Arzt hilft Mädchen aus Afghanistan

Saarbrücken. Viele Gesichtsoperationen hat die kleine Amina aus Afghanistan in den vergangenen zehn Monaten über sich ergehen lassen. Es hat sich gelohnt, schreibt das Klinikum Saarbrücken. Nach dem letzten Eingriff hat sie ein fast rundes pausbäckiges Gesicht.Amina, geschätzt wird sie auf fünf bis sechs Jahre (in Afghanistan wird der Geburtstag nicht dokumentiert), war am 22

Saarbrücken. Viele Gesichtsoperationen hat die kleine Amina aus Afghanistan in den vergangenen zehn Monaten über sich ergehen lassen. Es hat sich gelohnt, schreibt das Klinikum Saarbrücken. Nach dem letzten Eingriff hat sie ein fast rundes pausbäckiges Gesicht.Amina, geschätzt wird sie auf fünf bis sechs Jahre (in Afghanistan wird der Geburtstag nicht dokumentiert), war am 22. August von Kabul über Düsseldorf ins Klinikum Saarbrücken gekommen. Vermittelt hat sie das Friedensdorf Oberhausen, das sich für die medizinische Versorgung von Kindern aus Kriegs- und Krisengebieten in Deutschland starkmacht.

Die Kleine war bei einer Explosion von einem Splitter im Gesicht verletzt worden, schreibt das Klinikum. Dabei zersplitterte der linke Unterkieferknochen. Als der Unterkiefer ohne Behandlung wieder zusammenwuchs, bekam das Mädchen ein ausgeprägtes fliehendes Kinn. Nicht nur das: Die Zähne wuchsen schief. Amina konnte den Mund nicht mehr richtig öffnen und schließen und kaum noch kauen.

Als sie im Klinikum ankam, hatte sich eine Fistel gebildet. Die Wunde war entzündet. Erst nachdem diese Wunde verheilt war, konnte sich der leitende Oberarzt der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie des Klinikums Saarbrücken, Dr. Herbert Rodemer, an die eigentliche Behandlung machen. Das war im Dezember 2011.

Der erfahrene Gesichtschirurg entschied sich dafür, einen sogenannten Distraktor einzubauen. Der funktioniere wie ein Expander. Hierzu trennte Rodemer den Unterkiefer auf der linken Seite auf und befestigte den Distraktor. Bis zur vollständigen Neubildung des körpereigenen Knochens blieb der Distraktor sozusagen als Schiene im Mund. Vor kurzem hat er den Distraktor entfernt. So gelang es, den Unterkiefer um zwei Zentimeter zu verlängern. Seit Jahren unterstützt das Klinikum Saarbrücken das Friedensdorf Oberhausen, um Kindern aus Krisengebieten zu helfen. Die Erzieherin Renate Wagener kümmerte sich mit den Kinderkrankenschwestern der Station um das Mädchen, das anfangs lange unter der Trennung von seiner Familie litt.

Die Kleine erlebte einen Kulturschock. Sie kannte weder Toiletten noch war sie es gewohnt, regelmäßig Fleisch zu essen. Und wenn sie sich wieder einmal nach ihrer Mama sehnte, setzte sie die Erzieherin in die Badewanne. "Ein heißes Bad mit Schaum und vielen Gummitieren, das beruhigt sie", sagt Renate Wagener.

Während Amina bis zur Abschlussuntersuchung wieder im Friedensdorf ist, liegt dem Klinikum bereits die nächste Anfrage vor. Geschäftsführerin Susann Breßlein habe ihre Zusage bereits erteilt.

Breßlein: "Die ärztliche Leistung erbringt großzügigerweise der behandelnde Arzt aus persönlichem Engagement, aber damit wir regelmäßig Kindern aus Krisengebieten helfen können, sind wir für die medizinischen Materialien und die Versorgung der Kinder auf Spenden angewiesen."

Für die Behandlung Aminas spendete der Inner Wheel Club des Rotary Clubs Saarbrücken-St. Johann 1000 Euro. Der Bliesransbacher Lukas Schwöbel steuerte 200 Euro bei. red

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