Arzt weg, Laden zu – und was nun?

Wie können alte Menschen an den Stadträndern oder in den Dörfern bleiben? Um den Wert des vertrauten Umfeldes ging es im SZ-Ältestenrat. SPD-Politikerin Elke Ferner nimmt viele Forderungen mit nach Berlin.

"Eins möchte ich mal klarstellen: Wir älteren Menschen treten häufig als unterstützungsbedürftig auf. Andererseits haben wir aber eine wichtige Rolle. Wir fahren unsere Enkelkinder zur Schule oder zum Sport, wir betreuen sie oder unterstützen unsere Familien finanziell", sagte Rüdiger Kaldewey, der Vorsitzende des Ältestenrates der Saarbrücker Zeitung, in der jüngsten Sitzung. Zu Gast war die Saarbrücker SPD-Politikerin Elke Ferner . Mit der Parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend suchte die Gruppe Antworten auf die Frage, wie ältere Menschen im ländlichen Raum und am Stadtrand sich versorgen können.

Ferner war es wichtig, zu diesem Thema die Sicht des Bundes einzubringen. Der trage nämlich Sorge und Mitverantwortung für die Kommunen. "Jeder möchte gerne solange, wie es geht, im gewohnten Umfeld bleiben", sagte Ferner. Da sei es wichtig, dass man nicht "von Hinz zu Kunz" rennen muss, sondern die Hilfe aus einer Hand kommt. Als gutes Beispiel dafür nannte sie das Projekt "Brebach versorgt sich selbst". Dabei helfen sich die Bürger des Stadtteils gegenseitig im Alltag.

"Heute müssen wir Autofahren können bis wir 90 sind", sagte Inge Schwarz. Denn viele kleinere Läden hätten in den letzten Jahren zugemacht, und man brauche für alles ein Auto. Ferner will sich dafür einsetzen, dass die öffentliche Hand Tante-Emma-Läden unterstützt. Ein ähnliches Problem wie mit den Geschäften sieht der Ältestenrat bei den Arztpraxen in den Dörfern und an den Stadträndern.

Heribert Bernardy sagte, er wisse von einem Arzt, der vor seiner Pension lange einen Nachfolger gesucht habe. Nun habe er für einen gleitenden Übergang einen jungen Kollegen eingestellt. Doch so gut läuft es nicht überall. "Oft lohnt es sich für die jungen Ärzte nicht, eine Praxis auf dem Dorf zu übernehmen", sagte Ferner. Die Geräte seien oft veraltet. Stattdessen entstünden immer mehr medizinische Versorgungszentren in der Stadt, wo Ärzte zusammenarbeiten. "Es ist halt nicht mehr wie früher, als eine Arztpraxis nur aus einem Hörrohr und den Händen bestand", sagte Werner Kirsch.

Als im Ältestenrat die Rente zum Thema wurde, kochten bei Inge Schwarz die Emotionen hoch. "Frauen müssen für die gleiche Arbeit den gleichen Lohn und später die gleiche Rente kriegen", sagte sie mit Blick auf den Lebensstandard der Rentnerinnen. Das kam an. Begeistert von dieser klaren Forderung klopften die anderen Mitglieder des SZ-Ältestenrates auf die Tische.