Alexandra widmet ihr (Berufs-)Leben den Tieren

Saarbrücken. Erst seit vorigem Jahr bildet der Saarbrücker Zoo wieder Tierpfleger aus. "Wir hatten über 200 Bewerber auf eine Stelle", berichtet Zoodirektor Dr. Richard Francke. Am Ende hat sich Alexandra Lagaly durchgesetzt

Saarbrücken. Erst seit vorigem Jahr bildet der Saarbrücker Zoo wieder Tierpfleger aus. "Wir hatten über 200 Bewerber auf eine Stelle", berichtet Zoodirektor Dr. Richard Francke. Am Ende hat sich Alexandra Lagaly durchgesetzt. Die 20-jährige Saarbrückerin lernt ihren Traumberuf: "Ich wollte das schon immer, habe freiwillige Praktika gemacht und nach Abschluss der Fachoberschule ein freiwilliges soziales Jahr hier im Zoo geleistet."

Während die praktische Ausbildung (mit Ausnahme von vier Wochen im Aquarium des Stuttgarter Zoos) in Saarbrücken stattfindet, muss Alexandra zum Blockunterricht nach Karlsruhe. "Dort stehen dann Mathematik, Wirtschaftskunde und Technologie mit Holz, Metall und Computer ebenso auf dem Stundenplan wie Biologie, Anatomie oder Futterkunde." Ihre Prüfung kann Alexandra Lagaly aber im Saarland ablegen. Die Zoos in Saarbrücken und Neunkirchen haben für ihre Azubis erstmals eine gemeinsame Prüfungskommission.

"Aufgrund der vielen Zoosendungen im Fernsehen in den letzten Jahren ist die Zahl der Bewerber deutlich gestiegen", erklärt Kommissionsmitglied Frank Bernarding, sein Kollege Andreas Braun warnt aber vor falschen Erwartungen: "Wer glaubt, Tierpfleger sei 24-Stunden-Pony-streicheln, ist auf dem Holzweg. Es ist harte Arbeit." Alexandra Lagaly gibt einen Einblick in ihren Tagesablauf: "Der Arbeitstag beginnt um 7 Uhr. Die Gehege müssen gereinigt, das Futter vorbereitet werden. Nach der Fütterung steht Huf- und Fellpflege auf dem Programm, und natürlich muss man schauen, ob alle gesund sind. Die Tiere müssen auch beschäftigt werden. Aber auch Gebäude reinigen und Fenster putzen gehört dazu." Kenntnisse in Arbeitsschutz werden während der Lehre ebenso vermittelt wie Wissen über Körperbau und Lebensweise der verschiedenen Tiere - Zucht und Aufziehen, Erkennen von Krankheiten - und die Betreuung von Besuchern.

Neben der Fachrichtung "Tierpfleger Zoo" gibt es auch in der Versuchstierpflege in Forschungsinstituten und -einrichtungen von Universitäten oder von Chemie- und Pharmaunternehmen geeignete Tätigkeitsfelder. Das wäre aber nichts für Alexandra: "Auch im Zoo muss man Tiere töten, wenn man andere Tiere füttert. Etwa Mäuse für die Schlangen." Der Umgang mit Tieren birgt gewisse Gefahren. "Es gibt Sicherheitsrichtlinien. Wenn man die befolgt, sollte nichts passieren", sagt Ausbilder Dirk Schu, "man muss immer Respekt vor dem Tier haben. Wenn man Angst hat, spürt das Tier das sofort." Angst um die Zukunft braucht man sich als Tierpfleger nicht zu machen, wenn man denn eine Stelle hat. "Die meisten Kolleginnen und Kollegen bleiben bis zur Rente in einem Zoo", erklärt Schu, doch es gibt auch eine Kehrseite dieser Medaille. "Ich werde wohl nach meiner Ausbildung umziehen müssen", weiß Alexandra Lagaly schon heute. Denn der Saarbrücker Zoo kann seinen Auszubildenden keine Übernahmegarantie geben. Die Ausbildungsvergütung für diesen anspruchsvollen und abwechslungsreichen Beruf beträgt im ersten Lehrjahr 687 Euro und steigt bis auf 780 Euro im dritten Jahr. "Tierpflege betreibt man 365 Tage im Jahr, auch an Ostern, Weihnachten und Geburtstagen", betont Alexandra Lagaly eine weitere Anforderung des Berufs, "doch die Arbeit mit und für die Tiere gibt einem das Gefühl, jeden Tag etwas Gutes geleistet zu haben." cor

 Alexandra Lagaly wird Tierpflegerin. Foto: Oliver Dietze
Alexandra Lagaly wird Tierpflegerin. Foto: Oliver Dietze