20 Jahre zu mir – und dann 20 Jahre zu dir

Eine folgenschwere Abmachung trafen einst Adolf und Else Bauer. 20 Jahre wollten sie in seiner Heimat leben, dann 20 in ihrer. Sie hielten sich dran. Und fühlen sich in Bad Soden-Salmünster ebenso wohl wie in Saarbrücken.

Auf ihrer gemeinsamen Visitenkarte haben Adolf und Else Bauer, 72 und 62 Jahre alt, nicht ihre Gesichter, sondern schlanke Läuferbeine bei der Arbeit abgebildet - ein Hinweis auf die Leidenschaften Joggen, Walken, Wandern. Als das Paar noch in Saarbrücken wohnte, bis vor drei Jahren, war vor allem von Adolf Bauer oft in dieser Zeitung zu lesen, denn bei Volksläufen war er in seiner Altersklasse oft vorn dabei. Auch als Sportabzeichen-Abnehmer des ATSV Saarbrücken kennen ihn viele.

Am neuen Wohnort, im 300 Kilometer entfernten Bad Soden-Salmünster, ist das nicht anders. Mittlerweile in der Altersklasse M 70 aktiv, macht der Seniorenläufer sogar weit jenseits der Marathon-Distanz in der Lokalzeitung von sich reden. Soeben hat er den 81 Kilometer langen Brüder-Grimm-Lauf absolviert: drei Etappen in 10:08 Stunden. Als der gebürtige St. Ingberter 1992 seine aus dem Main-Kinzig-Kreis stammende Frau heiratete, trafen die beiden folgende Vereinbarung: die ersten zwanzig Jahre würden sie in seiner Heimat , also an der Saar verleben. Im Ruhestand - er war Bergmann, sie bei der Knappschaft - würden sie die nächsten zwanzig Jahre dann in ihrer Heimat verbringen. Sie hielten sich wirklich daran, verließen vor drei Jahren Alt-Saarbrücken und wohnen nun "dort wo andere in Kur gehen. Jeder Tag ist irgendwie ein Sonntag", es sei sehr ruhig, außergewöhnlich gepflegt und landschaftlich reizvoll, findet Adolf Bauer.

Was ihm fehlt, sind saarländische Mundart und die eine und andere Sportveranstaltung mit den bekannten Gesichtern. "Es ist nicht mehr die Heimat , die sie war, aber ich fühle mich dort immer noch sehr wohl", sagt Else Bauer über Bad Soden-Salmünster. In der ehemaligen Schulklasse sei sie aufgenommen worden, als ob sie nie weggewesen wäre. Das Ehepaar lebt glücklich in einer ruhigen und komfortablen ebenerdigen Mietwohnung - sogar mit Weinreben auf der Terrasse.

Derzeit sind die Bauers für eine Woche auf Heimatbesuch, vor allem, um einer kranken Verwandten beizustehen. Untergebracht sind die beiden in einem großen Hotel am Rand der Stadt.

Die erste Nacht war fies: Wegen einer schlechten Erfahrung in der Vergangeneheit wählte man bewusst ein Zimmer fernab des Fahrstuhls. Wie der Zufall wollte, ging der aber ausgerechnet jetzt kaputt und so lief der Menschenstrom über die Treppe - direkt am Zimmer der Bauers vorbei, die kein Auge zubekamen. Adolf und Else Bauer nahmen das Malheur aber mit Humor und nicht persönlich - wobei alte saarländische Entspanntheit und die Aussicht auf baldige Rückkehr ins neue Kurparadies gleichermaßen beteiligt gewesen sein mögen.