Afrikanische Dominanz

Wieder einmal beherrschten die Kenianer beim Saarbrücker Silvesterlauf am vergangenen Sonntag das Feld. Doch auch die Lokalmatadoren schlugen sich wacker. Michaela Schedler lag sogar kurzzeitig in Führung.

Wer läuft, spürt im Grunde immer nur den Wind im Gesicht, hört und achtet nur auf den eigenen Puls. Es hat schon etwas Meditatives, wie Läuferinnen und Läufer in sich hineinhören, nur noch auf ihren Herzschlag hören, ihre Atmung rhythmisch anpassen. Um ihre persönliche Zeit zu laufen. Wenn sich aber wie beim Bank1Saar-Silvesterlauf 1308 Teilnehmer über die zehn Kilometer durch den Saarbrücker Stadtwald drängeln, dann kann von Meditation keine Rede sein. Regen, Schlamm, tiefer Waldboden in engen Kurven - auch für den Sieger Patrick Ereng aus Kenia war das am Sonntag kein Zuckerschlecken. "Ich bin froh, dass ich hier ein zweites Mal gewinnen konnte", sagte Ereng, kurz nachdem er als Erster in 30 Minuten und 21,5 Sekunden über die Ziellinie lief.

Kein anderes Bild bei den Frauen. Auch hier dominierten wieder die Kenianerinnen fast über die gesamte Strecke. Aber eben nur fast. Denn da waren noch Rebecca Robisch (Triathlon-Freunde Saarlouis) und Michaela Schedler (LAZ Saarbrücken). Auch wenn die Siegerin am Ende doch Cynthia Kosgei hieß. "Es war von Anfang an klar, dass sie sich abgesprochen hatten, aber wir wollten es ihnen nicht ganz so einfach machen", sagte Schedler strahlend, auch wenn sie sich am Ende geschlagen geben mussten. "Es war einfach ein tolles Gefühl, das Feld über die ersten zwei Kilometer anzuführen", sagte sie und musste lachen: "Ich hoffe, dass es ein Foto davon gibt." Ein Foto von diesem Moment, nicht den Schlamm der Vorderfrau oder des Vordermanns ins Gesicht zu bekommen, sondern eben nur die Führungsluft zu schnuppern. Und die Möglichkeit, in sich hineinzuhören. Denn eines war schon vorher klar. "Irgendwann sind die dann davongezogen", sagte Schedler, "aber das ist egal, es hat einen Riesenspaß gemacht." Der Kenianerin Kosgei machte es so viel Spaß, dass sie einen neuen Streckenrekord laufen sollte.

Und dass, obwohl die Bedingungen alles andere als leicht waren. Nicht, weil es immer wieder leicht geregnet hat, auch nicht, weil es zu kalt gewesen wäre, "sondern weil der Boden noch gar nicht gefroren war", sagte Schedler, "man musste in den Kurven ganz schön aufpassen." Wie ihr ging es aber fast allen. "Es ging für mich eh nicht darum, hier eine persönliche Bestzeit zu laufen. Dafür ist die Strecke viel zu anspruchsvoll", sagte Dennis Zimmer vom LAZ Saarbrücken, "aber es ist ein schönes Training." Für Läufer - oder Triathleten, wie Jonas Breinlinger. Der 19-Jährige von der DJK SG St. Ingbert kam mit zwickendem Oberschenkel nach etwas mehr als 34 Minuten ins Ziel, war aber bereits morgens seine Bahnen geschwommen. Während Breinlinger auf sein Rad stieg, um sein Triathlon-Training rund zu machen, war der Tag für Dennis Zimmer nach dem Lauf vorbei. "Es hat trotzdem Spaß gemacht", sagte der Achtplatzierte lächelnd, "und an denen da vorne werde ich mich eh nicht messen können", ergänzte er gelassen. Immerhin fehlten ihm nur zwei Minuten zu den siegreichen Kenianern.

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Auf einen BlickErgebnisse Silvesterlauf: Männer: 1. Patrick Ereng (Kenia) 30:21,5 Minuten;2. Abraham Kipyatich (Kenia) 30:22,5; 3. Yonas Kinde (CA Belvaux) 30:24,6; Beste Saarländer: 6. Jonas Lehmann (TuS Heltersberg/Nalbach) 32,20,9; 7. Stefan Zachäus (LAZ Saarbrücken) 33,11,3; 8. Dennis Zimmer (LC Rehlingen) 33:11,6.Frauen: 1. Cynthia Kosgei (Kenia) 35:57,0 Minuten; 2. Nancy Chepkurui (Kenia) 35:59,4; 3. Caroline Nyakagwa (Kenia) 36:03,1; Beste Saarländer: 6. Rebecca Robisch (Triathlon Freunde Saarlouis) 37:50,1; 7. Michaela Schedler 38:21,8; 8. Theresa Baumgärtel (beide LAZ Saarbrücken) 40:25,1. aub