Polizisten im Saarland fahnden bald mit Dienst-Handy und Tablett

Millionen für neue Technik : Polizisten fahnden bald per Dienst-Handy

Die Polizei rüstet ihre Technik kräftig auf. Fahndungen, Strafanzeigen oder Unfälle sollen per Handy bearbeitet werden.

Landespolizeipräsident Norbert Rupp erinnert sich: „Als ich vor 40 Jahren meinen Dienst antrat, bestand die Informationstechnik aus einer mechanischen Schreibmaschine.“ Am Montag  präsentierte Rupp mit Polizeioberrat Markus Detemple die neue Technik, die zukünftig Polizisten im Alltag am Tat- oder Unfallort die Arbeit spürbar erleichtern soll. In erster Linie wird Zeit gespart, wenn etwa die Streifenbeamten per Diensthandy (iPhone) Daten zu Verkehrsunfällen aufnehmen, Führerschein und Personalausweis unmittelbar in das Bearbeitungsprogramm einscannen. Die Daten werden sofort gespeichert. Bislang wurden solche Vorgänge mit viel Aufwand per Block und Kugelschreiber vor Ort erfasst und später in der Dienststelle wieder in Handarbeit in das Computersystem übertragen. „Mobility“ oder „mobile Sachbearbeitung mit Endgeräten“ heißt die neue Technik im Behördenjargon. Im Bereich der Polizeiinspektion Saarlouis wird diese derzeit getestet. Die Polizisten dort sammeln auch ihre Erfahrungen mit „Pommes“, der Abkürzung für „Polizeilicher Multimedia-Messenger“. Dahinter verbirgt sich ein polizeiinterner Nachrichtendienst (vergleichbar mit WhatsApp), über den Kurznachrichten, Videos von Einsatzorten oder Fotos von Vermissten sofort an die Zentrale oder alle im Einsatz befindlichen Beamten gesendet werden können.

Polizeioberrat Markus Detemple leitet die neue Abteilung Informationswesen der Polizei im Saarland. Foto: Polizei. Foto: Polizei

Um künftig die Informationssysteme quasi unter einem Dach zusammenzuführen, hat Rupp eine neue Abteilung gegründet, die unmittelbar beim Polizeipräsidenten angegliedert ist. Die Abteilung IP-SL (Informationswesen der Polizei Saarland) zählt 120 Mitarbeiter, 60 davon sind Polizisten. Chef ist Polizeioberrat Detemple. Etwa 47 Millionen Euro sollen bis 2023 vorwiegend in neue Technik investiert werden. In Zusammenarbeit mit  Rheinland-Pfalz wird die IT-Landschaft gepflegt und ausgebaut. Detemple: „Wir sind gehalten, wirklich etwas Sinnvolles zu tun.“

Seit der Herbstkonferenz der Innenminister im Jahr 2016 in Saarbrücken hat die Polizei ein ganz großes Ziel im Blick. Als „Saarbrücker Agenda“ ging da der Beschluss in die Geschichte ein, dass alle polizeilichen Informationssysteme und Arbeitsweisen harmonisiert und modernisiert werden sollen. Da gibt es viel zu tun. Bislang ist es beispielsweise so, dass – je nach Bundesland –  unterschiedliche Bearbeitungs-, Informations- und Fahndungssysteme geführt werden. Ein Kriminalist aus dem Saarland, der in Hamburg Kollegen unterstützt, kann dort mit seinem Systemzugang weder arbeiten noch auf Datenbanken zugreifen. Oder: Bei einer Kontrolle nach einem Zwischenfall in Berlin weiß der Beamte dort nicht, was im Saarland über die aufgegriffene Person im Polizeicomputer zu finden ist.

Der Umbruch im Bereich der Informationsverarbeitung der saarländischen Polizei soll bis 2025 weitgehend abgeschlossen sein.  Detemple dazu: „Es wird nicht pannen- und kritikfrei laufen.“ Noch mehr Personal kann nach Angaben von Polizeichef Rupp dadurch auch nicht eingespart werden.

Mehr von Saarbrücker Zeitung