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HalfMoon Projekt macht Musik ohne Grenzen
Diese Musiker gehen über alle Grenzen

Das HalfMoon Projekt mit Hossam Alchahin am Keyboard, Saxofonist Reiner Kuttenberger, Bassist Rudy Schaaf und Sänger Monir Hamo (von links) existiert erst ein paar Wochen.
Das HalfMoon Projekt mit Hossam Alchahin am Keyboard, Saxofonist Reiner Kuttenberger, Bassist Rudy Schaaf und Sänger Monir Hamo (von links) existiert erst ein paar Wochen. FOTO: Cristina Schaaf
Saarbrücken. Eine Verschmelzung von Orient und Okzident in der Musik: Der Saarbrücker Bassist Rudy Schaaf hat mit Musiker-Kollegen aus Syrien das HalfMoon Project gegründet. Am Samstag ist ein Wohnzimmerkonzert. Von Isabell Nina Schirra

Schnelle, rhythmische Melodien durchdringen den Raum. Halbtonleitern, „Maqam“ genannt. Mit der Musik, die wir hier im Westen kennen, hat das nichts zu tun. Es sind arabische Klänge. Dann eine Stimme, wie aus dem Nichts – kraftvoll, herzergreifend. Wer kein arabisch spricht, versteht kein Wort. Und doch gehen die Lieder sofort ins Blut.


Wer seine Augen schließt und nur seinen Ohren traut, wähnt sich schnell im Orient. Doch dann: E-Bass, Saxofon. Westliche, vertraute Klänge mischen sich mit den exotischen Melodien. Irgendetwas stimmt hier nicht. Augenblinzeln. Wir befinden uns nicht im Orient, sondern bei einer Probe des „HalfMoon Projects“ in Saarbrücken.

Das HalfMoon Project, das sind die beiden Saarbrücker Jazz-Musiker Reiner Kuttenberger am Saxofhon und Rudy Schaaf am Bass, sowie die beiden syrischen Musiker Hossam Alchahin am Keyboard und Monir Hamo als Sänger. Das Ensemble ist in dieser Form noch ganz frisch, gegründet haben sie sich erst vor knapp einem Monat.



Doch „die Idee zu solch einem Projekt bestand schon länger“, erzählt der Kopf der Gruppe, Rudy Schaaf. Im Rahmen einer ehrenamtlichen Zusammenarbeit mit dem „Netzwerk Ankommen“ leitete der Musiker im Zeitraum von 2016 bis 2018 die Deutsch-Syrische Band „Al Rabieh“, um Geflüchteten die Möglichkeit zu geben, (ihre) Musik zu machen.

Dabei lernte er auch Hossam Alchahin und Monir Hamo kennen, beide professionelle Musiker aus Syrien. Und genau wie Rudy Schaaf, hatten die beiden Lust, nach dem Projekt weiter zusammen Musik zu machen. Das HalfMoon Project war geboren.

Während bei Al Rabieh folkloristische Töne im Mittelpunkt standen, ist das HalfMoon Project eher als ein Crossover-Projekt gedacht: Im Vordergrund steht die arabische Musik, gepaart mit westlichen Sounds. „Die Rhythmik ist durchaus kompatibel“, erzählt Schaaf. Man will „experimentieren, ausprobieren, sehen, wie weit man gehen kann“. Es geht darum sich näher zu kommen, sich zu akzeptieren und Neues kennenzulernen.

Davon profitieren durchaus beide Seiten. „Ich habe hier Musik kennengelernt, die ich noch nie zuvor gehört hatte“, erzählt Schaaf. Und weiter: „Übrigens sind wir hier die einzigen, die Noten brauchen“. Er redet von sich und seinem Jazz-Kollegen Reiner Kuttenberger.

Dabei begreift sich das Vierer-Gespann nicht als abgeschlossene Besetzung, das Projekt soll auch als eine Art Austausch-Möglichkeit fungieren. Man plant Zusammenspiele mit verschiedenen Solisten auch Orient und Okzident – von Geige, über Gitarre bis Schlagzeug, Oud und Tabla ist alles denkbar. Daher heißen sie auch nicht Quartett, sondern Project. Der HalfMoon (Halbmond) im Namen der Gruppe bezieht sich auf den Islam. Schließlich steht bei diesem Projekt „die arabische Konnotation im Vordergrund“, so Schaaf.

Die Kombination aus zwei Klangwelten, die so wenig miteinander gemein haben, mag vielleicht zunächst etwas seltsam anmuten. Doch es wirkt, macht Spaß, begeistert. Die Melodien machen es einem schwer, still zu sitzen.

Eines ist sicher: Das HalfMoon Project liefert ein Hörerlebnis, das man hier im Westen, oder irgendwo sonst auf der Welt wahrscheinlich vergeblich sucht.

Wer sich selbst vom Können der ungleichen Musiker überzeugen will, hat am morgingen Samstag, 24. November, die Chance dazu, denn dann spielen die vier ein „Wohnzimmerkonzert“, wie sie es selbst nennen. Hier will die Band sich ausprobieren, vorstellen. „Wir sind ein kleines Projekt, ein Quartett ohne Drummer, wir haben Platz in der kleinsten Hütte“, schmunzelt Schaaf. Mit im Programm: Traditionelle und neuere Musik aus Syrien, Ägypten, dem Libanon und dem Irak.

Konzert am Samstag, 24. November, 18 Uhr, in der Praxis „Behandelbar“ in der Feldmannstraße 68. Der Eintritt ist frei, für die Musiker geht der Hut rum.