Kolumne : Das beleidigte Gewitter

Gegrummelt hatte es schon eine Weile, als ich im Wald war, ein besonders tiefer, den ich erst ein paar Tage später wieder verlassen sollte. Ich hatte dafür genug Gepäck dabei und konnte mit so vielen Eventualitäten umgehen.

Aber Gewitter ist so eine Sache, könnte doch jeder Blitz ein Treffer in den eigenen Schädel sein, was nach ganz, ganz schlimmen Schmerzen riecht. Bis zu 100 Millionen Volt sind dann im Spiel. Der Ratschlag, in die Hocke zu gehen oder sich unter eine Versammlung von jungen, niedrigeren Bäume zu stellen, hat ungefähr die Kragenweite von sich vor einem Bär flach auf den Boden zu legen, und ich mag mich nicht festlegen, ob ich das eine und das andere wirklich täte, wenn es denn so weit wäre. Rennen fühlt sich so viel besser an.

Aber das musste ich nicht. In meinem Fall kam nach einem Anstieg so unerwartet wie von einem Troll rasch zusammengezimmert eine Schutzhütte mit Spitzdach und einer wohltuenden Arroganz gegenüber dem anwachsenden, symphonischen Krach, den das heran eilende Gewitter derweil schon machte. Lust auf ein Opfer in seiner Stimme. Ich kann mir schon denken, dass es einer Ambosswolke in den Fingern juckt, mir ein paar von den 100 Millionen Volt in den ungekämmten Blondschopf zu jagen.

Aber dann saß ich da im Trockenen, während es draußen nur verlockenden tröpfelte – „komm doch raus, ist doch gar nicht so schlimm“ –, aber aufgeregt aufhellte und alles für eine Sekunde in Farbe tauchte, um uns dann wieder beleidigt in der schemenhaften Dunkelheit der Nacht zurückzulassen: meinen mindestens 15 Kilo schweren Rucksack, mich und ein paar Schluck Rum für die Moral.

Schönen Urlaub!