Abonniert aufs Abschweifen

Saarbrücken. Die Stimme: Material des Tontechnikers und Medium des Autors. Der eine nimmt was auf, der andere lässt was raus. Peter "Epit" Herbertz kannte als Profession bereits das eine. Das andere erfuhr er aus Passion dank diverser Schankpausen

Saarbrücken. Die Stimme: Material des Tontechnikers und Medium des Autors. Der eine nimmt was auf, der andere lässt was raus. Peter "Epit" Herbertz kannte als Profession bereits das eine. Das andere erfuhr er aus Passion dank diverser Schankpausen.Wären nicht die Schankpausen in den Lesungen in der Saarbrücker Kneipe "Perspektive 1" gewesen, gäbe es womöglich das Buch mit den Geschichten über einen Mann namens Eduard Ulthier nicht. Oder war's pure Körperlichkeit, das laute Organ des Autors Herbertz? Der Wirtin Ines Vigneron war die kräftige Stimme des Gastes aufgefallen. Ob er denn nicht auch mal Texte lesen wolle? "Wenn, dann nur eigene", erklärte er und schrieb sich was, das lang genug war, zweimal 15 Minuten zu füllen. Dazwischen war Schankpause. Sie ward ihm zum "Messgerät, ob die Geschichten was taugen." Soundcheck mal anders: Leerte sich die Kneipe in der Pause, war es ein schlechtes Zeichen, "ein gutes, wenn sie blieben, diese Rückmeldung war wichtig", denn damit verbunden, "Herausforderung, die zu halten, die nicht wegen der Lesung gekommen sind". Dafür holte er sich den Lateinlehrer Eduard Ulthier und die "lebenspraktische Hedonistin" Monika Schrautemeyer als Dauerbesetzung an Bord. "Der Einfachheit halber immer dieselben Figuren" zu nehmen, war ganz pragmatisch gedacht, denn bald habe sich das Publikum schon darauf gefreut, erzählt er. Jetzt ist ein Buch daraus geworden, notwendig aufbereitet, erweitert und zu einer neuen Form gefügt. Das passt zur aufs Abschweifen und Geschichtenreihen abonnierten Ulthier-Figur, und es passt zu Herbertz. Als gelernter Tontechniker und bis zu seiner Pensionierung Leiter des Tonstudios der Hochschule für Musik des Saarlandes versteht er sich auf den Umgang mit Klangmaterial jedweder Art. Daraus verfertigte er das "Lob der Ausschweifung", so der Untertitel seines Bandes in der vom Schriftstellerverband Saar herausgegebenen "Topicana"-Reihe. Dabei hatte er der Tontechnik abgeschworen, als 1974 die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen den damals 28-jährigen zum Psychologiestudium nach Saarbrücken befahl. Sein Ulthier hielt es ähnlich und verlegte sein Wirken, obwohl Abkömmling einer Ingenieurfamilie, auf Latein und Griechisch, weil dort der Lehrstoff über ein ganzes Berufsleben, anders als beim Ingenieur, weitgehend gleich bleibt, meint Peter Herbertz. Pragmatismus gilt bis zuletzt, denn nun finden Ulthier und Schrautemeyer aus ihrem Zwischenreich des gesprochenen Wortes ihre letzte Ruhe schwarz auf weiß in einem Buch. Dabei verspürt der Autor eine gewisse Erleichterung: "Jetzt bist du die endlich mal los."

Buchvorstellung und Lesung am 28. März um 20 Uhr im Saarländischen Künstlerhaus.