Ackermann plädiert für Ehe 2.0

Die katholische Kirche streitet seit Jahren über den richtigen Umgang mit Geschiedenen, die noch einmal heiraten. Der Trierer Bischof Stephan Ackermann sieht eine Chance, dass der Konflikt gelöst werden könnte.

Sie und Er feierten im vergangenen Jahr Silberhochzeit. Die 54-Jährige und der 63-Jährige haben drei Töchter, sind katholisch, engagieren sich ehrenamtlich in ihrer Kirche. Doch weil er den als unauflöslich geltenden Bund seiner ersten Ehe brach, sich scheiden ließ, gilt das Ehepaar aus Bad Kreuznach als Sünder. Gemäß dem Kirchenrecht sind sie weltlich geschiedene und wiederverheiratete Katholiken. Sie verharren damit "hartnäckig in einer offenkundigen schweren Sünde". Die Kirche schließt sie deshalb vom Empfang der Sakramente, wie etwa der Kommunion , aus.

Das stößt bei vielen Gläubigen auf Unverständnis. Einmal mehr wurde dies am Wochenende bei einem mit "Geschieden - Wiederverheiratet" überschriebenen Forum deutlich, zu dem rund 220 Teilnehmer kamen. Dazu eingeladen hatte der Trierer Bischof Stephan Ackermann . "Wir sind in einer Zeit, in der es eine Chance gibt, bei dem Thema weiterzukommen", sagte Ackermann. Eine Lösung könne es aber nur gesamtkirchlich geben. Im Oktober stehe das Thema auf der Agenda der Bischofssynode zu Ehe und Familie in Rom auf der Agenda.

Der Ist-Zustand sei ein "drängendes seelsorgliches Problem", weil die Sache Menschen in Distanz zur Kirche bringe. Bei einer Lösung müsse allerdings klar bleiben, dass die Kirche zur Unauflöslichkeit der Ehe stehe.

In der Praxis gehen wiederverheiratete Geschiedene trotz Verbots oft zur Kommunion . Das Ehepaar aus Bad Kreuznach ist deshalb im Zwiespalt. Zwar ist die Ehefrau nicht geschieden, verharrt aber mit ihrem Ehemann in "schwerer Sünde". Sie fand sich bestraft, weil sie nicht kirchlich heiraten durfte, will aber "von der Kommunion nicht lassen". Auch wurde ihr von der Kirche signalisiert, ihre Situation sei nicht ganz so ernst wie die ihres Ehemannes. Der wiederum "respektiert" die Lage der Dinge, geht auch nicht "klammheimlich" zur Kommunion .

Auf der Suche nach einem Ausweg vom Ausschluss meldeten sich beim Trierer Forum neben Theologen und Soziologen auch Betroffene zu Wort. "Betroffen" ist beispielsweise Lutz Schultz. Dem 55-jährigen Pfarrer aus Simmern macht zu schaffen, dass sich Menschen mit der Erfahrung eines Bruchs von der Kirche als "schwere Sünder" ausgeschlossen fühlten. Und das seien "nicht die anderen", sondern viele Paare aus dem Kern der Gemeinden. Ein wiederverheirateter geschiedener Saarbrücker meint etwa: "Wenn man zehn Jahre nach der Scheidung wieder heiratet, beginnt man ein neues Leben". Ein anderer Teilnehmer fragt, wie man überhaupt davon ausgehen könne, dass das Scheitern einer Ehe immer schuldhaftes Versagen bedeute. Und ein weiterer Geistlicher mahnt, wenn die Kirche keine neuen Wege für den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen finde, komme das einem "Ausverkauf der Seelsorge" gleich.