Angeblicher Vize-Präsident der „Osmanen“ zu fast fünf Jahren Haft verurteilt

Angeblicher Vize-Präsident der „Osmanen“ zu fast fünf Jahren Haft verurteilt

Seit Monaten sorgen die „Osmanen“ für Schlagzeilen. Der angebliche Vizepräsident der rockerähnlichen Gruppe stand nun wegen Drogenhandels vor Gericht.

Wegen Drogenhandels im großen Stil hat das Landgericht einen 39 Jahre alten Türken aus Saarbrücken zu vier Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Der mehrfach einschlägig vorbestrafte Mann gilt als Vize-Präsident der "Osmanen" Saarland , dem regionalen Ableger einer bundesweit aktiven rockerähnlichen Gruppe, die sich selbst als Boxclub versteht.

In seiner Garage hatte die Polizei im Sommer 2016 ein Depot mit 2,6 Kilogramm Marihuana, 1,5 Kilo Amphetamin und 42 Gramm Kokain gefunden.

Vor Gericht legte der Angeklagte über seinen Verteidiger ein Geständnis ab. Mögliche Mittäter, Lieferanten oder Kunden benannte der 39-Jährige nicht. Er war im Alter von zwei Jahren mit seinen Eltern und Geschwistern nach Deutschland gekommen. Sein Vater war Bergmann. Der Sohn lernte perfekt Deutsch, absolvierte die Hauptschule und eine Lehre als Betonbauer.

Vorgeschichte

Mit etwa 15 Jahren begann er regelmäßig Drogen zu konsumieren. Rund drei Jahre später stand er erstmals wegen Diebstahls vor Gericht, es folgten Verurteilungen wegen Drogenhandels, Bedrohung und Körperverletzung. Im Jahr 2005 wurde der Mann wegen Drogenhandels erstmals zu einer mehrjährigen Haftstrafe ohne Bewährung verurteilt.

Rund zwei Jahre später gab es die nächste Gefängnisstrafe. Insgesamt saß der Mann bislang bereits acht Jahre wegen Dogenhandels hinter Gittern. Dazu kommt eine Bewährungsstrafe aus dem Jahr 2016 wegen Körperverletzung und Nötigung.

Kurz nach diesem Urteil gab es in Dudweiler eine Schießerei und vor einer Shisha-Bar in Saarbrücken explodierte eine Handgranate. Eine Sonderkommission der Polizei nahm daraufhin die "Osmanen" im Saarland und mit ihnen den Angeklagten als angeblichen Vize-Präsidenten genau unter die Lupe.

Wohnungsdurchsuchung

Fahnder durchsuchten Anfang August 2016 die Wohnung des 39-Jährigen und die Garage in seinem Mehrfamilienhaus. Sie fanden Marihuana, Amphetamin und Kokain. Auch weißes, koffeinhaltiges Pulver als Streckmittel für die Drogen und weitere Utensilien eines Drogenhandels wurden entdeckt. Der Angeklagte wurde zur Fahndung ausgeschrieben und Mitte August 2016 festgenommen.

Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Dort wurde er von einer psychiatrischen Gutachterin untersucht. Aus deren Sicht und nach Feststellung der Richter ist der Angeklagte für sein Tun strafrechtlich voll verantwortlich. Der Mann wisse und wolle, was er tue.

Es handele sich um einen Menschen mit einer dissozialen Persönlichkeitsstörung. Diese habe sich seit früher Jugend entwickelt und sei gekennzeichnet durch eine geringe Frustrationstoleranz, eine niedrige Gewaltschwelle, die Neigung, andere zu beschuldigen, eine andauernde Verantwortungslosigkeit und die permanente Missachtung sozialer Regeln.

Der Drogenkonsum des Mannes und seine Straftaten seien Ausdruck dieser Persönlichkeit mit deutlich psychopathischen Zügen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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