244 Saar-Soldaten gegen Franco

Antifaschisten von der Saar haben den prozentual größten Anteil deutscher Länder am Kampf gegen den Putschisten-General Franco gehabt. Über ihr Schicksal berichtet Max Hewer in seinem Buch.

. Sie waren gerade erst aus dem ab März 1935 von Nazis beherrschten Saargebiet nach Frankreich geflohen, da meldeten sie sich schon freiwillig zu den Waffen. Ab dem Sommer 1936 zogen 244 saarländische Männer, die meisten Mitte 20, nach Spanien, um die Republik gegen den Putsch der faschistischen Truppen des Generallissimo Franco zu verteidigen. 67 von ihnen starben auf den spanischen Schlachtfeldern, 16 der Rückkehrer überlebten die KZ im Reich nicht.

Es ist ein weitgehend unbekanntes Kapitel der Saar-Geschichte, das Max Hewer, 29, in seinem Buch aufschlägt. "Es ging mir darum, mit Respekt an die Lebensgeschichten der Männer heranzugehen. Ich wollte keine Heldengeschichten schreiben", sagt Hewer im SZ-Gespräch vor der Vorstellung seines Buches morgen Abend um 19 Uhr im Saarbrücker Rathaussaal.

Hewer hat 2006 am Dillinger Albert-Schweitzer-Gymnasium Abitur gemacht und danach in Trier und Sevilla studiert. Derzeit ist er Referendar am Studienseminar in Kaiserslautern, wo er am dortigen Albert-Schweitzer-Gymnasium Sozialkunde, Geschichte und Spanisch unterrichtet. Schon als Schüler hat sich Hewer für saarländische Politik und Geschichte interessiert, und wurde mit 20 Vorstandsmitglied in der Linkspartei-nahen Peter-Imandt-Gesellschaft.

"Ich bin über ein Gespräch mit Patric Bies, dem Sohn des verstorbenen Saar-Historikers Luitwin Bies, auf das Thema gestoßen", berichtet Hewer. Luitwin Bies hat ein umfangreiches Archiv mit Fotos und Berichten der saarländischen Spanien-Kämpfer angelegt, einige der Überlebenden waren oft zu Gast im Hause Bies. "Auch im Landesarchiv bin ich auf viele Zeugnisse gestoßen, etwa auf die Akten der Entschädigungsprozesse, die die Spanien-Kämpfer nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gegen die deutschen Ämter führten", berichtet Hewer. Dabei hätten die Spanien-Kämpfer für den Einsatz ihres Lebens zugunsten der Demokratie in Spanien nie einen Pfennig bekommen. Renten von um die 100 D-Mark seien allein für die grausame Verfolgung nach dem Spanien-Krieg bezahlt worden. Denn die spanischen Faschisten lieferten ihre deutschen Gefangenen an die Gestapo aus, die die Männer in KZ steckte. Ähnlich erging es den nach dem verlorenen Spanien-Krieg nach Frankreich geflohenen Saarländern: Sie wurden nach Hewers Angaben interniert, wenige gingen zur Fremden-Legion, die meisten seien nach der französischen Kapitulation im Frühjahr 1940 von Pétains willfährigem Regime an die Nazis ausgeliefert worden. "Von den 244 Spanien-Kämpfern waren mehr als ein Drittel Bergleute, es waren viele Stahlarbeiter und Handwerker darunter", sagt Hewer. Neben dem berühmten Merziger Schriftsteller Gustav Regler ("Das Ohr des Malchus") sei als Journalist Klaus Becker, in den 1950er Jahren Chefredakteur der Saarbrücker Zeitung, unter den Spanien-Kämpfern gewesen. 75 Prozent der Saarländer waren Kommunisten, 16 Prozent SPD-Leute, der Rest Katholiken, die im Abstimmungskampf vor 1935 gegen den Anschluss an Hitler-Deutschland agitiert hatten, erklärt Hewer. Morgen wird der spanische Generalkonsul Juan Jose Sanz Aparicio aus Frankfurt zur Buchvorstellung erwartet. In Spanien selbst sei der Bürgerkrieg weitgehend ein Tabu-Thema, sagt Hewer.

"Von der Saar bis zum Ebro. Saarländer als Freiwillige im Spanischen Bürgerkrieg 1936-1939" (Blattlaus-Verlag, Saarbrücken 2016, 26 Euro)