Am Samstag muss jeder Handgriff sitzen

Vize-Weltmeisterin war sie schon, jetzt versucht sie wieder ganz vorne zu landen: Aline Thielen aus Elm nimmt am 3. Mai bei der WM der Friseure teil. In Frankfurt tritt die 26-Jährige im Fach Kosmetik an.

Wenn die 26 Jahre alte Aline Thielen derzeit ihren Friseursalon in der Sebastianstraße in Elm abends zuschließt, ist sie glücklich, aber auch ein bisschen aufgeregt. Denn dann beginnt für sie die harte Trainingszeit an ihrem Modell Melanie Kreutzer. Die Sandkastenfreundin mit den langen schwarzen Locken lässt sich immer wieder von Aline schminken und frisieren.

Jeder Handgriff muss dabei sitzen, die Konturen müssen perfekt sein, die Haare extrem hochgesteckt und die Lippen knallrot geschminkt. Schließlich muss am 3. Mai bei den Weltmeisterschaften der Friseure in Frankfurt alles perfekt sein. Thielen tritt im Fach Kosmetik an, "doch neben dem Make-up werden auch Haare und die Kleidung bis hin zu den Schuhen mit in die Bewertung einfließen", erklärt sie.

Da wird bei ihr nichts dem Zufall überlassen, die Kleider - ein Brautkleid und eines für den großen Auftritt auf dem roten Teppich - wurden extra für Melanie angefertigt, die Schuhe mit vielen hundert Swarovski-Steinchen beklebt. "Es gibt klare Vorgaben, was erlaubt ist, und daran muss man sich halten. Aber dennoch muss man es schaffen, unter den vielen Teilnehmern aufzufallen", weiß Thielen. Sie hat im Jahr 2010 bereits den Titel der Vizeweltmeisterin nach Deutschland geholt.

Da war Aline gerade mal 22 Jahre alt und hatte sich schon ihren Berufstraum erfüllt. "Ich war 14 Jahre alt, da bekam ich von meinen Eltern den Besuch in einem Musical geschenkt, und von da an wollte ich Maskenbildnerin werden", erinnert sie sich. Nach der Schule hieß es aber erst einmal, eine Lehre im Bereich Kosmetik und Friseurhandwerk anzustreben. "Das würde mir die Tür zur Maskenbildnerin öffnen", erzählt Thielen.

Zielstrebig schaffte sie die beiden Ausbildungen als eine der besten im Saarland, bekam ein Stipendium in Österreich. Schließlich ging mit einer Anstellung beim Musical "Hinterm Horizont" in Berlin ihr großer Traum in Erfüllung. Der war allerdings schnell ausgeträumt. "Ich spürte so viel Kreativität in mir, wollte vieles ausprobieren und musste beim Musical jeden Tag immer genau die gleichen Gesichter schminken."

Sie erkannte, dass dies nicht ihr Ziel sein konnte, und heuerte bei verschiedenen Bühnenshows und bei Fernsehproduktionen an. "Ich flog in Europa täglich hin und her, zwei Jahre habe ich das geschafft, dann war Schluss", erzählt sie.

Sie entschloss sich, in ihrer Heimatgemeinde Schwalbach sesshaft zu werden, einen Salon zu eröffnen. Mit ihren drei Angestellten verwöhnt sie die Kunden rundum: Frisur, Make-up und Kosmetik, alles aus einer Hand. Und ihre Kreativität lebt sie aus, etwa wie jetzt, wenn sie sich auf den großen Auftritt bei den Weltmeisterschaften vorbereitet.