Alter Stahl glänzt wieder wie neu

Die Hochofengruppe im luxemburgischen Esch-Belval ist ein echtes „Glanzstück“. Nach einer kompletten Sanierung sieht die technische Anlage fast wie neu aus – dabei ist sie Symbol der Industriegeschichte.

Das glänzt wirklich wie neu. Wer die beiden Hochöfen mitsamt ihren Zusatzanlagen im luxemburgischen Wissenschafts-Standort Esch-Belval sieht, der könnte meinen, dass er einen betriebsbereiten Industriebetrieb vor sich hat. Das ist aber natürlich nicht der Fall. Denn die Restaurierung und Konservierung dieser Industriedenkmäler inklusive aufwendiger Konservierung - und Schutzlackierung! - des alten Stahls gehört zum Konzept der Planer für ein modernes urbanes Viertel.

Als "Monumente in der Stadt" sollen die Hochöfen auf Besucher, Beschäftigte und Bewohner des künftigen Universitäts-Campus' wirken. Die Vollendung der spektakulären Aufhübsch-Aktion für die technischen Bauwerke wird vom 4. bis 6. Juli mit einem großen Fest gefeiert. Ab Freitag ist zudem der ehemalige Hochofen A für Interessierte zugänglich. Sie können künftig von einer Plattform in 40 Metern Höhe auf den sich Stück für Stück entwickelnden Stadtteil blicken.

Die Hochöfen A und B sind Relikte des Stahlwerks Belval, das bis 1997 in Betrieb war. Vor rund zehn Jahren entschloss sich der Fonds Belval, der für die Erschließung des Geländes verantwortlich ist, zur Konservierung der Bauwerke als "Zeugen einer vergangenen Zeit, aber auch als Wahrzeichen des neuen Quartiers".

Das 40 Millionen Euro teure Projekt begann mit der umfassenden baulichen Sicherung der Anlagen und mit diversen Abrissarbeiten im Umfeld. Dabei wurden 7200 Tonnen Stahl entfernt und 20 000 Kubikmeter Beton zerstört, 3000 Quadratmeter Fußboden erneuert und 175 Tonnen Dachgebälk ersetzt. Ab dem Jahr 2011 folgte eine völlig neuartige Oberflächenbehandlung für die zu erhaltenden Bauteile. Im Zuge der Restaurierung wurden 100 000 Liter Farbe und Lack aufgebracht: 40 000 Quadratmeter wurden mit Lack, 60 000 Quadratmeter mit Farbe gestrichen. Dieser Anti-Rost-Oberflächenschutz soll mindestens 30 Jahre halten.

Antoinette Lorang, Pressesprecherin und Kulturbeauftragte des Fonds Belval, nennt das Ganze "eine Art Gegenentwurf" zum Weltkulturerbe Völklinger Hütte, auch wenn man sich damit von Größenordnung und Bedeutung her nicht vergleichen könne. Die Hochöfen von Belval würden sozusagen "in den Stadtteil eingebettet", um zu "dokumentieren, was früher war", sagt Lorang. Teile der Hochofengruppe sollen nach ihren Angaben künftig zudem für industriekulturelle Veranstaltungen genutzt werden, wobei das geplante nationale Zentrum für Industriekultur allerdings aus Kostengründen erst einmal auf Eis gelegt wurde. Ein wahres "Glanzstück" und etwas ganz Besonderes ist die Hochofengruppe in Esch-Belval aber so oder so geworden. Das wird spätestens bei einer Besichtigung deutlich.

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Auf einen BlickDie offizielle Einweihung der frisch herausgeputzten Hochöfen in Esch-Belval wird von Freitag, 4., bis Sonntag, 6. Juli, mit einem großen Fest begangen. Von 16 bis 20 Uhr (freitags) und von 12 bis 20 Uhr (samstags und sonntags) können Besucher bis zur neunten Plattform des Hochofens A hinaufklettern. Beim Fest mit freiem Eintritt gibt es außerdem mehrere Konzerte, Konferenzen, Vorträge und Führungen (auf Voranmeldung). Am Freitagabend von 23 Uhr bis 0.30 Uhr wird die Hochofenanlage beleuchtet. Das Spektakel wird auch musikalisch begleitet. in fonds-belval.lu