100 Jahre Liebe zu Saarbrücken

100 Jahre alt zu werden, das ist etwas ganz Besonderes. Was haben unsere 100-Jährigen wohl alles erlebt? In unserer Serie erzählen betagte Frauen und Männer von ihrem Jahrhundert. Heute: Maria Hauschild, die früher unter anderem ein beliebtes Café in Saarbrücken betrieben hat.

Die alte Dame lebt im Altenheim am Schlossberg in Saarbrücken. Am 22. Juli feierte sie ihren 100sten Geburtstag. Eine Mitarbeiterin bringt mich zu ihr und fragt erst mal: "Da kommt jemand von der Presse - wollen Sie in die Zeitung?" Die alte Dame, die friedlich in ihrem Sessel sitzt, schaut ein bisschen belustigt hoch. "Ja, warum nicht - da kann ich ja noch berühmt werden", sagt sie und lacht. Und der Aufforderung, etwas aus ihrem Leben zu erzählen, kommt sie mit Vergnügen nach.

Turbulent war dieses Leben. Geboren ist Hauschild in Waxweiler in der Eifel, jüngstes von sechs Kindern, Vater Schreiner, Mutter Hebamme. Auf die Mutter kommt sie in ihren Erinnerungen immer wieder zurück - sie war die zentrale Figur in ihrem Leben: Ständig zu Fuß unterwegs, um den Frauen bei der Entbindung zu helfen. Und mit Mutters Grundsätzen hat sie auch ihre Kinder geprägt: "Seid immer ehrlich, macht keine dummen Sachen."

Die Kinder haben viel helfen müssen, in Stall und Garten - Garanten fürs Überleben in schlechten Zeiten. An die Schule hat Maria gute Erinnerungen - "ich hab' immer in der ersten Reihe gesessen" ist sie heute noch stolz. Denn da saßen damals ja nur die Besten. Dann hat Marias ältere Schwester einen Italiener geheiratet und ist nach Mailand gegangen. Maria folgte ihr 1936, mit 23 Jahren, blieb drei Jahre, half, die Kinder der Schwester aufzuziehen. Sie hat Italienisch gelernt - und durch den halben Lago Maggiore ist sie auch geschwommen. Ob sie heute noch Italienisch kann? Aber klar - und sie legt los. Immer wieder muss sie lachen wenn sie erzählt, wie besonders ein Italiener ihr immer versichert habe, wie sehr er sie liebe - kein Wunder, denkt zu Zuhörerin: Da waren die Naturlocken noch blond. Und die blaugrauen Augen sind jetzt noch lebendig. "Und ich war eine gute Tänzerin, bei mir haben immer drei, vier Männer Schlange gestanden, und wollten mit mir tanzen".

Dann, zurück in der Eifel, hat sie ihren Mann kennengelernt - einen Kieler, der durch den Westwallbau dort gelandet war. 1942 die Hochzeit, drei Söhne, und 1951 ist der Ehemann - "ein guter Mann" sagt sie - schon gestorben und sie stand mit den Kindern allein da. 1960 ist sie dann in die Nähe ihrer Schwester nach Saarbrücken gezogen. Und alle drei Buben gingen ins Ludwigsgymnasium.

Maria hat dann bis 1978 das Bahnhof-Hotel in Saarbrücken mit etwa 30 Zimmern geleitet, ein Hotel-Garni. Dann wieder was Neues: Manche Saarbrücker werden sich erinnern an das "Café Hauschild" am alten Hafen, hinter der Congresshalle: Das war ihre nächste - und letzte berufliche - Station. Geheiratet hat sie nicht mehr - "ich hab keine Zeit dazu gehabt".

Maria Hauschild hat heutezwei Enkel und vier Urenkel. Sie lebte allein und selbstständig bis zu ihrem 95. Lebensjahr. Seit 2006 ist sie im Altenheim am Schlossberg - und kommt gut mit allen Leuten aus. Beim Abschied unseres Treffens ruft Maria Hauschild noch nach: "Ich war immer so gern in Saarbrücken, so gern - das glauben Sie gar nicht!"