Auf das Rote Kreuz warten neue Aufgaben

Saarbrücken · 150 Jahre nach der Gründung steht das Rote Kreuz im Saarland vor einer Herausforderung: weniger Helfer, aber mehr Hilfebedürftige. Wie soll das gehen? Mit „attraktiven Angeboten“ sollen Aktive gewonnen werden.

 Übungen wie hier in Dudweiler gehören für die Helfer des Roten Kreuzes dazu. Foto: Eric Wollbold

Übungen wie hier in Dudweiler gehören für die Helfer des Roten Kreuzes dazu. Foto: Eric Wollbold

Foto: Eric Wollbold

Mit einem Krieg, genauer gesagt dem Sardinischen Krieg, fing alles an. Die Schlacht von Solferino (1859) mit zehntausenden Todesopfern und Verwundeten führte 1863 zur Gründung des Roten Kreuzes. So gesehen hat sich in den vergangenen 150 Jahren nur wenig geändert. Noch immer kümmert sich das Rote Kreuz um Kriegsflüchtlinge. Im Saarland waren im vorigen Jahr 700 Rot-Kreuz-Helfer im Einsatz, um Flüchtlinge zu versorgen und zu betreuen, bis der anfangs überforderte Staat die Aufgaben nach und nach selbst übernahm.

Trotz des seit Jahresbeginn deutlich schwächer gewordenen Zustroms stellt sich das DRK nach den Worten von Landeschef Michael Burkert bereits wieder auf eine Zunahme der Betreuungsaufgaben und einen intensiveren Einsatz der Ehrenamtlichen ein. Als Grund für neue Fluchtbewegungen nannte er am Freitagabend bei der 150-Jahr-Feier des saarländischen DRK auf dem Halberg weltpolitische Veränderungen.

DRK-Präsident Rudolf Seiters forderte einen deutlichen Ausbau der Beratungsangebote, Integrations- und Sprachkurse für Flüchtlinge . Die Hilfsbereitschaft sei nach wie vor sehr groß, aber die Flüchtlinge müssten sich auch selbst um die Integration bemühen, sagte er. Wenn der Staat nicht unterscheide zwischen politisch Verfolgten und Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland kämen, werde er mit der Aufgabe nicht fertig.

Kopfzerbrechen bereitet der DRK-Spitze das derzeitige gesellschaftliche Klima: "Stimmen, die gezielt ein Klima der Angst und Gewalt gegen Flüchtlinge schüren, müssen wir entschieden entgegentreten", sagte Seiters. Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte und Helfer seien Verbrechen und unerträglich. Die aktuelle öffentliche Debattenkultur sei "nicht gerade hilfreich für die Motivation unserer Helferinnen und Helfer", erklärte der frühere CDU-Politiker und Bundesinnenminister (1991-93). Auch Sozialministerin Monika Bachmann (CDU ) beklagte, die Gewalt gegen Einsatzkräfte und die Behinderung von Einsätzen durch Gaffer nähmen zu. Dem müsse auch mit härteren Strafen begegnet werden.

Am 24. Juni 1866, also drei Jahre nachdem in Genf der Schweizer Kaufmann Henry Dunant das Rote Kreuz gegründet hatte, riefen Männer und Frauen in der damals selbstständigen Stadt St. Johann (heute Saarbrücken ) den ersten Rotkreuz-Verein des Saarlandes ins Leben. Seit den ersten Sanitätskolonnen wuchs das DRK an der Saar zu einer "Bewegung der Humanität" (Burkert) mit 47 600 Mitgliedern und 4800 ehrenamtlichen Helfern. Und mit über 2300 hauptamtlichen Mitarbeitern zu einem der größten Arbeitgeber im Land. Das DRK betreibt ein Krankenhaus in Saarlouis, eine Klinik für Geriatrie in Mettlach, vier Gästehäuser im Kreis Saarlouis, eine Reha- und Kurklinik in St. Ingbert sowie Pflegeeinrichtungen in Gersheim und Dudweiler.

"Das Rote Kreuz steht für das Gute im Menschen", sagte Bachmann, selbst DRK-Vorsitzende im Landkreis Saarlouis. Ohne die Präsenz der Sanitäter seien öffentliche Freizeit-Vergnügen nicht möglich. Wobei gerade bei Großveranstaltungen wie Saarspektakel oder Rocco del Schlacko die Leistungen der Helfer "sichtbar und stetig" zunehmen, wie Burkert sagte. Lob erntete das DRK auch vom Moderator des Festaktes, "Tagesschau"-Sprecher Jan Hofer , der selbst DRK-Botschafter ist.

DRK-Präsident Seiters sieht die Hilfsorganisation auch wegen der Veränderungen in der Gesellschaft vor "großen Aufgaben und Herausforderungen". Die deutsche Gesellschaft werde in den nächsten zwei Jahrzehnten um fünf Millionen Menschen schrumpfen: Einer steigenden Zahl von Hilfsbedürftigen stehe somit eine sinkende Zahl von potenziell hilfefähigen Menschen gegenüber - was viele Ortsvereine im Saarland schon heute in Form zurückgehender Helferzahlen spüren. "Das Ehrenamt wird somit noch wichtiger", sagte Seiters. Dazu wolle das DRK "mit attraktiven und machbaren Angeboten" neue Mitglieder werben, unter Jungen, Alten und Zuwanderern.

Das DRK wolle seine führende Stellung im Rettungsdienst - im Saarland betreibt das DRK 26 der 34 Rettungswachen - und im Bevölkerungsschutz ausbauen, weiterhin die Blutversorgung sicherstellen (saarlandweit 450 Blutspende-Termine im Jahr), die Freiwilligendienste sowie die Wohlfahrts- und Sozialarbeit stärken.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort