Saarbrücken: Brauerei Bruch insolvent, Sohn Lukas Bruch soll's ab 2019 richten

Wirtschaftliche Schieflage : Ab 2019 soll er es bei der Brauerei Bruch richten

Lukas Bruch (33) steht in den Startlöchern: Er soll den Chefsessel übernehmen, wenn das Insolvenzverfahren beendet ist. Bruch muss jedoch mehr investieren als angekündigt.

Noch steckt die Saarbrücker Brauerei G. A. Bruch in den roten Zahlen. Aber Marc Herbert ist zuversichtlich, dass das Insolvenzverfahren vor Jahresfrist erfolgreich beendet sein wird. Spätestens aber im Frühjahr soll wieder alles im Lot sein, versicherte der Saarbrücker Fachanwalt, der zurzeit als Generalbevollmächtigter die Zügel bei dem zahlungsunfähigen Familienunternehmen in Händen hält.

Mit der Sanierung soll auch der Wechsel an der Spitze näherrücken, der seit Jahren immer wieder angedeutet wird. Lukas Bruch (33), Sohn des Familienoberhaupts Thomas (69), soll die Geschäfte übernehmen. 2019 sei es soweit, kündigte der bisherige Chef an, ohne aber ein genaues Datum nennen zu wollen. Herbert ergänzte: „Herr Thomas Bruch wird sich dann aus dem operativen Geschäft zurückziehen.“ „Und ich werde, wenn es gewünscht wird, noch beratend tätig sein“, schickte dieser eilig hinterher.

Doch bis es soweit ist, muss zuerst mit Hilfe von außen Ordnung im Laden geschaffen werden. Denn wegen Steuernachforderungen geriet im Juni die im Branchenvergleich als Zwerg geltende Brauerei mit 18 Mitarbeitern finanziell in Bedrängnis. An die 250 000 Euro soll die Geschäftsführung nachzahlen. Die nach außen gedrungene Zahl wollte Brauerei-Chef Thomas Bruch nicht bestätigen. Jedenfalls sprenge der Steuerbescheid die Rücklagen, wie Advokat Herbert bestätigte. Was umso verwunderlicher erscheint, da der Absatz floriere. Der liege sogar um bis zu 15 Prozent über dem des Vorjahres. Trotz eines kürzlichen Zwangsstopps der Produktion: Just während der Insolvenz habe eine Maschine schlappgemacht. Eine teure Reparatur war unvermeidlich, die mehrere 10 000 Euro verschlungen habe, berichtete Herbert. Ungeachtet dessen lasten die Steuern auf der Brauerei: „Wir haben mit einer Nachforderung gerechnet“, sagte Thomas Bruch, „aber von der Höhe waren wir dann überrascht.“

Während die Gespräche mit den Gläubigern und Banken laufen, um sich Luft für dringend nötige Investitionen zu verschaffen, plant die Familie Bruch bereits für die kommenden Jahre. Lukas Bruch, mit in Berlin erworbenem internationalem Braumeister-Abschluss, will die Produktpalette erweitern. „Wir haben einige Ideen, um das Sortiment zu vergrößern“, kündigte er an. Während andere Betriebe den Weg beschreiten, sich auf einige wenige Biere zu beschränken, will also Bruch genau den umgekehrten einschlagen. Um welche neuen Sorten es sich dabei handeln wird, hält er allerdings noch geheim. Bis es mit der Markteinführung soweit ist. Mit seinem Kollegen und Braumeister Nils Berg (25) aus Fischbach, der Erfahrungen in Neuseeland gesammelt hat, baldowert er die Rezepte aus. Nur so viel: Es sollen Spezialitäten sein, die zum Angebot einer kleinen Brauerei passen, mit denen sie sich von der Masse abhebt, die die große Konkurrenz anbietet. Die Brauerei Bruch besetze im Saarland bereits solch eine Nische. Marc Herbert wurde mit Blick auf Großbrauereien konkreter: „Während dort Mainstream gebraut wird, produzieren wir hier für den individuellen Geschmack.“

Lukas Bruch zeigt sich wie sein Vater Thomas überzeugt davon, dass „für unsere Größe immer genug Platz“ da ist. Darum stünden Investitionen in Brautechnik und Gebäude an. Etwa 3,5 Millionen Euro sollen dafür laut Herbert ausgegeben werden, nachdem zunächst von zwei Millionen Euro die Rede war.

Allerdings scheint bislang nicht ganz klar, woher das Geld kommen soll. Dennoch zeigt sich Herbert zuversichtlich. „Die bisherigen Bankgespräche sind sehr positiv verlaufen“, teilt er schriftlich mit. Eine Entscheidung sei aber „in der Kürze der Zeit“ noch nicht gefallen. Nach SZ-Informationen verhandelt Bruch mit zwei Geldinstituten, darunter die Saarbrücker Sparkasse. Ob die 3,5 Millionen Euro als zuletzt genannte Investitionsobergrenze ausreichen, liege unter anderem daran, ob die „bereits angeforderten Angebote bezüglich der geplanten Investitionen“ den Vorstellungen der Brauerei-Verantwortlichen entsprechen.

Der Generalbevollmächtigte hofft auf einen dauerhaften Weiterbetrieb. Allerdings gibt es offensichtlich nur begrenzt eine Garantie: Herbert: „Der Fortbestand der Brauerei ist mindestens bis Jahresende gesichert.“ Er sei indes davon überzeugt, „auch in Zukunft in der Scheidter Straße Bier brauen zu können“.

Die Brauerei G.A. Bruch in der Scheidter Straße in Saarbrücken-Rotenbühl. Die Produktion läuft trotz Insolvenz. Foto: Matthias Zimmermann
Will abtreten: Seniorchef Thomas Bruch (69) kündigt an, die Zügel 2019 an seinen Sohn weiterzureichen. Foto: Matthias Zimmermann

Der Generationswechsel stimmt Mark Baumeister optimistisch. Der Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) an der Saar: „Wir hoffen, dass unter neuer Führung ein neuer Wind weht und für die Beschäftigten eine langfristige Arbeitsplatzsicherheit gegeben ist. Wir begrüßen die zugesagten Investitionen und freuen uns auf viele neue Ideen.“

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