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Städtebaubeirat
Einst Park, jetzt Parkplatz

Im Simca-Gebäude an der Ecke Ursulinenstraße-Sulzbachstraße ist die Autovermietung Buchbinder ansässig.
Im Simca-Gebäude an der Ecke Ursulinenstraße-Sulzbachstraße ist die Autovermietung Buchbinder ansässig. FOTO: Iris Maria Maurer
Saarbrücken. Im Oktober diskutiert der Städtebaubeirat mit Bürgern übers Mühlenviertel. Wichtigstes Thema: der ruhende Verkehr. Von Ilka Desgranges

15 Jahre ist es her, da hat ein ambitionierter Saarbrücker Städtebaubeirat mit der Planung für „Stadtmitte am Fluss“ begonnen. Ideen für ein Saarbrücken, das in der Konkurrenz zu den umliegenden Städten auch stadtplanerisch mithalten sollte. Oder gar vorangehen. Vom einstigen Großprojekt ist nichts mehr zu hören. Zu sehen sind lediglich einige Teilprojekte: die Berliner Promenade etwa oder die neu gestaltete Eisenbahnstraße. Und der heutige Städtebaubeirat wendet sich zwar regelmäßig (einmal pro Jahr) an die Öffentlichkeit, schaut derweil aber eher auf kleinere Teile der Stadt. Die sind auch wichtig, dennoch darf man sich wundern, dass er gerade das Mühlenviertel in den Mittelpunkt seines Tuns rückt. Das Viertel also, in dem das ehemalige Stadtbad steht, in dem man jetzt wohnen kann. Das Viertel auch, in dem die Menschen an der ehemaligen Simca-Garage entlanggehen, die heute aufgestockt Sitz einer Autovermietung ist, und nicht wissen, dass dieses Gebäude in den 50er Jahren eines von Bedeutung und Beachtung war.


So scheint es also durchaus schlüssig, mal in dem Viertel, in dem einst sieben Mühlen standen, genauer hinzuschauen. Hier gibt es einiges zu tun. Und damit ist nicht nur der Fernbusbahnhof gemeint, der keine Verbindung zum Hauptbahnhof hat, was ortsunkundige Touristen immer wieder erstaunt. Auch die Anbindung zur nahe gelegenen Universität passt nicht.

Beim dritten Stadtforum des Städtebaubeirates im Oktober soll dann geredet werden: nicht nur über das Viertel zwischen Richard-Wagner-Straße und Dudweilerstraße. Das passt durchaus, erstaunt aber auch ein wenig. Man hätte doch eher den Bürgerpark als Zentrum städtebaulicher Überlegungen erwartet. Und den Städtebaubeirat, dessen Vorsitzender Luca Kist Landschaftsarchitekt ist, als Verteidiger der preisgekrönten Grünanlage. Die würde der eine oder andere gerne preisgeben: für Wohnungsbau oder auch für eine Halle. Denn in der Stadt wird nachgedacht über Orte für große Veranstaltungen, für Messen oder auch Konzerte. Gelegentlich nach dem Motto: heute hier, morgen dort.



Ein Städtebaubeirat, der ein deutliches Wort mitzureden hat, täte gut. Doch Luca Kist, Jens Stahnke (zweiter Vorsitzender) und Igor Torres sind zwar Fachleute, als Beiräte aber Ehrenamtler. Man muss sie nicht hören, schon gar nicht tun, was sie vorschlagen. Dennoch machen sie weiter.

Und gehen demnächst ins Mühlenviertel, um dort mit den Bürgern zu diskutieren. Ihre Lieblingsorte im Viertel sollen die Bewohner nennen, Geschichten aus dem Quartier erzählen oder Kindheitserinnerungen an das einstige Stadtbad auspacken. Das Quartiersmanagement, das es für das Viertel gibt, macht dazu eine Umfrage. Und der Städtebaubeirat gibt das Motto aus: Wir hören zu. Das birgt natürlich die Gefahr des ausgiebigen Früher-war-alles-besser. Dem Städtebaubeirat schwebt allerdings eher ein anderes Fazit vor: ein Viertel voller Potenzial.

Schon jetzt lässt sich zum Mühlenviertel sagen, was man zu sehr vielen Saarbrücker Vierteln sagen kann: Sie wären zum Wohnen attraktiver ohne den ruhenden Verkehr. Oder: Sie sind zugeparkt!

Ein Drittel der Fläche im Mühlenviertel sei Parkraum, stellt der Städtebaubeirat sachlich fest. Und: Es gibt keinen Quartiersplatz. So erweitert er denn das Viertel ein wenig, schaut auf den Beethovenplatz. Der müsse Freiraum werden, sagt Luca Kist. Eine löbliche Forderung, die seit Jahrzehnten immer mal wieder erhoben wird. Ohne Erfolg.

Das Mühlenviertel selbst bräuchte nicht nur weniger Autos an den Straßenrändern, sondern auch mehr Grün. Die Beiräte erinnern daran, dass an dem Ort des heutigen Güterbahnhofes früher mal ein Park war. Und sie schauen etwas in die Ursulinenstraße, in der es keinen einzigen Baum gibt. Darüber könnte man beim Städtebauforum des Städtebaubeirates auch mal reden. Und es anschließend ändern.