1,60 Meter voller Power und Träume

In loser Folge stellen wir in einer kleinen Serie die Macher hinter den Kulissen des Musikgeschäfts vor. Heute: die Veranstaltungskauffrau Katrin Lichthardt. Sie gründete aus der Not heraus eine eigene Veranstaltungs-Agentur (360 Grad) und arbeitet an ihrem Traum, ein eigenes Musiklokal zu übernehmen.

Saarbrücken. Für manch einen Traum muss man hart und lange kämpfen. Das hat auch Katrin Lichthardt erfahren. 2003 schloss die heute 32-Jährige die Fachoberschule Design ab und begab sich auf einen steinigen Weg, an dessen vorläufigem Ende sie heute Bühnen baut und eigene Veranstaltungen stemmt. Um die Zeit bis zum Studium zu überbrücken, absolvierte sie seinerzeit ein Praktikum in der Saarbrücker Garage und sammelte erste Erfahrungen in allen Segmenten der Veranstaltungsgeschäfts: vom Dekorieren übers Kochen bis hin zur Künstlerbetreuung. Sie hatte so viel Spaß daran, dass sie das Studium sein ließ und lieber eine Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau begann. Diese war jedoch nicht in der Garage möglich, ab Frühjahr 2004 allerdings im damaligen Hellmut. In der Folge arbeitete sie im Hellmut und obendrein in der Garage, im Kleinen Klub und im früheren Roxy (Brebacher Landstraße), dessen Inneres sie mitgestaltete.Ein halbes Jahr vor dem Ende ihrer Lehre schloss ihre eigentlich Ausbildungsstätte Hellmut. Glücklicherweise wurde sie für die restliche Zeit von der Saarevent GmbH (Garage) übernommen. Nach ihrer Ausbildung arbeitete sie zeitweise im Ticketcenter am St. Johanner Markt.

Aber ihr Vertrag lief aus, und es mangelte an Alternativen, so dass sie aus der Not heraus mehrere Monate als Wert- und Geldtransporteurin arbeitete und entsprechende Sachkundeprüfungen ablegte. Dann schloss die Sicherheitsfirma, in der sie angestellt war, ebenso ihre Pforten wie das Roxy, in das sie so viel Herzblut gesteckt hatte. Wieder stand sie mit leeren Händen da. Nach einer Auszeit fasste sie im letzten Sommer den Entschluss, sich selbstständig zu machen.

Dass sie ob dieser bewegten Vita schon häufig daran dachte, alles hinzuschmeißen, ist verständlich. "Ja, das war schon sehr oft der Fall. Aber ich habe bemerkt, dass man immer noch eins draufsetzen kann. Ich habe gelernt zu funktionieren, egal wie fertig ich bin. Ob das gut für einen selbst ist, ist anzuzweifeln. Aber ich habe beschlossen, für mich und meinen Traum zu kämpfen. Nur habe ich bislang leider viel zu selten die Chance bekommen zu zeigen, was ich alles kann. Es ist generell schwierig in dieser Branche".

Lichthardt baut derzeit hauptsächlich Bühnen und die dazugehörige Technik auf und ab. Als Frau bekommt sie von Kollegen und Künstlern mitunter dumme Sprüche zu hören. "Alles packe ich natürlich nicht - meine Größe und mein geringes Gewicht stehen mir oft im Weg. Ich glaube jedoch, ich stehe ganz gut meinen Mann. Oft ernte ich Bewunderung, da ich zum einen mit meinen 1,60 Metern nicht gerade so aussehe, als könnte ich Bäume ausreißen, und zum anderen ein sehr gutes technisches Verständnis habe".

Für Lichthardt macht es übrigens keinen Unterschied, ob sie für eine ihrer Lieblingsbands Kisten schleppt oder für den Volksmusikmoderator Florian Silbereisen. Sie hat auch bereits zwei eigene Veranstaltungen im Saarbrücker Schloss realisiert: im vorigen Jahr Halloween am Schloss und "just Masquerade", eine edle Fastnachtsparty à la Venedig. Beides waren Kooperationen mit Dominik Kunz vom KunzWerk.

Während er sich um die Pressearbeit, die Werbung und das Sponsoring kümmerte, dekorierte sie alles, überwachte den Programmablauf und betreute die Künstler.

Unterdessen geht der Kampf für ihren Lebenstraum weiter. In einigen Jahren hätte Katrin Lichthardt gern einen eigenen kleinen Liveclub wie das Hellmut, das Roxy oder den Kleinen Klub. Rasten, geschweige denn aufgeben, kommt für diese Powerfrau nie und nimmer in Frage: "Ich habe so viele Ideen, die ich gerne noch umzusetzen würde", sagt sie.

www.360gradveranstaltungen.de