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Auf der Suche nach Angeboten nicht nur für „Töchter aus gutem Haus“

Auf der Suche nach Angeboten nicht nur für „Töchter aus gutem Haus“

Wie erreicht Kultur auch Menschen, die nicht zum klassischen Bildungsbürgertum gehören? Experten aus der Großregion berichteten über Erfahrungen mit besonderem Programm.

Wo hat die Kunst in der Großregion ihren Ort? Die Frage war im "Kultursalon" zu klären, zu dem die Konrad-Adenauer-Stiftung ins Mittelfoyer des Saarländischen Staatstheaters geladen hatte. Was sich wie ein Thema für eine der typisch harmlosen Sonntagsmatinéen ausnahm, erwies sich unter der bewährten Moderation von Ilka Desgranges, Leiterin der Regionalredaktion Mitte der "Saarbrücker Zeitung", als Aufruf zur "Montagsarbeit", sprich zur Arbeit mit und in der Großregion jenseits der politischen Lippenbekenntnisse. Was nützt der beste Kulturort, wenn niemand hinkommt, so der Hinweis von Paul Bertemes, langjähriger Politik- und Kulturredakteur der "Saarbrücker Zeitung" und Mitinhaber der von ihm in Luxemburg mitbegründeten privaten Agentur zur Kulturförderung "MediArt". Die Agentur ging daher mit Ausstellungen mit Künstlern aus der Großregion über Stadt- und Landesgrenzen, auch dorthin, wo kein eingeführtes Kunstpublikum wartete. Darum kümmert man sich auch im Forbacher Kulturzentrum "Le Carreau", so Aude Poilroux, Mitarbeiterin im Leitungsteam von "Le Carreau", und arbeitet in Schulen sowie mit Sozialzentren zusammen, "um zu zeigen, dass wir für alle da sind."

Nicht anders macht es Andrea Jahn, Leiterin der Stadtgalerie Saarbrücken , mit den von ihr eingeführten "Kindersonntagen". Darüber erreicht sie nicht nur Kinder als die Kunstfreunde von morgen, sondern auch manche Eltern, so ihre Erfahrung, die nicht ohne weiteres in die Stadtgalerie gekommen wären. Ein Ansatz, der Peter Michael Lupp vom Fachdienst Regionalentwicklung im Regionalverband Saarbrücken nicht weit genug geht: "Über das Bildungsbürgertum hinaus gibt es kaum Verständnis dafür, dass Kultur einen Wert hat", stellte er fest und folgerte: "Solange Kultur und Kunst nicht mit anderen Disziplinen vernetzt sind", werde das so bleiben und der Künstler vor allem ausstellen, anstatt als "Prozessbegleiter" an Kommune, Kreis und Land bewegenden Themen mitzuarbeiten. Daher muss für ihn "Kultur vor Ort im Alltag stattfinden" und sich als dessen Teil erweisen, wobei die angestammten Kulturorte von Theater bis Museum diesem Gedanken Vorschub leisten sollen. Das geht bisweilen nicht ohne Vorgaben, wie Ursula Thinnes, Chefdramaturgin am Saarländischen Staatstheater, mitteilte. Schülerprojekte des Theaters setzen bewusst eine Quote für junge Leute mit Migrationshintergrund oder Jungs, damit "nicht nur Töchter aus gutem Haus" dabei sind. Ein über Drittmittel finanzierter Ansatz, der sich als erfolgreich erwies, so Ursula Thinnes.

Denn darin liegt das Problem, worauf auch eine Stimme aus dem Publikum hinwies: Ohne die Hilfe der Politik kein Geld, ohne Geld keine Kultur beziehungsweise deren Vermittlung. Das war Anregung genug, um montags die Sonntagsthemen Kultur und Großregion anzupacken.