„Alles gekauft“ am Sonntag

Der letzte verkaufsoffene Sonntag in diesem Jahr in Saarbrücken brachte viele und auffallend entspannte Leute in die Stadt. Kaum eine Spur von Weihnachtsbäumen und Weihnachtshektik.

Solche Polizeinachrichten dürften dem Handel gefallen: Eine Stunde vor Beendigung des gestrigen verkaufsoffenen Sonntags vermeldete die Innenstadt-Wache in der Saarbrücker Karcherstraße lediglich einen einzigen Ladendiebstahl. Was die Leute in den Tüten trugen, sollte demnach in vollem Umfang gekauft worden sein. Und obwohl zigmal mehr Menschen unterwegs waren als an "normalen" Sonntagen, nahm die Zahl und die Qualität der Ersuchen an die Dienststelle nicht zu. In Spitzenzeiten ab 15 Uhr gab es nicht in jedem Parkhaus auf Anhieb einen freien Platz, die Verkehrsteilnehmer meisterten das Geschehen aber auffallend entspannt. In der Dudweilerstraße und in der Betzenstraße kam es zu kurzzeitigen Staus und Problemen wegen zugeparkter Einfahrten - "nichts Außergewöhnliches", so aber das Fazit der Polizei.

Die im vorweihnachtlichen Geschäft gern beklagte Hektik war in der Innenstadt - noch - nicht spürbar. Erklärungsversuch eines Händlers: Die Menschen verspürten keinen Druck, ihr Geld auszugeben, sie täten es dafür umso genießerischer und ließen sich bereits jetzt inspirieren. Es fiel beim Bummeln auf, wie wenig präsent das Thema "Weihnachten" in den Läden und Schaufenstern "gespielt" wurde. Nur wenige Kaufleute dekorierten bereits Christbäume oder Rentiere. Deren Zeit kommt noch.

Der letzte von vier verkaufsoffenen Saarbrücker Sonntagen in diesem Jahr begann mit einem windigen und verregneten Vormittag kaum verheißungsvoll, pünktlich zur Geschäftsöffnung um 13 Uhr war es aber sonnig mit gelegentlichen Eintrübungen. Bis 15 Uhr waren nicht so viele Passanten unterwegs wie beim vorangegangenen offenen Sonntag Ende September. Für den Handel zählte aber anderes: "Die Leute sind heute kaufbereiter", freute sich eine Mitarbeiterin bei Karstadt und führte dies auch auf das Datum zurück: So früh im Monat hätten die Arbeitnehmer gerade ihr Gehalt bekommen. Der meiste "Betrieb" in der Stadt, vor allem in der Bahnhofstraße, war gegen 16.30 Uhr zu beobachten. Zahlreiche Unentwegte ließen sich sogar in der Außengastronomie nieder, speziell am St. Johanner Markt. Interessant zu beobachten, dass viele Besucher der Stadt auch die frisch renovierte Berliner Promenade und deren Lokale wieder mit in den Bummel einbeziehen. Diesen Abschnitt der City hatten die meisten ja über Jahre links liegen lassen. Das "Treiben" in der Bahnhofstraße war auch den Buden und den Kinderkarussells zu verdanken. Hier kann jeder auch mit wenig Geld am Leben teilhaben, und die Kinder lieben dieses Kirmes-Amüsement bei jedem Wetter.