Auch Asphalt kann wie ein Parfüm riechen

Seit Februar wird die 660 Meter lange Völklinger Südtangente saniert. Der Beton soll für weitere 40 Jahre (und 15 000 Autos täglich) ertüchtigt werden. Die Arbeiten werden aber in diesem Jahr nicht fertig.

Auch wenn die Luft am Mittwochmorgen nur 20 Grad warm ist - an der "Teermaschine", in der Flammen lodern und die 230 Grad heißen Straßenbelag auf die Völklinger Südtangente (Bundesstraße 51) legt, herrschen gut 40 Grad. Etwa zehn Mitarbeiter halten das mächtige Gerät am Laufen. Pro Minute kommen sie zwischen einem und drei Meter voran.

Im Fachjargon heiße die Maschine "Guss as phalt -Ein bau boh le", erklärt Edgar Bade; er ist der Bauüberwacher des Landesbetriebes für Straßenbau (LfS). Und der ist Bauherr des Fünf-Millionen-Euro-Projektes "Sanierung der Südtangente".

Das Bindemittel Teer (aus Steinkohle) wird wegen seiner Gefahr für die Gesundheit im deutschen Straßenbau seit 1984 nicht mehr verwendet. Trotzdem sagen viele Leute immer noch "Teer", wenn sie eigentlich "Asphalt" meinen. Der wird von Bitumen zusammengehalten, einem Kleber aus Erdöl, der als unbedenklich gilt. Interessanterweise riecht Asphalt aber fast wie der alte Teerbelag. Für viele Männer am Bau ist der Geruch so angenehm wie Parfüm.

Die Jüngeren an der Maschine haben den Oberkörper wegen der Hitze entblößt, die erfahrenen Kollegen tragen trotzdem lieber Langarm, um die Haut vor Verletzungen und auch vor dem Fahrtwind des vorbeifahrenden Verkehrs zu schützen. Schnell habe man sich hier eine Erkältung eingefangen, heißt es.

In einem Rutsch sollte bis Mittwochabend die Asphaltdeckschicht auf einer Länge von gut 600 Metern aufgetragen worden sein, und zwar auf der Fahrbahn nach Bous - ein Klacks im Vergleich zu den langwierigen Vorarbeiten, die seit Februar laufen (wir haben bereits berichtet). Im Kern ging es darum, selbst die kleinsten Schäden im Stahlbeton der etwa 40 Jahre alten Brücke zu sichten und auszubessern. Wie Bade sagt, sei der Zustand der Brücke unten schlecht wie erwartet und oben etwas schlechter gewesen. "Früher hat man nicht so exakt gearbeitet wie heute", glaubt er und erklärt, dass jedes Stück Stahl von mindestens 3,5 Zentimeter Beton geschützt sein solle. Dies sei hier nicht überall der Fall gewesen.

Bevor nun moderne Werkstoffe wie kunststoffverstärkter Beton zur Ausbesserung verwendet werden können, ist archaische Handarbeit wie zu Großväter-Zeiten angesagt: Mit dem Hämmerchen wird jeder Quadratzentimter abgeklopft, um hohle Stellen aufzuspüren - eine Art Zahnarztarbeit an einem Berg von Beton.

Dies alles geschah nicht nur oben auf der Fahrbahn, sondern auch unter der Brücke. Dazu stehen etwa 80 000 Kubikmeter Gerüst. Wenn man schon mal nah dran ist, werden auch Gitter gespannt, um die Unterbauten vor Tauben und deren Kot zu bewahren.

Auch die Arbeit der Eisenflechter auf der Großbaustelle ist dieselbe wie seit Jahrzehnten und ist von keiner Maschine zu ersetzen. Die Männer knien in den Verschalungen, in die ein neuer Randbereich ("Kappe") der Brücke gegossen wird, und binden mit Draht Eisenstangen zu dreidimensionalen Körben zusammen.

Zum Thema:

Auf einen BlickDie Sanierung der Südtangente sollte im November beendet sein, dauert aber (mit Winterpause) bis Mitte 2014, wie der LfS mitteilt. Grund: Frost und Nässe im Frühjahr hätten die Arbeiten verzögert. Verschoben auf 2014 wird der größte Teil der Fahrbahnsanierung Richtung Saarbrücken. Ein etwa 150 Meter langes Teilstück (im Osten, Nähe Amtsgerichtskreisel) soll noch bis November fertig werden. Der Verkehr fließt über die Gegenfahrbahn, die Abfahrt zum Kreisel bleibt erhalten. wp