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Premiere von Stromer nach Büchern von Claude K. Dubois und ihrer Tocher Sara V Dubois

Neues im Theater Überzwerg : Wie aus einem Bilderbuch Theater wird

Die Compagnie toit végétal produziert bei den Überzwergen das Stück „Stromer“, die Bearbeitung eines anspruchsvollen Bilderbuchs. Premiere ist am Samstag.

Sarah Mehlfeld, Thomas Jäkel und Christina Hillinger verbindet eine große Leidenschaft: Sie lieben die Kinderbücher der Illustratorin Claude K. Dubois und ihrer Tocher Sara V Dubois. Ihretwegen haben die drei jungen Theaterleute vor ein paar Jahren sogar eigens eine neue Truppe gegründet, die Compagnie toit végétal.

Denn sie wollten die Bilderbuchgeschichten unbedingt auf die Bühne bringen, um sie mit anderen zu teilen. Dafür aber, erklären sie, galt es eine besondere Form zu finden, damit die wunderbaren, starken Illustrationen von Claude K. Dubois auch auf der Bühne die Hauptrolle spielten.

Die Lösung, die sie fanden, ist eine Mischung aus Bilder- und Objekttheater mit Live-Hörspiel. „Akim rennt“ hieß der erste Streich der Compagnie toit végétal. Das Stück über einen kleinen Jungen, der vor dem Krieg in seiner Heimat flüchtet, wurde ein richtiger Renner. Bis heute tourt es auf Festivals im In- und Ausland und war 2017 auch bei „Spielstark“ in Ottweiler und als Teil des Loostik-Festivals im Theater Überzwerg zu sehen.

Eben dort entsteht jetzt „Stromer“, das zweite Stück nach einem Dubois-Buch, als Koproduktion der Truppe mit den Überzwergen und dem Stadttheater Schauspiel Essen. Premiere in Saarbrücken ist am Samstag 16. März.

Mehlfeld, Jäkel und Hillinger haben als Regieteam Bühnenbild, Ausstattung und das Konzept entwickelt, die Überzwerg-Schauspieler Gerrit Bernstein, Eva Coenen und Sabine Merziger werden es umsetzen. An langen Tischen werden sie mit den Dubois-Zeichnungen und Requisiten hantieren, selber zeichnen, Geräusche und Musik machen. Als Live-Projektionen werden sich alle ihre Einzelaktionen auf einer stilisierten Stadtkulisse zu einer bewegten Bilder-Ton-Geschichte zusammenfügen.

Wie aber kam es zur Kooperation mit einer freien Truppe und einem anderen Theater, die für Überzwerg ungewöhnlich ist? „Wir schätzen an Dubois, dass sie sich mit ernsten und sozial relevanten Themen schon an sehr junge Menschen richtet“, sagt Mehlfeld. Doch vor den Themen Obdachlosigkeit, ältere Menschen und Armut, die in „Stromer“ angesprochen werden, wären offenbar alle Förderstellen und Theater zurückschreckt. Lange habe man vergeblich nach einer Finanzierung für die Produktion gesucht, erzählt das Theaterteam.

„Bei uns rannten sie quasi offene Türen ein“, sagt Überzwerg-Dramatur Christoph Dewes. Worum es genau geht in „Stromer“? „Um den Tag im Leben eines Obdachlosen“, sagt Sarah Mehlfeld. „Wir erleben mit, wie er morgens aufsteht, durch die Stadt wandert, auf der Suche nach etwas Essbarem und nach Orten, die ein bisschen ein Zuhause sein könnten“.

Auf seinem Streifzug durch die Stadt begegne der Mann vielen Menschen, die ihn gar nicht wahrnehmen oder nur vertreiben wollten. Doch es gebe eine Ausnahme: Ein kleines Mädchen, das mit seiner Mutter unterwegs ist, sieht ihn nicht nur, sondern schenkt ihm auch einen Keks und gibt dem Mann, der vergessen hat, wie er heißt, einen Namen. „Sie sagt ihm, er sehe aus wie ihr Teddy, und das ist etwas Freundliches, damit gibt sie dem Mann, der keine Identität mehr hat, mehr Selbstwert“, sagt Mehlfeld.

Das Mädchen erlöse den Mann nicht aus seiner Obdachlosigkeit, doch es schaue hin und begegne ihm mit Menschlichkeit und Mitgefühl. Dass „Stromer“ kein Happy-End herbeilüge, sei gerade das Starke an der Geschichte, da sind sich die Theatermacher einig.

Das Regieteam: Christina Hillinger, Sarah Mehlfeld, Thomas Jäkel (von links). Foto: Mirka Borchardt

Premiere von  „Stromer“ ist am Samstag, 16. März, 15 Uhr, im Theater Überzwerg am Kästner-Platz 1 in  St. Arnual: Karten: (0681) 958 28 30.