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700 Erzieher in städtischen Kitas traten in den Warnstreik

Saarbrücken. Etliche Kitas sind am Freitag wegen eines Warnstreiks zu gewesen. Die Gewerkschaft setzt sich für eine Aufwertung des Erzieherberufs ein – Besuch in der einzigen städtischen Kita, die am Freitag in Saarbrücken offen hatte. Nora Ernst

Luca (Name geändert) passt es gar nicht, dass er den Tag in einer fremden Kita verbringen soll. So viele Kinder, die er nicht kennt - der Anderthalbjährige bricht in Tränen aus. Tom (Name geändert) und sein Bruder bleiben gelassener: Das Marmeladenbrot schmeckt schließlich überall. Der Grund, warum die Kinder nicht in ihre gewohnten Kitas gehen konnten, sondern auf jene in SaarbrückenMalstatt ausweichen mussten, ist ein Warnstreik der Erzieherinnen. Mehr als 700 Beschäftigte aus dem Sozial- und Erziehungsdienst im Saarland legten am Freitag nach Angaben der Gewerkschaft Verdi die Arbeit nieder.

Etliche städtische Kitas blieben geschlossen, besonders betroffen waren Saarbrücken und Neunkirchen: Dort hatte jeweils nur eine "Bereitschafts-Kita" ge- öffnet. Trotzdem musste die Kita in Malstatt nur eine Handvoll Kinder mehr betreuen, die meisten Eltern hatten eine andere Lö- sung gefunden. Roxane Wetzel blieb nichts anderes übrig, als ihren Sohn nach Malstatt zu bringen. Sie ist alleinerziehend und berufstätig. Begeistert ist sie nicht von dem Streik, hat aber Verständnis: "Ich weiß, die Erzieherinnen kriegen nur wenig Lohn. Aber ich zahle mehr als 350 Euro Grundgebühr für den Krippenplatz. Wo geht das Geld hin?"

Dann müsse die Stadt eben mehr für den Lohn abzweigen. Im Schnitt fordert Verdi zehn Prozent mehr Gehalt für die kommunalen Beschäftigten. Die Erzieherinnen, die am Freitag in der Kita in Malstatt arbeiteten, wollten sich lieber nicht zum Streik äußern. Nur eine, die seit 30 Jahren Kinder betreut, erzählte von den Anforderungen, die mit der Zeit gestiegen seien: "Wir spielen ja nicht bloß locker mit den Kindern, wir tun etwas für die frühkindliche Bildung." Die meisten Eltern hätten Verständnis, sagt sie. Doch sie weiß auch, dass sich das ändern kann, sollte der Streik verlängert werden. Dazu könnte es durchaus kommen, falls die dritte Verhandlungsrunde mit den kommunalen Arbeitgebern am 9. April ergebnislos bleibt. Rund 500 Erzieher , Sozialarbeiter und -pädagogen machten am Freitag auf einer Demonstration in Saarbrücken ihrem Unmut Luft. Michael Blug, Chef des Verdi-Landesbezirks Rheinland-Pfalz/Saarland, sagte, die Arbeitgeber hätten zwar stets viel Lob für die Arbeit der Erzieher übrig, "aber von Lob kann man keine Miete zahlen". Die kommunalen Arbeitgeber hatten kritisiert, der Arbeitskampf werde "auf dem Rücken der Kinder und Eltern " ausgetragen.