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Auf den Spuren des Osterhasen und seiner wildlebenden Artgenossen im Saarland

Auf den Spuren des Osterhasen und seiner wildlebenden Artgenossen im Saarland

Es ist wieder so weit: Die Kinder gehen auf Eiersuche und der Osterhase hat alle Pfoten voll zu tun. Doch was treibt der langohrige Frühlingsbote, wenn er gerade keine Eier versteckt?

Erste Belege des Eier-Versteckspiels an Ostern gehen auf das 18. Jahrhundert zurück. Der saarländische Volkskundler Gunter Altenkirch hat sich mit der Geschichte des Osterhasen eingehend befasst. "Ostern war ursprünglich ein heidnisches Frühlingsfest", erklärt der Leiter des Museums für dörfliche Alltagskultur in Rubenheim. Den Überlieferungen zufolge soll die germanische Frühlingsgöttin Holda eine besondere Vorliebe für Hasen und Eier gehabt haben. Durch Erzählungen sei so die Vorstellung vom eierlegenden Hasen als Symbol des Frühlings entstanden. "Schon damals wurde den Kindern erzählt, dass der Hase die Eier mitbringt", sagt Altenkirch.

Doch was treibt der langohrige Frühlingsbote, wenn er gerade keine Eier versteckt? Der wildlebende Feldhase ist in einigen Gebieten des Saarlands immer seltener anzutreffen. "Besonders im Bliesgau hat sich das negativ entwickelt", betont Ex-Landesjägermeister Daniel Hoffmann, jetzt Vorsitzender des Ausschusses für Wildtierökologie der Vereinigung der Jäger des Saarlandes. Dies liege vor allem am immer knapper werdenden Lebensraum. Feldhasen hielten sich bevorzugt auf kleinen Ackerbauflächen und Brachen auf und verließen ihre angestammten Orte nur widerwillig, erklärt Hoffmann. Einst brachliegendes Land werde heute zur Erzeugung von Bioenergie genutzt. "In letzter Zeit ist viel in der Landschaft passiert", sagt der Wildbiologe. Zudem seien Feldhasen reine Pflanzenfresser und benötigten Felder und Wiesen auch zur Nahrungsaufnahme. Die Jägervereinigung warnt daher vor den Folgen intensiver Düngung. Dennoch bewertet Hoffmann den Feldhasen-Bestand im Saarland als stabil. Im Schnitt gebe es hierzulande noch 13 bis 15 Hasen pro 100 Hektar. In Rheinland-Pfalz sind es nach Angaben des dortigen Jagdverbandes auf der gleichen Fläche nur noch 9,3 Hasen. Den Bestand reduziert hätten auch Füchse. Besonders Jungtiere seien den Räubern schutzlos ausgeliefert, sagt Hoffmann.

Die Jagd auf Hasen beginnt jedes Jahr Mitte Oktober und endet am 15. Januar. "Die Jäger im Saarland verzichten aber immer häufiger freiwillig auf die Hasenbejagung", so Hoffmann. Aus Artenschutzgründen blieben viele Hasen verschont. Schließlich seien sie "ein Stück unserer Kulturlandschaft".

Dieser Meinung ist auch Margit Jochem. Allerdings bezieht sich die leidenschaftliche Züchterin auf Kaninchen . Die beiden Tiere würden häufig miteinander verwechselt, sagt die Geschäftsführerin des Landesverbands der Rassekaninchenzüchter Saar. Kaninchen sind wesentlich kleiner als Feldhasen und wiegen bis zu zwei Kilogramm, während ein Feldhase bis zu sechs Kilo auf die Waage bringt. Zudem könnten Feldhasen nicht gezüchtet werden. "Wilde Feldhasen sind Nestflüchter. Sie brechen nach der Geburt sofort auf", erklärt die Tierliebhaberin. Deshalb eigneten sich für die Zucht nur Kaninchen . Diese kämen im Gegensatz zu Hasen blind und ohne Fell zur Welt und seien "Nesthocker".

Ob Hase oder Kaninchen : Das ist im Volksmund nicht immer eindeutig. In der Kindertagesstätte Schneckenhaus in Merzig ist allerdings klar, wer an Ostern die Eier bringt. Hier werden kurz vor Ostern viele Ostergeschichten vorgelesen. "Wir haben auch einen Osterhasen-Kuchen gebacken", erzählt Erzieherin Conny Faust. Ihre Kita sei zwar katholisch, aber der Osterhase gehöre einfach dazu. Diesen Mittelweg wählen viele Kitas im Saarland.

Françoise Groh von der Kindertagesstätte St. Maria Alschbach in Blieskastel baut mit ihren Schützlingen keine Papierhasen. "Die Kinder gehen zwar auch Eier sammeln, aber bei uns steht das Christliche im Vordergrund", sagt die Erzieherin. Auch für Conny Faust aus Merzig ist der religiöse Hintergrund wichtig. Die Geschichte von Jesus und seiner Wiederauferstehung verstünden selbst die Vierjährigen, erzählt sie. "Ich erkläre ihnen, dass aus dem Ei des Osterhasen ein neues Leben schlüpft. Dann können sie sich die Wiederauferstehung besser vorstellen", sagt Faust. Ganz ohne den Hasen geht es an Ostern also nicht.