90 Prozent wollen nicht mehr weg

Die Hochhaussiedlung Folsterhöhe mit ihren neun Wohnblocks wird in diesem Jahr 50 Jahre alt. Der Mehrheit der 1630 Bewohner gefällt es gut. Sie kümmern sich neuerdings selbst um die Hauswirtschaft. Ein Umbau im 13-Geschosser wird zur Herausforderung.

Auf der Folsterhöhe sind die Wege und Anlagen erstklassig gepflegt: gekehrt bis in die Ecken, kein Unkraut, akkurate Beete und Rasenflächen - die Hochhaussiedlung in Alt-Saarbrücken könnte als Muster für die gesamte Stadt taugen. Dahinter stehen auch die Bewohner selbst. Nachdem die hier verantwortliche Saarbrücker Gemeinnützige Siedlungsgesellschaft (SGS) zum 31. Dezember 2013 allen Fremdfirmen gekündigt hatte, rekrutierte sie Hauswarte auf 450-Euro-Basis aus der Bewohnerschaft. Erstens um zu sparen, zweitens um den überwiegend in einfachen Verhältnissen lebenden Mietern die Möglichkeit eines Zuverdienstes zu bieten. Und die hängen sich zur Freude der 1630 Bewohner aus den insgesamt neun Wohnblocks leidenschaftlich rein. Nicht so rund läuft es allerdings bei der Reinigung der Flure und Treppenhäuser. Bei der Bewohnerversammlung vergangene Woche wurden mit teilweise markigen Worten Umfang und Ergebnis der Arbeiten kritisiert. SGS-Geschäftstführer Radu Gurau gestand die Probleme ein und bat um Geduld. Man müsse noch die richtigen Personen finden und ihnen Zeit der Einarbeitung gewähren.

Beherrschendes Thema auf der Folsterhöhe ist die in wenigen Wochen anstehende Sanierung des 13-Geschossers mit 280 Wohnungen am Vogelsborn, eine "logistisch-organisatorische wie planerische und architektonische Herausforderung, die hohe Ansprüche an die kommunikative Kompetenz, die Moderationsfähigkeit und das Konfliktmanagement stellt", so Bezirksbürgermeisterin Christa Piper (SPD). Die Arbeiten werden abschnittsweise über zweieinhalb Jahre dauern, und das Haus bleibt dennoch bewohnt. Mieter müssen vorübergehend in andere Häuser ausweichen oder innerhalb des Hauses in bereits renovierte Wohnungen umziehen, manche sogar zweimal. Viele können das nur mit tätiger Hilfe, anderen ist die bloße Vorstellung eines Wechsels oder die Angst vor Mieterhöhungen schwer erträglich. SGS-Prokuristin Sabine Maher versicherte, dass jeder Einzelne Monate im voraus kontaktiert und informiert werde. Die Miete könne "ein bisschen" steigen, jedoch würden die Betriebskosten sinken. Wie Maher sagte, wollten generell "über 90 Prozent aller Mieter auf der Folsterhöhe bleiben".

Dies deckt sich mit der Einschätzung der Caritas-Sozialarbeiterin Claudia Bickel, der Leiterin der Gemeinwesenarbeit auf der Folsterhöhe: "Die Leute sind mit den Wohnungen und dem Leben hier zufrieden. Die sehr hohe Identifikation steht im Missverhältnis zu dem eher schlechten Ruf, den die Folsterhöhe zu Unrecht hat."

Da die Siedlung heuer ihren 50. Geburstag feiern wird, bietet sich allerdings Gelegenheit, etwas Imagewerbung zu betreiben. Die Stadt hat schon einmal angekündigt, den holprigen Fußweg zwischen Königsbruch 34 und dem Brunnenplatz neu zu asphaltieren - im Kommunalwahlkampf wird damit ein lang geäußerter Wunsch erfüllt. Ratlosigkeit herrscht immer noch, wie man die - meist hausgemachten - Parkprobleme auf der Folsterhöhe in den Griff bekommen soll. Es wird, auch wegen der stark nachgefragten Einkaufsmärkte, in Spitzenzeiten wild und verkehrsgefährdend geparkt, vor allem in den Kurven der Haupt-erschließungsstraße "Hirtenwies". Viele Anwohner, die die Kosten von 15 Euro monatlich für einen SGS-Parkplatz scheuen, wissen nicht, wo sie ihren Wagen abstellen sollen, geschweige denn, welchen Stellplatz sie Besuchern anbieten könnten. Bezirksbürgermeisterin Piper will sich darum kümmern, dass die Saarbrücker Hipos öfter kontrollieren.