Sinnerthal-Prozess vor dem Landgericht Mord an 69-jähriger Gabriele M. – Gericht verkündet Urteil gegen 61-Jährigen

Saarbrücken · Die 69-jährige Gabriele M. wurde letztes Jahr vergewaltigt und umgebracht. Der Fall hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt, nach Hinweisen wurde unter anderem bei „Aktenzeichen XY“ gesucht. Jetzt ist das Urteil im Prozess gegen Thomas Paul F. gefallen.

Saarbrücken: Mord an Gabriele M. - Urteil gefallen
Foto: Eric Kolling

Im Prozess vor dem Landgericht Saarbrücken um den Sexualmord an Gabriele M. im September 2023 im Sinnerthal ist der Angeklagte Thomas Paul F. verurteilt worden. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der heute 61-Jährige sein 69 Jahre altes Opfer auf dem Radweg zwischen Landsweiler-Reden und Neunkirchen nahe der Kläranlage vergewaltigt und umgebracht hatte. Das Gericht kam der Forderung der Staatsanwaltschaft nach lebenslanger Haft am Mittwoch allerdings nicht nach. F. wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt – allerdings ist er zunächst unbefristet in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht. Der Angeklagte kündigte an, das Urteil nicht zu akzeptieren und mit seiner Verteidigung in Revision zu gehen.

Mord an Gabriele M. – Tat hatte das Saarland erschüttert

Die Staatsanwaltschaft hatte lebenslange Haft gefordert, dazu die Unterbringung in der Forensik. Die Nebenklagevertreterin forderte zusätzlich (erneute) Sicherungsverwahrung – denn seine psychische Dauerstörung sei nicht therapierbar. Sein Verteidiger hatte eine Freiheitsstrafe von zwölf Jahren beantragt, dazu ebenso die Unterbringung in der Forensik. F. sei nicht wegen Mordes zu verurteilen, nur wegen Vergewaltigung mit Todesfolge.

Die Polizei war 2023 über DNA-Spuren auf den mehrfach wegen Sexualverbrechen vorbestraften F. aufmerksam geworden. Nach Gabriele M. war im September tagelang, auch über die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“, gesucht worden.

Bei der anschließenden Befragung seines Umfelds waren die Ermittler auf weitere strafwürdige Taten gestoßen, die der Mann vor der Ermordung von Gabriele M. zwischen Herbst 2022 und September 2023 begangen haben soll. Betroffen waren vier Frauen, darunter Arbeitskolleginnen. Daher lautete die Anklage vorm Landgericht auf sechsfache sexuelle Belästigung, Nötigung, Körperverletzung, Bedrohung, Mord und Vergewaltigung mit Todesfolge.

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Angeklagter mit langer Vorstrafenliste

Der Mann war 2020 nach einer positiven Sozialprognose aus der Sicherungsverwahrung entlassen worden. Seit 2022 musste F. nicht mehr an einer Therapie teilnehmen, sondern nur zu Gesprächen mit seiner Bewährungshelferin. Umstände, die zu erheblicher Kritik geführt hatten. Nicht nur beim Frauenverband Courage, wo sich M. selbst gegen Gewalt an Frauen und Mädchen engagiert hatte. Nebenklagevertreter Mario Seydel hatte bei seinem Plädoyer den Angeklagten ein „Raubtier“ genannt, das 2020 „wieder auf die Menschheit losgelassen worden sei“. Vor allem auf die Frauen. Die Gutachter, die ihm die positive Prognose ausgestellt hatten, hätten auch angeklagt gehört.

Auch der im Prozess bestellte Gutachter Martin Flesch, der F. sexuellen Sadismus und eine kombinierte Persönlichkeitsstörung attestiert hatte, konnte sich nicht erklären, wie die positive Sozialprognose habe zustande kommen können.

Ausführlicher Bericht folgt

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