Anspruch auf „anständige Friedhöfe“

Auf den Saarbrücker Friedhöfen gab es im Frühjahr einen personalbedingten „Pflegerückstand“, der inzwischen als weitgehend behoben gilt. Die Ursache des Problems hängt mit der Nachfrage nach Urnenbestattungen zusammen, heißt es.

Grippewelle, Unfälle in Beruf und Freizeit, langwierige Erkrankungen auch unter Führungskräften - auf den 22 städtischen Saarbrücker Friedhöfen waren im Frühjahr zahlreiche der 80 Außendienst-Mitarbeiter ausgefallen. So manches Tagwerk blieb liegen, vor allem wucherten Gras und Kraut, so dass es zu Beschwerden aus der Bevölkerung kam; die Leute sind schönere Anlagen gewohnt (wir berichteten).

Auf Antrag des Stadtverordneten Philipp Schneider (SPD ) erstattete Carmen Dams nun im Friedhofsausschuss des Stadtrates Bericht über die Zustände. Die Leiterin des Amtes für Stadtgrün und Friedhöfe sieht die - unumwunden eingeräumten - "Pflegerückstände" der Monate April bis Juni inzwischen weitgehend aufgeholt (in Gersweiler soll es noch etwas dauern) und lobte Motivation und Schaffenskraft der Mitarbeiter.
Stellen nicht besetzt

Der Personalrat beklagte in der Sitzung, dass auf den Friedhöfen seit 15 Jahren frei werdende Stellen nicht besetzt würden, der Altersdurchschnitt sei zu hoch, viele Kollegen hätten sich körperlich aufgerieben und seien nur eingeschränkt verwendungsfähig.

Die Amtsleitung schilderte, dass auch der Wegfall der Bürgerarbeit im vergangenen Jahr die Situation verschärft habe, ganz zu schweigen vom Beschluss des Stadtrates im Jahr 2007, wonach keine Arbeiten mehr an Fremdfirmen vergeben werden dürften.

Nun werden zwar zum 1. August vier neue Friedhofsarbeiter eingestellt, dennoch sieht Dezernent Harald Schindel (Linke) die Lösung des Problems "Friedhofspflege" langfristig nicht in einer Personalverstärkung. Vielmehr soll ein großer Friedhofs-Entwicklungsplan samt neuen Pflegekonzepten erstellt werden. So will man, wo es unter Wahrung von Rechtsansprüchen und Pietät möglich ist, einzelne Friedhofsflächen mit wenig Belegung aus der Nutzung nehmen.

Nach Worten von Amtsleiterin Dams hängt der steigende Pflegeaufwand mit dem Wandel der Bestattungsformen zusammen. Weil überwiegend Urnengräber gefragt sind, lichten sich die klassischen Reihen der Grabfelder. Es entstehen überall Insel-Flächen, die aufwendig zu mähen sind. Hinzu kommt, dass von den Gräbern selbst Unordnung ausgeht. Auf dem Hauptfriedhof werde inzwischen nur noch jedes zweite Grab von Hinterbliebenen gepflegt, hieß es.
Problem Hausmüll

Ein Problem ist nach Auskunft des Friedhofsamtes (auf Anfrage der Grünen) auch Hausmüll, der auf die Friedhöfe gebracht wird und teilweise mühsam aus dem Grünschnittabfall (der zu Kompost wird) sortiert werden muss. Ob das Aufkommen mit der Einführung der Müllverwiegung zu tun hat, weiß man (noch) nicht. Man kam überein, die Angelegenheit genau zu beobachten und Maßnahmen zu ergreifen. Vielleicht hilft ja schon der Vorschlag der CDU , größere Restmülleimer aufzustellen.

Die Verwaltung will auch prüfen, ob die Müllentsorgung auf den Friedhöfen an die spezialisierte Tochter ZKE abgegeben werden kann. Dann könnten die Friedhofsgärtner wieder ihre eigentliche Arbeit machen. So oder so gilt das Versprechen der Amtsleiterin, dass jeder Stadtteil einen "anständigen Friedhof" haben müsse.