„Ich habe schnell gesehen, wie sinnvoll es ist, was wir hier machen“ Hier werden Kinder übergangsweise im Container betreut

Saarbrücken · In Saarbrücken sind Kita-Plätze knapp. Die Pädagogisch-Soziale Aktionsgemeinschaft (Pädsak) Saarbrücken hat jetzt dank einer Spende eine Lösung gefunden.

Ausweichquartier: Ab neun Uhr werden an drei Tagen in der Woche die Kinder von drei bis sechs Jahren zum Wohncontainer auf dem Pädsak-Gelände am Wackenberg gebracht. Innen sieht der Container fast wie eine ganz normale Kita aus.

Ausweichquartier: Ab neun Uhr werden an drei Tagen in der Woche die Kinder von drei bis sechs Jahren zum Wohncontainer auf dem Pädsak-Gelände am Wackenberg gebracht. Innen sieht der Container fast wie eine ganz normale Kita aus.

Foto: Antonia Trinkaus

Als 2022 in der Ukraine der Krieg ausgebrochen ist, sei den Verantwortlichen der Pädagogisch-Sozialen Aktionsgemeinschaft (Pädsak) sofort klar gewesen, „dass viele Frauen mit ihren Kindern kommen werden“, sagt Melanie Wagner-Brach, Sozialpädagogin bei der Pädsak. Schon davor betreuten sie Kinder von drei bis sechs Jahren, die auf einen Kita-Platz warteten. Auf Dauer habe das zu einem „Platzproblem“ geführt, das sie zwang, nach draußen auszuweichen – in einen Container, der vom Rotary Club Saarbrücken gespendet wurde, erklärt Wagner-Brach.

Alles wie in einer Kita, nur eben im Container

Seit dem Einzug im Mai 2023 kommen an drei Tagen in der Woche vormittags, an zwei Tagen auch nachmittags, acht Kinder zum „Wohncontainer-Projekt“, sagt Wagner-Brach. Im Container, bei dem vorne eine große, mit bunten Bildern bemalte Fensterfront eingelassen ist, sieht es aus wie in anderen Kindertageseinrichtungen: ein runder Tisch mit kleinen Holzstühlen, ein großer, bunter Teppich, auf dem Spielzeug liegt und viele Boxen mit Spielzeug, das an diesem Morgen ordentlich verstaut ist. Ab neun Uhr trudeln nach und nach die Kinder ein, werden an der Tür abgeholt und beschäftigen sich noch eine Weile selbst, bis alle da sind. Auf großen Kissen verteilt treffen sie sich dann zum Morgenkreis, in sie sich begrüßen und zusammen singen.

St. Arnual/Wackenberg ist ein „Ankommensstadtteil“

Die Erzieherinnen sprechen Deutsch mit den Kindern. „Die Kinder untereinander sprechen oft in ihrer Muttersprache“, sagt Wagner-Brach. Der Stadtteil St. Arnual/Wackenberg ist ein „Ankommensstadtteil“, erklärt Wagner-Brach, viele Kinder mit Migrationshintergrund kämen, unabhängig des Ukraine-Kriegs, zu ihnen, weil sie oft keine Chance auf die sowieso schon knappen Kita-Plätze in Saarbrücken haben. „In diesem Kita-System werden erwerbstätige Eltern bei der Platzvergabe bevorzugt“, sagt sie. Mütter und Familien, die gerade erst in Deutschland ankommen, hätten oft keinen Platz auf dem ersten Arbeitsmarkt. Die pädagogische Betreuung als sogenanntes Brückenangebot im Container der Pädsak, arbeitet mit den Kindertagesstätten in Saarbrücken zusammen, bekommt oft von dort Kinder zugeteilt, die so übergangsweise einen Platz finden können.

„Am Anfang habe ich mich ein bisschen dagegen gewehrt, dieses Kita-System mitzutragen, aber ich habe schnell gesehen, wie sinnvoll es ist, was wir hier machen“, sagt die 52-jährige Mitarbeiterin. Man könne die „Brücke“ als Vorstufe zur Kita betrachten, in der die Kinder schon Deutsch lernen und sich an die Abläufe in der Kita gewöhnen, sagt sie. „Grundsätzlich wäre es natürlich die bessere Variante, wenn jedes Kind gleich ein Platz im regulären Kita-System hätte“, sagt Wagner-Brach. Mittlerweile sehe sie aber viel Positives in dieser Art von Übergangsbetreuung, die unterschiedlich lange sein kann. Einige Kinder seien nur wenige Wochen bei ihnen, andere bleiben, je nachdem wann sie nach Deutschland kommen, sogar bis zur Einschulung.

 Ritual am Morgen: Im Morgenkreis begrüßen sich die Kinder und singen gemeinsam, bevor es dann zum „Tagesprogramm“ übergeht, wie eine Mitarbeiterin erklärt.

Ritual am Morgen: Im Morgenkreis begrüßen sich die Kinder und singen gemeinsam, bevor es dann zum „Tagesprogramm“ übergeht, wie eine Mitarbeiterin erklärt.

Foto: Antonia Trinkaus

Rotary Saarbrücken hat für Wohncontainer-Projekt gespendet

Was ihnen noch fehle, sei ein Badezimmer, zumindest ein Waschbecken im Container. So ein Umbau würde aber viel Geld kosten, sagt Wagner-Brach. Das Container-Projekt habe bislang 22 000 Euro gekostet, die vom Rotary Club Saarbrücken übernommen wurden. Dieser habe, berichtet Wagner-Brach, mit Ausbruch des Ukraine-Krieges ein Projekt gesucht, mit dem sie geflüchteten Menschen helfen können.