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Saar-Kulturszene trifft sich bei Freistil-Festival in Völklingen

Freistil-Festival startet in Völklingen : Feines Gipfeltreffen der Saar-Kulturszene

Das Freistil-Festival ist eröffnet. Schon nach dem ersten Abend in der Völklinger Hütte steht fest: Fortsetzung erwünscht!

Unvermittelt und ohne Ankündigung beginnt die Tanzperformance von oSONo auf dem Erzplatz des Weltkulturerbes. Die Tänzerinnen Claudia Gutapfel und Saskia Bommer nutzen für ihren Auftritt ein hautfarbenes, sehr dehnbares Tuch, in das sie schlüpfen. Während sich die Festivalbesucher vor dem Regen unter dem Bau der Erzhalle zurückziehen, zeigen die beiden eine Performance, die sich gerade zu Beginn Zeit nimmt, langsam startet und sich später zu einem Kampf, einem Auseinanderdriften, einem Tauziehen entwickelt und gerade dadurch wieder zu einer Vereinigung führt. Begleitet werden Bommer und Gutapfel von Irena Petravsca, die mit Viola und dem, was das Kulturerbe an Klangmöglichkeiten so hergibt, Stimmung erzeugt – Industrial-Musik im ursprünglichen Sinne!

Der darauffolgende, nach wie vor Corona-konforme Einlass des Publikums wird kreativ gelöst: „Liebe FestivalbesucherInnen, folgen Sie uns bitte recht auffällig!“, ertönt es aus den überdimensionierten Flüstertüten des Kollektivs My Wife – und einige nehmen diese Aufforderung liebend gern an. In der Erzhalle selbst wird das Publikum nach bester Performance-Art eingebunden: Als erstes wird man bildnerisch tätig, formt einen kleinen Batzen Ton, den man beim Auslass ausgehändigt bekommt. Und mit Ton geht auch es weiter, jedoch akustisch: Wirklich jeder Besucher kann den My Wife-Mitgliedern Katharina Bihler und Sascha Ley einen Laut vorgeben, der dann von diesen imitiert und durch ihre Sprachrohre verstärkt in die Erzhalle schallt, wo auf jeden ein bequemer Sessel wartet und ein Streichtrio Neue Musik spielt. In die mischen sich immer wieder stimmliche Laute, und es braucht ein wenig, bis man den Zusammenhang zu den Flüstertüten herstellt – ein beeindruckender Effekt!

Als Corinna Preisberg (in denkwürdigem Glitzerpullover) und Mirka Borchardt vom Netzwerk Freie Szene Saar das Freistil-Festival gemeinsam mit Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot und dem Generaldirektor der Völklinger Hütte, Ralf Beil, offiziell eröffnen, ist ihnen und allen Anwesenden die Freude nur allzu deutlich anzusehen: Nach einer langen, langen Durststrecke gibt es endlich wieder Kultur, und die wird an diesem Abend aufgesogen wie von einem Schwamm! Es riecht nach Aufbruch – was auch zum Auftritt von Tenor Ralf Peter und seinem Pianisten Thomas Layes passt, die Schuberts „Frühlingstraum“ berührend darbieten.

In eine andere Kerbe schlägt das Liquid Penguin Ensemble: Aus dem Titel ihrer Performance „Elf Strophen aus dem Gedächtnis“ lässt sich nicht erahnen, was das Duo mittels Bandmaschinen, Tape-Rekordern, Sound-Collagen und Bandmanipulation auslöst. Eine Erinnerung – gespeist aus Dürers ‚Melancholie‘, Zigarettenrauch, Queen Mum, Regen sowie einer Dame mit weißem Hut – wird immer wieder live auf Band gesprochen, verändert sich peu à peu und erzeugt eine eigentümliche Sogwirkung – beeindruckend.

Mit einer weiteren Tanzperformance von Samuel Meystre und Tom Diener alias Goretec, die sich vor einer dunklen Leinwand mit einem Zeichentrick vermischt und mit einem überraschenden Knock-Out zum Schluss aufwartet, schließt dieser erste Freistil-Abend auch sehenswert ab – ein feines Gipfeltreffen der saarländischen Kulturszene, das noch bis zum 4. Juli andauern wird. Und jetzt: Bitte etablieren und bleiben!