Angst vor mehr Hochwasser, Verkehr und Abgas

Saarbrücken. Scharfe Kritik am Projekt "Stadtmitte am Fluss" äußerte jetzt der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) Saar

Saarbrücken. Scharfe Kritik am Projekt "Stadtmitte am Fluss" äußerte jetzt der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) Saar. Der BUND geht davon aus, dass beim Bau der Saarbrücker "Stadtmitte am Fluss" die Autobahn "zwischen Bismarck- und Wilhelm-Heinrich-Brücke auf 1,5 km in die Erde verlegt" und "die Wilhelm-Heinrich-Brücke dafür völlig abgerissen und neu gebaut" wird - und dass "der dortige Anschluss von und zur Autobahn wegfallen soll".

Das jedoch - so glaubt der BUND - bringe Saarbrücken "erhöhte Verkehrsbelastungen auf etlichen innerstädtischen Straßen, Verschlechterung des Hochwasserabflusses der Saar, Wegfall der letzten Uferböschungen, weitere Versiegelung der Uferbereiche, Beeinträchtigung des Wasserschutzgebietes St. Arnual, erhöhte Schadstoffkonzentrationen an den Tunnelöffnungen und mehr Lärmbelastungen nicht nur während der Bauzeit".

Der BUND begründet diese Befürchtungen wie folgt: "Die Verminderung des Rückhalteraums ist infolge des Tunnelprojekts so groß, dass zu einem Ausgleich auf eine Absenkung der unmittelbar am Naturschutzgebiet St. Arnualer Wiesen liegende Fläche von rund 3,5 Hektar zurückgegriffen werden soll." Aber der BUND lehnt "die Preisgabe dieser Fläche zum Ausgleich für die geplanten Veränderungen an der Autobahn entschieden ab". Denn laut BUND ergeben "alle Untersuchungen des Umweltbundesamts zur Klimaentwicklung, dass infolge der Klimaveränderung im Saarland gerade im Winter mit Erhöhung der Niederschlagsmengen um 70 Prozent zu rechnen ist". Daraus folgert der BUND: "Wir brauchen unbedingt zusätzliche Vorhaltung von Raum zur Zurückhaltung von Saarhochwasser, nicht zuletzt wegen unserer internationalen Verantwortung zum Hochwasserschutz in der SaarLorLux-Region." Daher, so meint der BUND, sei "die Aufgabe von Hochwasserstauraum für den Autobahnbau nicht zu rechtfertigen".

Und aus all diesen Gründen, so erklärt der BUND, müsse er das Projekt ablehnen.

Saarbrückens Baudezernentin Dr. Rena Wandel-Hoefer (Foto: Stadt) reagierte mit Unverständnis auf die Kritik des BUND: "Bei der Planung des Vorhabens wurden und werden ökologische Gesichtspunkte eine zentrale Rolle spielen. Die neue Stadtmitte führt zu einer deutlich messbaren Verbesserung der Lärmsituation, dies gilt ausdrücklich auch für die Franz-Josef-Röder-Straße als neuer Stadtboulevard. Durch die neue Stadtmitte entstehen aber beispielsweise auch größere Retentionsräume, und das Stadtklima wird nachweislich verbessert." Aus dem "derzeit bestehenden menschenunfreundlichen Raum, geprägt durch ein lärmendes Asphaltband", werde ein "hochwertiger Aufenthalts- und Landschaftsraum im Zentrum der Stadt". Bei dem Projekt gehe es primär darum, "das Schaffen innerstädtischer Entwicklungsflächen mit der Lösung bestehender verkehrstechnischer Probleme" zu verbinden.

Wandel-Hoefer versicherte: "Wir verringern nicht den Hochwasserstauraum, sondern verbessern sogar - belegt durch detaillierte Simulationen - die Hochwasser-Situation in der Innenstadt, etwa am Staden. Im Bereich der St. Arnualer Wiesen wird auch keine Fläche preisgegeben, wie vom BUND kritisiert. Es wird vielmehr ein Randbereich, der nicht Bestandteil des Naturschutzgebietes ist, in eine ökologisch hochwertige Flachwasserzone mit Schilfgürtel umgestaltet." Grundsätzlich werde das Projekt darüber hinaus durch "das umfassende Entsiegeln von Flächen" nachweislich zu einer Verbesserung des Innenstadtklimas beitragen. red