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Rettungswagen von Feuerwehr und Co. müssen nach jedem Einsatz intensiv desinfiziert werden.

Corona-Krise in Saarbrücken : Nach jedem Einsatz wird desinfiziert

Wegen Corona müssen Rettungswagen deutlich öfter desinfiziert werden. Erst 60 Minuten nach der Reinigung sind sie wieder betriebsbereit.

Die Saarbrücker Berufsfeuerwehr (BF) hat in ihrem Rettungsdienstbereich momentan nicht nur viel Arbeit durch die gestiegene Anzahl an Transporten von Corona-Patienten, sie muss auch nach jeder einzelnen Fahrt den jeweiligen Rettungswagen desinfizieren. Seit dem 12 März wurden nach Aussage von Holger Neubert, dem Leiter des Rettungsdienstes bei der BF, allein bei der Feuerwehr 112 Corona-Einsätze mit vier Rettungswagen und einem Intensivmobil abgewickelt. Das bedeute einen deutlichen Mehraufwand. Nach jeder Fahrt – unabhängig ob der Verdacht bestätigt ist oder nicht – werde das Fahrzeug komplett gereinigt und falle für eine Stunde aus. „Wir haben eine Desinfektionshalle, in der wir alle Oberflächen im Rettungswagen mit dem Desinfektionsmittel Dismozon auswischen. Wir folgen hier einer Empfehlung des Ärztlichen Leiters Rettungsdienst und setzen auf die Wischdesinfektion. Verneblertechniken setzen wir nicht ein, die sind in den Handlungsanweisungen des Rettungsdienstes auch nicht vorgesehen“, sagt Neubert.

Die Desinfektion ist demnach Handarbeit. Andreas Flick und Sebastian Haffner demonstrieren, wie das funktioniert und schlüpfen in Schutzkleidung. Danach wischen sie alle Oberflächen mit nassen Tüchern aus einem Spender ab. Die Oberflächen sind nun nass. Die Desinfektionslösung hat eine Einwirkzeit von 60 Minuten, erst danach darf der Rettungswagen wieder in Betrieb genommen werden. Er ist dann auch von allein wieder getrocknet.

Direkt an die Waschhalle grenzen Duschräume an. Nach der Desinfektion können die Mitarbeiter duschen und die Kleidung wechseln. „Es kommt schon vor, dass vor der Desinfektionshalle Fahrzeuge Schlange stehen“, sagt Ingo Wagenknecht, der stellvertretende Feuerwehrchef. Und das schmälere die Einsatzbereitschaft, da die Fahrzeuge in dieser Zeit nicht für Notfalleinsätze genutzt werden könnten. Die Rettungsdienstschule in St. Ingbert helfe aus. Dort sei der Rettungswagen der Schule mit Personal besetzt und könne bei einem sich abzeichnenden Engpass in die Stadt verlegt werden. „Dieses Angebot haben wir schon mehrfach genutzt. Der Wagen kommt dann zu uns auf die Wache und ersetzt ein Fahrzeug in der Desinfektionshalle, bis dieses wieder angemeldet werden kann. Der Ersatz-Rettungswagen hatte auch schon mehrere Einsätze übernommen“, bestätigt Wagenknecht und betont, dass es durch diese Pufferlösung auch bei zahlreichen Desinfektionen noch nie zu Versorgungslücken gekommen sei. Zudem seien die Wachen der Malteser, des ASB und des DRK in Saarbrücken ebenfalls einsatzbereit, wobei das DRK aktuell auch bei der Feuerwehr desinfiziere.

Lukas Hoor, Sprecher des Zweckverbandes für Rettungsdienst- und Feuerwehralarmierung (ZRF), der als Zweckverband der Landkreise den gesamten Rettungsdienst im Land koordiniert, erklärt, dass sich die Zahl der Fahrzeugdesinfektionen durch Corona landesweit verdoppelt habe. Man mache aber im Interesse der Patienten keine Kompromisse. Niemand müsse befürchten, sich in einem Rettungswagen anzustecken – und das, obwohl von den landesweit 600 bis 800 Einsätzen am Tag aktuell bis zu 120 Corona-Fahrten bewältigt würden.