität und Hochschule für Technik und Wissenschaft verstärkt.

Das zeigt die Bilanz, die Christel Drawer, die im Kulturdezernat die zuständige Kontaktstellenfrau ist, nach fast drei Jahren Netzwerken zieht. Wichtig für den Gedanken- und Informationsaustausch auf höchster Ebene sind die sogenannten Wissenschaftsgespräche, zu denen OB Charlotte Britz zweimal im Jahr die Chefs der Hochschulen und Forschungseinrichtungen nebst Stadträten einlädt.

Erste Folgen: Mit dem "Schaufenster zum Campus" im K4 Forum und Studieninformationstagen in der Bahnhofstraße zeigte die Uni mehr Präsenz in der Stadt. Im Gegenzug wird das Bürgeramt künftig im geplanten Service-Neubau auf dem Campus vertreten sein. Eine verwaltungsinterne Umfrage soll außerdem klären, wie einzelne Abteilungen ihre Wissenschaftskontakte intensivieren können und ob beim städtischen Angebot etwa von Studienpraktika und Projektvorschlägen für Diplomarbeiten eine gemeinsame Vorgehensweise möglich ist.

Gemessen an der öffentlichen Wirkung stehen jedoch die Ringvorlesungen auf der Liste der Erfolge der Kontaktstelle ganz oben. Zwischen 60 und 120 Besuchern erzielten die drei bisher von Uni und Stadt gemeinsam konzipierten Reihen, berichtet Christel Drawer. Diese Reihen hätten damit die Erwartungen der Beteiligten mehr als eingelöst. Was Drawer selbst überraschte: Die dritte Ringvorlesung zum Thema "Mathematik plus X", die in diesem Sommer stattfand, erwies sich als die bestbesuchte von allen. "Obwohl ich das eher von der Reihe zum Thema ,Der gläserne Mensch' erwartet hätte".

Was beweise, dass es in Saarbrücken auch für vermeintlich unpopuläre Themen ein großes Interesse gibt.

2006 nahm Saarbrücken mit der "Langen Nacht der Informatik" am "Jahr der Wissenschaft" teil, das das Bundesforschungs- und Bildungsministerium jährlich zu einer anderen Disziplin ausruft. 2007 gewann man mit dem Konzept zum Jahr der Geisteswissenschaften sogar einen mit 15000 Euro dotierten Förderpreis. Im Mathe-Jahr 2008 veranstaltete man neben der Ringvorlesung auch Aktionen, die sich der Verbindung von Mathematik und Sprache/Literatur widmeten. Hervorragend angekommen sei etwa das "Planspiel Stadt".

Dabei erarbeiteten Schülerinnen und Schüler der Marienschule, wie viele Rechenarten hinter der Planung und Umsetzung von Kulturveranstaltungen stecken.

Festival der Wissenschaft

Von der "Initiative Wissenschaft im Dialog" (WID) erhielt Saarbrücken nun gemeinsam mit Magdeburg den Zuschlag, 2009 den sogenannten Wissenschaftssommer auszurichten. Mit diesem Festival, das Wissenschaft und Forschung der Republik in publikumswirksamen Events präsentieren soll, erhalte die Landeshauptstadt eine Chance, so Drawer, als Wissenschaftsstandort bundesweit auf sich aufmerksam zu machen. Und nicht zuletzt rücke man damit einmal mehr die Hochschulen in die Mitte des städtischen Lebens.