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Auf der Suche nach dem deutsch-französischen Sprachkunstteam

Saarbrücken. Ob Comedy, Herzschmerz oder Gesellschaftskritik – Poetry Slams sind beliebt. In Workshops können junge Menschen aus dem Städtenetz QuattroPole die Kunst des Slammens erlernen. Los ging's in Saarbrücken. Kerstin Krämer

"Verdammter Mist!", "Er ist so süß…", "Yeah, ich hab im Lotto gewonnen!" Wer jüngst im Juz Försterstraße vorbeischaute, dürfte nicht übel gestaunt haben, all diese unterschiedlichen Gefühlsausbrüche aus einem Zimmer zu vernehmen. Noch mehr hätten sich die Augen wohl geweitet, hätte man in den Raum hineingespäht und die fünf Personen erblickt, die laut vor sich hin murmelnd auf- und abschritten. Was ging da vor sich? Ein Poetry-Slam-Workshop! Ein Poetry Slam ist ein Dichterwettstreit, bei dem die Teilnehmer mit selbstverfassten Texten gegeneinander antreten und um die Gunst des Publikums buhlen. Denn der Sieger wird am Ende per Applausabstimmung gekürt. Die Kunstform ist keinem Genre unterworfen. Die Texte können einen lustigen oder melancholischen Charakter haben und in Lyrik oder Prosa verfasst sein. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Geleitet wurde der Workshop von Benedict Hegemann, dem amtierenden Trierer Stadtmeister im Poetry Slam, der auch als Schauspieler tätig ist. Dies wurde deutlich, als er die vier Workshop-Teilnehmer zu Improvisationsübungen animierte. Mal galt es, sich in einen stehengebliebenen Fahrstuhl hineinzudenken, ein anderes Mal, zwischen emotionalen Zuständen wie Wut, Trauer und Freude zu variieren. Der Sinn dahinter: Wie bewege ich mich auf der Bühne, und wie gewinne ich die Sympathie des Publikums? "Die Zuschauer sind sensibel und achten genau auf Gestik, Mimik und Emotionen", erklärte Benedict. "Daher sollte nichts dem Zufall überlassen werden. Wichtig ist aber: Seid authentisch!"

Nach den Improvisationen im Schauspiel machte Benedict mit den Teilnehmern einige Übungen im kreativen Schreiben. So sollten sie Synonyme zu "sterben" suchen - oder neu erfinden, wie es Teilnehmer Philipp Sander mit dem Euphemismus "den Sarg von innen ansehen" tat. Denn: "Das Publikum liebt Wortspiele", verriet Benedict. Mit viel Einfallsreichtum wagten sich die Teilnehmer an ihren ersten Poetry- Slam-Text. Während Julia Altmeier gnadenlos mit Figuren aus der Fantasyliteratur abrechnete, Omar Andrés Alejs der Frage nachging, warum plötzlich alle den Bund der Ehe eingingen und Nadja Kattler über herumliegendes Stroh sinnierte, verkündete Philipp Sander, vom französischen Philosophen René Descartes inspiriert: "Ich denke, also bin ich ... genervt." Etwa von Wahlergebnissen und gesellschaftlichen Konventionen. Bis zum Abend hatten die Teilnehmer nicht nur neue Erfahrungen in Sachen Bühnenpräsenz und Dichtung gesammelt, sondern auch Blut geleckt. "Für mich war der Workshop eine Quelle der Inspiration und eine Möglichkeit, dem Alltagstrott zu entkommen", so Nadja Kattler.

Der Kurs gehört zu fünf kostenfreien Poetry Slam-Workshops, die der Verein Kulturraum Trier in Kooperation mit dem Städtenetz QuattroPole in Saarbrücken , Metz, Luxemburg und Trier veranstaltet. Nach Wunsch der Organisatoren soll am Ende ein deutsch-französisches Slammer-Team entstehen, das gemeinschaftlich einen Text erarbeitet und diesen im Oktober auf der rheinland-pfälzischen Poetry Slam-Meisterschaft präsentiert.

Workshops finden noch am 25. September in Luxemburg und am 27. September in Trier statt. Die muttersprachlichen Workshops werden von den Slam-Profis Francis Kirps (Luxemburg) und Nicolas Weidmann (Metz) geleitet. Am 4. und 5. Oktober treffen sich alle Teilnehmer in Trier , um gemeinsam ein deutsch-französisches Slammer-Team auf die Beine zu stellen.

Anmeldung und Info bei Peter Stablo (Kulturraum Trier e.V.), Mail: kultur@kulturraumtrier.de, Tel. 0 15 75/ 6 71 69 38.

kulturraumtrier.de