Abschied vom Landwehrplatz

Das Schiff, das seit gut einem Jahr auf dem Landwehrplatz steht, soll als „Denkwerkstatt“ an die Uni. Vorher muss aber sowohl am Schiff als auch am Konzept gearbeitet werden. Das soll in Völklingen geschehen.

Mitte Oktober war sich Boris Pietsch ziemlich sicher: Das Schiffchen, das er und Gleichgesinnte ein Jahr zuvor auf den Landwehrplatz gestellt hatten, um einen Ort zu schaffen, an dem "Spinnerei auf Wirklichkeit" treffen kann, findet einen neuen Platz auf dem Universitätscampus. Dort sollte die "Joyce-Medea" nach 14 Jahren auf der Werft in Rilchingen-Hanweiler und gut einem Jahr auf dem Landwehrplatz eine Denkwerkstatt werden.

Der Plan schien nicht aufzugehen. Wegen Sparmaßnahmen an der Universität und Auflagen des Uni-Senats, was die Beschaffenheit des Schiffs angeht, wie der Schauspieler Pietsch vermutete. Nun war er sich ziemlich sicher: "Unsere Joyce-Medea wird verschrottet." Auch diese Sicherheit war trügerisch. Heute um 9 Uhr legt das Schiff auf dem Landwehrplatz ab - allerdings nicht in Richtung Schrottplatz, sondern nach Völklingen. Das Ziel bleibe der Saarbrücker Universitätscampus teilt Boris Pietsch mit, aber, erklärt er, "dafür setzen wir als erstes Kurs auf die Handwerkergasse im Weltkulturerbe Völklinger Hütte". Zwischenziel ist die Dependance der Hochschule der Bildenden Künste Saar und das von Professor Georg Winter dort eröffnete "S_A_R_Büro".

"S_A_R" ist eine Anlehnung an das intenationale Kürzel der Rettungskräfte SAR: "search and rescue", also suchen und retten. "Hier wurde auf einen Notruf prompt reagiert und so der Untergang abgewehrt", sagt Pietsch. Der Joyce-Medea-"Kapitän" erklärt: "Um den Auflagen des Senats für die Aufnahme von Schiffen an der Saarland-Uni zu genügen, müssen wir uns ordentlich in die Riemen werfen und brauchen Zeit und Raum und Mitstreiter."

In Völklingen habe man nun "die nötige Zeit, um ernsthafte Arbeitsbündnisse zu schmieden und das ganze Projekt mit Leben zu füllen, bevor wir dann den Campus erobern", sagt Pietsch. Er hofft weiter auf den "künstlerisch, wissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Brückenschlag zwischen den saarländischen Hochschulen und dann auch der öffentlichen Debatte". Zum Abschied aus Saarbrücken soll es noch mal Tamtam geben: Schaulustige, Abschiedsmusikanten und -komitees sowie tatkräftige Helfer seien willkommen, sagt Pietsch. Willkommen sind auch Menschen, die das Projekt mit Zeit, Arbeitskraft und Geld unterstützen wollen.

Mehr von Saarbrücker Zeitung