An die Schulzeit erinnert man sich gerne zurück

Bei der Stadtrundfahrt "Auf den Spuren der Nazi-Herrschaft in Saarbrücken" lernte eine Schülergruppe des Saarpfalz-Gymnasiums Verena Paul kennen, die dort 2002 das Abitur machte und jetzt Referentin bei der Stiftung Demokratie Saarland in Saarbrücken ist.

Die beiden Oberstufenschülerinnen Nadine Beha und Lilly Preuße wollten mehr wissen über den Werdegang ihrer Schulkollegin.

Sie sind eine ehemalige Schülerin des SPG. Was haben Sie nach dem Abitur gemacht?

Paul: Von 2002 bis 2008 habe ich in Saarbrücken und Hamburg Neuere Deutsche Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte und Neuere Geschichte studiert. 2012 wurde ich dann promoviert. Parallel zum Studium absolvierte ich in unterschiedlichen Bereichen Praktika, etwa im Verlagswesen, bei einer Online-Redaktion oder in verschiedenen Kunstgalerien. Und seit März 2014 bin ich nun bei der Stiftung Demokratie Saarland in Saarbrücken.

Welche Ziele verfolgt die Stiftung Demokratie Saarland und was sind ihre typischen Angebote?

Paul: Die SDS möchte dazu beitragen, dass demokratische Ideen und Werte Verbreitung finden und Menschen aus allen Lebensbereichen in ihrem gesellschaftlichen Engagement bestärkt und bildungspolitisch gefördert werden. Dies geschieht einerseits mit einem Vortragsprogramm, das neben historischen Themen vor allem aktuelles Geschehen beleuchtet. Andererseits wird unserem Bildungsauftrag mit einem Seminarangebot, historischen Ausstellungen sowie mit Studien- und Schulfahrten Rechnung getragen. Und wenn wir im Sommer 2015 unser neues Zuhause - die "Politische Akademie" - am Eurobahnhof in Saarbrücken beziehen, dann kann die SDS ihre bildungspolitischen Aufgaben noch besser erfüllen.

Welche Tätigkeiten üben Sie bei der Stiftung Demokratie Saarland aus?

Paul: Neben der Betreuung unserer Facebook-Seite bin ich als Referentin tätig, betreue Seminare und Lesungen und werde nach dem Ausscheiden einer Kollegin Ende nächsten Jahres die Ausstellungsorganisation übernehmen.

Was inspiriert Sie dazu, sich mit der Thematik des Genozids an den europäischen Juden zu beschäftigen?

Paul: Ich glaube, dass die Auseinandersetzung mit Geschichte generell sehr wichtig ist, da sie uns die Gegenwart oft besser verstehen lässt. Aber jede Zeit muss ihre eigenen Antworten finden. Im besten Fall sollte man aus vergangenen Fehlentwicklungen lernen, um Gutes bewirken zu können. Die Auseinandersetzung mit dem Holocaust ist für mich ein Thema, mit dem es sich am ehesten aus wissenschaftlicher Distanz beschäftigen lässt, da ansonsten das Erschließen und Verstehen angesichts der Gräueltaten der Nationalsozialisten bisweilen erschwert wird.

Welche Erwartungen haben Sie mit der Ausstellung an die Schüler ?

Paul: Ich möchte nicht von Erwartung, sondern vielmehr von Hoffnung sprechen. Die Stiftung erhofft sich, dass sie mit der Ausstellung den Schülerinnen und Schülern Impulse zu einer intensiveren Auseinandersetzung mit diesem Kapitel deutscher Geschichte geben kann.

Wie beurteilen Sie Ihre eigene Schulzeit am Saarpfalz-Gymnasium?

Paul: Es war eine schöne Phase meines Lebens - und ich sage das nicht nur aus der Retrospektive, sondern habe das damals auch so empfunden.

Was war Ihr schönstes Erlebnis am Saarpfalz-Gymnasium?

Paul: Das war neben dem Erreichen des Abiturs die Flugreise nach Mallorca in der achten Klasse (1997) im Kontext des Projekts "Zeitung macht Schule". Wir haben vor Ort den Massentourismus untersucht und zwei Bücher verfasst. Das war für mich eine sehr bereichernde Erfahrung.

Worin sehen Sie die Bedeutung des Projekts "Zeitung macht Schule" der Saarbrücker Zeitung?

Paul: Darin sehe ich eine erste Orientierungshilfe für die Zeit nach der Schule. Das soll nicht heißen, dass man sich danach unbedingt dem Journalismus zuwenden muss. Dieses Projekt eröffnet jungen Menschen die Möglichkeit, einen "Blick über den schulischen Tellerrand" hinaus zu werfen, noch dazu ohne Notenzwang.