75 Tauben in 75 Minuten

Sie befassen sich intensiv mit ihrer Kunst, gehen aber auch gemeinsam zum Ophüls-Festival und stöbern in Secondhand-Läden. Sandra Biwer, Laurianne Bixhain, Peter Strickmann und Susanne Kocks sind die vier Künstler, die das grenzüberschreitende Projekt Artmix in diesem Jahr zusammenbringt. Ein Besuch in ihrem Atelier im KuBa, dem Kulturzentrum am Eurobahnhof.

. Sie waren vorher noch nie in Saarbrücken, gestehen Sandra Biwer (32) und Laurianne Bixhain (26). Und nun wohnen und arbeiten die beiden Luxemburgerinnen in der Saar-Hauptstadt gleich vier Wochen am Stück. Möglich macht's das Austauschprogramm Artmix, das jetzt zum achten Mal junge bildende Künstler aus dem Großherzogtum und Saarbrücken zusammenbringt.

Noch sieht es im Atelierraum des KuBa, den sich die beiden Luxemburger Gäste mit den Saarbrücker Kollegen Peter Strickmann (30) und Susanne Kocks (31) seit 3. Januar teilen, aus wie bei einem Umzug. Überall stehen Kisten, und die Wände sind noch fast nackt. Doch erste Arbeiten hängen schon. 1,40 Meter auf 1,50 Meter groß ist die Tuschezeichnung von Sandra Biwer, die an der staatlichen Kunsthochschule La Combre in Brüssel studiert und sich auf Zeichnung spezialisiert hat.

Sie interessiert sich besonders für die organischen Strukturen von Mikroorganismen, die sie auf Grundlage von Fotos in zigfacher Vergrößerung mit dem Tuschepinsel frei nachgestaltet. Für dieses Bild auf Papier hier habe etwa, so erzählt sie, ein Planktonskelett Pate gestanden.

Neben dem Zeichnen will Biwer die Zeit im KuBa auch nutzen, um weiter mit dreidimensionalen Papierarbeiten zu experimentieren. Dafür klebt Biwer kleine Papierringe zu großen Netzen zusammen - das wirkt von den Netzen aus dünnen Kunststoffseilen, die Laurianne Bixhain hier mit Seemannsknoten geknüpft hat, gar nicht so weit entfernt.

Dabei befasst sich die Luxemburgerin mit belgischem Zweit-Pass sonst eigentlich mehr mit dem Medium Foto und konzipiert Künstler-Bücher und -Mappen. Sie hat in Bordeaux studiert und ist derzeit Meisterschülerin bei Heidi Specker in Leipzig.

Susanne Kocks, gebürtig in Baden, und derzeit Meisterschülerin bei Gabriele Langendorf an der Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBK), geht zum Zeichnen am liebsten nach draußen und arbeitet in Serien. Vor ein paar Tagen etwa hat sie in der Fußgängerzone 75 Tauben in 75 Minuten skizziert.

Mit Tieren befasst sich auch Peter Strickmann derzeit. Der HBK-Absolvent und Klangkünstler, der demnächst auch als erster Stipendiat ins Saarländische Künstlerhaus zieht, erfindet Tierstimmen, indem er Laute wie ein Beat-Boxer mit dem Mund bildet. An einer Hörstation, erklärt er, können die Besucher später grübeln, welches Tier wohl zu welchem Laut passen könnte.

Natürlich zeigen Kocks und Strickmann ihren Luxemburger Gästen auch ein wenig von Saarbrücken. Gemeinsam will man sich an einem Abend Kurzfilme beim Ophüls-Festival ansehen. Auch ein Abstecher in Secondhand-Läden steht auf dem Plan. "Denn in Luxemburg sind die leider verpönt", sagt Bixhain, "da kauft man immer nur Neues".

Die Artmix-Künstler arbeiten bis 31. Januar im KuBa am Eurobahnhof. "Open Studio" für Besucher ist freitags von 14 bis 17 Uhr. Eine "Open Bar" ist am 25. Januar, ab 19 Uhr.

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