Ab Sommer Abriss auf Tagesanlage

Im Juni soll, wie berichtet, ein Konzept für die künftige Nutzung des früheren Luisenthaler Grubengeländes fertig sein. Klar ist schon jetzt, dass erst einmal die Abrissbagger anrücken werden. Doch wo ihre Arbeit endet, ist noch ungewiss.

Sprüher haben sich sogar hoch oben am Maschinenhaus (Richard 2) ausgetobt.

Gut drei Monate werden die Spezialisten von der Firma RBI brauchen, um die seit Jahren leer stehende Saarberg-Lkw-Werkstatt auf dem Gelände der ehemaligen Grube Luisenthal abzubrechen. Das war am Dienstag beim symbolischen ersten Bagger-Biss (wir haben berichtet) zu erfahren.

Das "Niederlegen" der Bauten sei dabei das Einfachste und Schnellste, sagt Rudolf Krumm, Saar-Repräsentant der RAG Montan Immobilien (MI). Um die Hallen abzureißen, Stahlgerüst-Konstruktionen mit vorgehängten Fassaden, würden beispielsweise große Scheren eingesetzt. Dauern werde es aber, den Abbruchschutt zu sortieren. Dabei seien problematische Materialien zu erwarten, "was man in den 1970er Jahren eben so verbaut hat". Der Baustellenverkehr soll über die Altenkesseler Straße laufen.

Danach, ab Mitte Juni, sollen die Abrissbagger von der Peripherie des Grubengeländes vorrücken ins Zentrum: zur Tagesanlage. Was dort fallen soll? Auf jeden Fall die Reste der Kohleaufbereitung - eine Riesenhalle blieb vor Jahren verschont, als die Kohlenwäsche abgerissen wurde. Sie steht seither als seitlich offene Ruine da, verfällt, ist "Leinwand" für Graffiti-Sprüher - ein Ärgernis für die Anwohner. Fallen soll auch der benachbarte Riese, der Berge-Verladeturm. Und nach Krumms Auskunft vielleicht auch das Sozialgebäude, das aus jüngerer Zeit stammt. Das sei aber noch ungewiss. Ebenso wie die Zukunft der Kaffeeküche. Die Abriss-Arbeiten werden wohl bis ins Jahr 2015 hinein dauern.

Unter Denkmalschutz stehen die beiden Fördergerüste samt Fördermaschinenhäusern. Als Landmarken und einzige Fördergerüste im Saartal seien sie enorm wichtig, sagt Krumm. Sie sollen erhalten bleiben. Das - noch ungenannte - Forschungsinstitut aus dem Bereich der erneuerbaren Energien, das sich vielleicht auf der Tagesanlage ansiedeln wolle und auch einen Ort für Fortbildungen benötige, habe Interesse bekundet an einem der Fördermaschinenhäuser. Solch eine Nutzung passe zum städtischen Wunsch nach einer Veranstaltungshalle, da könne man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Die Finanzierung? "Wir sind zurzeit dabei, den Windpark Velsen zu entwickeln", sagt Krumm, eine jüngst vom Regionalverband für Windkraft ausgewiesene Fläche am Hunerscharberg, vorwiegend auf Saarbrücker Bann. Erlöse daraus könnten Luisenthal dienen.

Mehr aber mag Krumm noch nicht sagen. Auch nicht darüber, was aus weiteren denkmalgeschützten Ensemble-Teilen werden kann. Etwa aus der "Inspektion", dem historischen Bau gleich rechts hinter dem Pförtnerhäuschen, und der historischen Werkstatt.

Den Aspekt der Erinnerung - er soll neben Energie, Gewerbe und Wohnen die Neugestaltung des Geländes mitbestimmen - soll nach Krumms Auskunft die Freiflächengestaltung lebendig machen. Die sei Sache der RAG, auch finanziell. Mit der Freiflächen-Planung sei ein externes Ingenieurbüro betraut, das viel Erfahrung habe mit vergleichbaren Projekten. Auf SZ-Nachfrage nennt Krumm den Namen: Büro Drecker - das ist eine Landschaftsarchitekten-Firma mit Hauptsitz in Bottrop, die seit mehr als 25 Jahren aktiv ist und an der Ruhr mehrere Projekte auf Bergbaustandorten verwirklicht hat.