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Saarbrücken: Am Rotenbühl steht eine Skulptur von Oswald Hiery

Serie: Kunst im öffentlichen Raum : Es gibt Probleme, für die es keine Lösung gibt

Oft geht man an der „Kunst im öffentlichen Raum“ achtlos vorbei. Doch das Hinschauen lohnt sich, etwa bei Oswald Hierys „Die Quadratur des Kreises“.

Die Skulptur „Die Quadratur des Kreises“ befindet sich im Innenhof des Campus der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) auf dem Rotenbühl. Sie stammt vom Bildhauer Oswald Hiery und wurde 2002 dort aufgestellt. Die Skulptur ist über vier Meter hoch, besteht aus einem Betonsockel, der aus unterschiedlich hohen Rundbögen gestaltet wurde. Der Abschluss dieses Sockels ist somit in einer Schräglage angelegt. Auf dieser Schräge befindet sich ein nach vorne geöffneter Käfig, in dem Käfig wiederum eine vollplastische Figur mit ausgestreckten Armen. Der Käfig besteht aus einer Stahlkonstruktion, die Figur aus Aluminiumguss. Die Figur mit wirrer Haartracht und geöffnetem Mantel scheint auf einem Stab zu balancieren, an dem Stab sind wiederum zwei Räder angebracht, in ihren Händen hält die Figur eine Kugel und einen Würfel. Räder, Kugel und Würfel sind aus Messing, trotz ihrer Größe fallen sie durch die leuchtende Farbe auf. Der Titel des Kunstwerks „Quadratur des Kreises“ wird häufig umgangssprachlich genutzt, um ein Problem zu beschreiben, für das es keine Lösung gibt. Diese Unmöglichkeit der Problemlösung ist das, was mit der Skulptur ausgedrückt werden soll. Denn die Figur, balancierend auf Rädern, würde durch die abschüssige Ebene mit dem offenen Käfig keinerlei Halt finden, sie würde abstürzen. So führt sie den Betrachtern, in diesem Fall den Studierenden der Hochschule, vor Augen, dass es Probleme gibt, für die es keine Lösung gibt. So kann man diese Skulptur als Appell interpretieren, sich wissenschaftlichen Problemen zu stellen, auch wenn sie erstmal unlösbar scheinen.

Oswald Hiery, 1937 in Ensdorf geboren, studierte in den 1950er Jahren an der Schule für Kunst und Handwerk in Saarbrücken bei Theo Siegle und Oskar Holweck. Seit 1958 war er freischaffender Künstler, viele seiner Werke finden sich im öffentlichen Raum, neben Saarbrücken auch in Ensdorf, Saarlouis oder in Homburg. Oswald Hiery starb 2016 im saarländischen Ihn. Während er sich in seinem Frühwerk einer ungegenständlichen und stilisierten Formensprache bediente, galt seine Vorliebe in späteren Jahren genreartigen und erzählenden Figurengruppen, wie dem Brunnen „Die Saar und ihre Kinder“ auf dem Malstatter Markt, der Figur des „Automedon“ an der Universität des Saarlandes – oder eben der „Quadratur des Kreises“. Diesen Skulpturen ist gemeinsam, dass sie sehr großformatig, vollplastisch und aus vielen Einzelteilen bestehen. Meist haben diese Werke einen festen Bezug zum Aufstellungsort und einen erzählerischen Charakter.