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Regina Mickel und ihre Musiker-Kollegen erfreuen Altenheim-Bewohner

Musik in Corona-Zeiten : Der „kleine, grüne Kaktus“ macht alle froh

Auf Anregung der Staatstheater-Hornistin Regina Mickel finden seit einiger Zeit regelmäßige kleine Konzerte vor Altersheimen statt.

Was bleibt Musikerinnen und Musikern zurzeit übrig? Sie können zuhause im stillen Kämmerlein üben, komponieren oder Livestream-Konzerte geben. Aber halt, eine Sache geht ja auch noch: Mit ausreichendem Sicherheitsabstand im Freien musizieren.

Wie schön, wenn man dabei noch ein paar Menschen beglücken kann, die selbst von der Coronakrise schwer gebeutelt sind. Etwa Senioren eines Altenheims, die in den letzten Wochen kaum Besuch empfangen durften.

Mittlerweile gibt es einige Aktionen von Berufsmusikern, die vor Altenzentren spielen. Sehr gut machen es die vier Waldhornisten Regina Mickel, Margreth Luise Nußdorfer, Frank Bechtel und Benoit Gausse, die mit Volksliedern, alten Schlagern und Polkas den älteren Menschen ein vertrautes Liedgut darbieten.

Schon zehnmal hätten sie das gemacht, erzählt Regina Mickel, die sich die Aktion mit ihrem Lebensgefährten Frank Bechtel ausgedacht hatte. Beim Musizieren vor dem Saarbrücker Wichernhaus gab es eine tolle Resonanz. Die Bedingungen dort sind ideal: Vor dem Seniorenzentrum ist viel Platz, der Straßenlärm ist erträglich.

Nein, diesesmal ging alles glatt. Ungefähr 20 Seniorinnen und Senioren hatten den Weg nach draußen gefunden, an den Fenstern standen weitere. Sie bewegten die Hände zu den vertrauten Klängen von „Rosamunde“, „Mein kleiner grüner Kaktus“ oder „Muss i denn zum Städtele hinaus“.

Mickel ist Hornistin am Saarländischen Staatstheater, Bechtel bei der Badischen Staatskapelle, Nußdorfer und Gausse sind Mitglieder der Deutschen Radiophilharmonie Saarbrücken Kaiserslautern. „Wir spielen orchesterübergreifend, das macht total Spaß“, sagte Mickel, die von den Kollegen vom Halberg sofort eine Zusage bekam, als sie die Idee mit den Konzerten hatte.

Wie es dazu kam? Die Mutter eines Schulkameraden ihres Sohnes arbeite in einem Altenheim, die habe sie vor ein paar Wochen nach Atemschutzmasken gefragt. Da die Mitarbeiterinnen der Kostümabteilung des Saarländischen Staatstheaters damals gerade damit begonnen hatten, in der theaterlosen Zeit, Masken zu nähen, brachte Mickel welche im Altersheim vorbei – und machte sich daraufhin Gedanken, was man sonst noch für die Senioren tun könnte.

Da hatte ihr Partner Frank Bechtel die zündende Idee: „Wir könnten doch mal im Quartett vor einem Altenheim spielen.“ Der Kontakt zum Wichernhaus ergab sich über die Hauswirtschaftsleiterin Birgit Schuhknecht. Die begrüßte die Aktion sehr.

Der Lockdown während des Gipfels der Krise habe den älteren Damen und Herren sehr zugesetzt: „Die haben zum Teil nichts mehr gegessen.“ Noch einmal aus dem Haus zu kommen, Kontakt mit anderen Menschen zu bekommen, schöne Musik zu hören – es war den Senioren des Saarbrücker Wichernhauses während des Konzerts anzumerken, wie sehr sie das genossen. „Ganz toll“ und „Das hat mir richtig gut gefallen“ waren die Kommentare nach dem Konzert. Wie gut, dass auch das Wetter mitspielte und keine Regentropfen fielen.

Auch dem Hornbläser-Quartett gefiel es außerordentlich gut, dass sie endlich wieder vor Publikum spielen konnten. „Das ist ja schön, dass die Leute jetzt auch rauskommen. Am Anfang war ja der völlige Lockdown, da haben wir vor Fenstern gespielt“, erzählt Regina Mickel.

Die Truppe wird auch weiterhin für Seniorenheime spielen, aber natürlich werden die jeweiligen Konzerte nicht angekündigt. Es sollen ja keine großen Menschenmengen erscheinen.