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Räder sind gefragt. Das war auch auf der Fahrradbörse des ADFC zu spüren.

Boom durch einen Virus : Durch Corona ist Radfahren populär wie nie

Ob Fahrradbörse oder Fachgeschäft: Überall ist die verstärkte Nachfrage zu spüren und führt sogar zu Engpässen.

Fahrräder wohin das Augen blickt – große, moderne Rennräder, Mountainbikes für alle Altersklassen, kleine Fahrräder für die Jüngsten oder echte Oldtimer für die Liebhaber von ganz besonderen Stücken. Die Fahrradbörse des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Saarland war am Samstag auf dem Tiblisser Platz in Saarbrücken wieder einmal ein großer Erfolg.

„250 Fahrräder waren im Angebot, und mehr als die Hälfte wurden verkauft. Wir sind sehr zufrieden mit unserer zweiten Börse. Durch das Coronavirus und die Ausgangsbeschränkungen boomt das Fahrradfahren seit einigen Monaten enorm“, sagt Thomas Fläschner, der Vorsitzende des ADFC Saarland.

Oliver Richrath ist ein Student aus Saarbrücken. Ihm wurde vor zwei Wochen sein neues Fahrrad in der Saarbrücker Innenstadt geklaut. Geld für ein neues Fahrrad hat er zur Zeit nicht. Auf der Börse wurde er fündig und kaufte sich ein Rad für 40 Euro. „Ich wohne in der Stadt, und für mich hat ein Rad vielmehr Vorteile als ein Auto. Ich bin froh, dass ich hier ein günstiges Rad bekommen habe. In den Fahrrad-Geschäften sind die neuen Räder sehr teuer und zudem gibt es zur Zeit ja kaum Auswahl“, sagt Oliver Richrath.

Der Fahrradboom hat dazu geführt, dass die Händler der extrem gestiegenen Nachfrage nicht gerecht werden können. „Es hat keiner damit gerechnet, dass durch Corona das Fahrradfahren wieder so populär wird. Überall wird Fahrrad gefahren. Die Geschäfte sind so gut wie ausverkauft. Es fehlt in erster Linie an Einzelteilen aus dem asiatischen Raum, damit die Räder bei uns zusammen gebaut werden können“, sagt Peter Schwöbel aus Bliesransbach.

Er ist mehrfacher Saarlandmeister im Radsport, verkauft in seinem Geschäft Fahrräder und betreibt auch eine Fahrrad-Werkstatt.   „Auch die Anzahl an Reparaturen ist deutlich gestiegen. Gefühlt hat jeder ein Rad aus dem Keller gekramt und versucht es mit Hilfe einer Fahrrad-Werkstatt wieder fahrtüchtig zu bekommen“, so Peter Schöbel weiter.

Mehr Fahrradfahrer bedeutet mehr Fahrradverkehr auf den Straßen und dadurch auch mehr Unfälle. Wie aus Unfallzahlen der Polizei hervorgeht, kamen im ersten Halbjahr 2020 69 Radfahrer bei Unfällen zu Schaden. Im ersten Halbjahr 2019 waren es nur 58 verletzte Radfahrer. Das Saarbrücker Winterberg-Krankenhaus hat 2020 bislang 49 Patienten registriert, denen mit dem Rad etwas zugestoßen ist.

Für Thomas Fläschner ist das logisch. „Für uns sind drei Punkte maßgeblich. Es gibt aktuell deutlich mehr Radfahrer, wodurch es auch mehr Unfälle mit Radfahrern gibt. Viele Leute haben jahrelang nicht mehr auf dem Fahrrad gesessen und sind dementsprechend unsicher. Das gilt vor allem für E-Biker. Als dritter Punkt kommt die Infrastruktur hinzu, die an manchen Stellen Unfälle einfach provoziert“, sagt Fläschner und erklärt den letzten Punkt. „Viele Radwege sind nicht durchgängig und irgendwo begegnen sich immer Fahrrad und Auto. Ein gutes Beispiel ist auch die lange Baustelle in der Talstraße am Schloss. Wenn die Ampel grün wurde schaffte es ein Fahrradfahrer nicht, während der Grünphase, durch die Baustelle zu fahren und bekam auf der selber Spur Gegenverkehr. Für unsichere Radfahrer wird es dann kirtisch“, so der Vorsitzende des ADFC Saarland.