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Amt kämpft gegen Kinder-Karies

Saarbrücken. „20 Prozent der Kinder haben 80 Prozent der Karies“, sagt das Gesundheitsamt und erklärt, warum trotz einer positiven Studie des Instituts der deutschen Zahnärzte die Karies bei Kindern im Regionalverband nicht zurückgeht. Markus Saeftel

Jeder dritte Grundschüler im Regionalverband hatte 2015 Karies , bei den Erstklässlern waren es sogar 37 Prozent. Das berichtete die SZ nach einem Gespräch mit dem Gesundheitsamt. Gleichzeitig teilte aber das Institut der deutschen Zahnärzte mit, bundesweit hätten 81,3 Prozent der 12-jährigen Kinder im Jahr 2014 kariesfreie Gebisse gehabt. Die Versicherung Barmer GEK wies in ihrem Zahnreport unter anderem darauf hin, dass die 6- bis 17-Jährigen im Saarland von 2010 bis 2014 deutlich weniger zur Individualprophylaxe beim Zahnarzt gingen als im Bundesdurchschnitt.


Wie passen diese unterschiedlichen Karies-Statistiken zusammen? Dr. Annette Szliska, Leiterin des zahnärztlichen Dienstes des Gesundheitsamts, sagt ebenfalls, die Karies bei Kindern und Jugendlichen sei zwischen 1953 und 2003 gesunken - doch seitdem stagnieren die Werte. Szliska macht auf ein großes Problem aufmerksam: "Mittlerweile haben 20 Prozent der Kinder 80 Prozent der Karies . Diese Gruppe geht selten oder nie zum Zahnarzt, erhält keine prophylaktischen Maßnahmen und wächst in Elternhäusern auf, die aus Unkenntnis oder Überforderung auch nur sehr zögerlich oder gar nichts an dieser Situation ändern." Unbestritten sei außerdem, dass bundesweit die "frühkindliche Karies " wegen zuckerreicher Nahrung und Getränken, ständiger Verfügbarkeit von Saugflaschen und schlechter Mundhygiene deutlich zunehme.

Die Auswertung der Untersuchungen der Erstklässler im Schuljahr 2015/16 habe ergeben, dass 13 Prozent dieser Kinder im Regionalverband zur "Hochrisikogruppe" mit sechs und mehr Milchzähnen und/oder bleibenden Zähnen mit Karies zählen. 37 Prozent der Erstklässler haben im Schnitt 1,8 Zähne mit Karies , 7 Prozent haben nach Angaben Szliskas eine schlechte Mundhygiene. Seit 2011 seien eine stetige Verschlechterung der Zähne und ein Kariesanstieg im Regionalverband festzustellen, betont sie. Das Gesundheitsamt lege seine Schwerpunkte wegen dieser Zahlen auf regelmäßige Untersuchungen, Prophylaxeunterricht, Aufklärung und eine intensive Betreuung der "Karieshochrisikokinder".