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Abwärtstrend mit Ausnahmen: Die meisten Parteien im Saarland verloren 2015 Mitglieder

Saarbrücken. Immer weniger Saarländer sind Mitglied in einer Partei. 2015 verbuchten bis auf die AfD und die Linke alle Parteien ein mehr oder weniger deutliches Minus. Ute Kirch

Eine Urkunde in der Hand, am Kragen die Anstecknadel für jahrzehntelange Parteimitgliedschaft: Solche Ehrungen dürften seltener werden. Viele Parteien haben im Saarland 2015 weiter Mitglieder verloren.

So setzte sich bei SPD und CDU der Rückgang der vergangenen Jahre fort. Die SPD ist mit 18 640 Mitgliedern nach wie vor mitgliederstärkste Partei im Saarland. Das sei der höchste Organisationsgrad aller SPD-Landesverbände, sagt Parteisprecher Volker Weber. Allerdings hatte sie im Jahr 1990 - ihrem bisher besten Jahr - noch 40 502 Mitglieder, also doppelt so viele. Im Jahr 2015 traten rund 400 Mitglieder aus, 270 Genossen verstarben. Dem stehen 313 Neueintritte gegenüber. "Immer häufiger treten Genossinnen und Genossen aufgrund ihres Alters aus. Vor allem dann, wenn ein Umzug in ein Heim oder eine Betreuung notwendig wird", sagt Weber. Daneben sinke allgemein die Bindungskraft von Verbänden und Institutionen. Durch Mitgliederkampagnen versuchten die Genossen gegenzusteuern und so Mitglieder vor Ort einzubinden.

Die CDU Saar hat noch 17 338 Mitglieder. 365 Personen traten 2015 aus der Partei aus, 335 Mitglieder starben. Jedoch traten mit 382 Neueintritten mehr Menschen den Christdemokraten bei als austraten. Seit dem Jahr 2000 hat sie 21,6 Prozent ihrer Mitglieder verloren. In den 80er Jahren hatte der Landesverband noch deutlich über 30 000 Mitglieder. "Nirgendwo in Deutschland engagieren sich so viele Bürger in der Union wie im Saarland", kommentiert Pressesprecher Marc Speicher die Zahlen. Die CDU Saar sei der siebtgrößte CDU-Landesverband. Doch sei die demografische Entwicklung eine Herausforderung.

Konstant geblieben ist die Mitgliederzahl bei der Saar-Linken, die zum 1. Januar 2114 Mitglieder zählte. 158 Personen traten aus der Partei aus - darunter fallen auch verzogene Mitglieder und 14 Verstorbene. Leicht höher liegt mit 180 die Zahl der Neueintritte. "Wir rechnen weiterhin mit einer positiven Bilanz", teilt Sprecherin Birgit Huonker mit. Im Jahr 2009 waren noch 3610 Mitglieder bei der Linken im Saarland eingeschrieben. Der Rückgang geht auch auf eine Karteibereinigung zurück.

Einbußen erlitten die Saar-Grünen, sie zählten Ende 2015 1305 Mitglieder. 70 Personen traten aus der Partei aus, vier Personen starben, fünf traten in andere Landesverbände über. 63 Personen wurden wegen nicht gezahlter Mitgliedsbeiträge gestrichen. Den Austritten stehen 60 Neueintritte gegenüber. Seit der Jahrtausendwende verlor die Partei im Saarland 10,9 Prozent ihrer Mitglieder. Um der Entwicklung gegenzusteuern, versuchen die Grünen seit 2013 mit einer Zukunftswerkstatt die politischen Ebenen besser zu vernetzen und direkte Beteiligungsmöglichkeiten zu schaffen, teilt der Landesverband mit. Um Mitglieder besser an die Partei zu binden, sei 2014 ein Schulungsangebot aufgelegt worden, um die kommunalen Mandatsträger für die Arbeit vor Ort fit zu machen.

Federn lassen mussten die Piraten. Im Jahr 2015 sind 75 Personen aus der auf 344 Mitglieder geschrumpften Partei ausgetreten. Darunter waren rund 30 säumige Beitragszahler, die bei der Kartei-Bereinigung gestrichen wurden. Die Piraten bewerten die Zahlen dennoch als "respektables Ergebnis" für eine noch junge Partei, "da sich immer wieder Mitglieder in der Findungsphase ihrer politischen Arbeit und Zugehörigkeit" befänden. Fünf Personen traten 2015 den Piraten bei. "Wir sind sicher, dass sich im Laufe der nächsten Wahlkampfperioden, besonders im Landtagswahlkampf, weitere Mitglieder der Piratenpartei Saarland anschließen", sagt Piraten-Sprecher Ralf Petermann. Einen leichten Rückgang gab es bei der außerparlamentarischen Saar-FDP, die Ende 2015 1065 Mitglieder zählte. Es gab 23 Neueintritte und 62 Austritte.

Fast unverändert im Vergleich zum Vorjahresende blieb die Mitgliederzahl bei der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD). Parteichef Josef Dörr bezifferte die Mitgliederzahl "auf etwas mehr als 300, Tendenz steigend". Bei seiner Wahl zum Landeschef im April 2015 seien es 340 gewesen. Es habe daraufhin ein Dutzend Austritte gegeben, jetzt steige die Zahl wieder.