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Polizei-Razzia bei CBD-Läden Naturkreis und Phönix Hanf in Saarbrücken

CBD-Shops „Naturkreis“ und „Phönix Hanf“ in Razzien leergeräumt : Polizei-Aktion gegen Hanf-Produkt CBD in Saarbrücken

CBD ist ein Trendprodukt. Benutzer berufen sich darauf, dass es nicht „high“ macht. Die Polizei glaubt das nicht. Sie geht gegen mehrere CBD-Shops in Saarbrücken vor. Die Betreiber stehen vor dem Aus.

„Naturkreis“ ist ein junges Unternehmen, das schon vom Corona-Lockdown hart getroffen wurde. Nachdem die Polizei in einer Razzia alle drei „Naturkreis“-Läden leergeräumt hat, sieht es jetzt wirklich schlecht aus. „Es geht für uns ums Überleben“, sagt Geschäftsführer Moritz Kammer. Das Unternehmen steht nicht nur vor der Geschäftsaufgabe, den Inhabern droht auch Strafverfolgung.

Im Regionalverband Saarbrücken haben in den letzten Jahren gleich mehrere Läden eröffnet, die den wachsenden CBD-Markt bedienen wollten. Die Polizei machte Ende April Razzien in allen Saarbrücker Läden und untersagte den weiteren Handel mit CBD-Blüten und -Ölen. Der Vorwurf: „Rauschmissbrauch“.  Haben die Saarbrücker CBD-Geschäfte also nach Einschätzung der Ermittler gefährliche Drogen verkauft? Auf SZ-Anfrage zu den Razzien und den mitgenommenen CBD-Produkten hat die Polizei auf die zuständige Staatsanwaltschaft verwiesen.

 Bei SZ-Recherchen im Umfeld der Läden, wieso Kunden CBD-Blüten kaufen, kommt häufig diese Antwort: „Ich möchte weniger kiffen, und CBD konsumieren ist wie kiffen, nur ohne high zu werden.“ Trotzdem oder gerade deswegen ist CBD zum Trendprodukt geworden. Cannabidiol, wie CBD eigentlich heißt, ist einer Expertin zufolge eine nicht berauschende Substanz aus der weiblichen Hanfpflanze (siehe Interview: „Ist CBD in Deutschland verboten?“).

Dadurch unterscheidet es sich von der Substanz, dem der Hauptanteil der berauschenden Cannabis-Wirkung zugesprochen wird: dem THC. In Deutschland darf Cannabis von lizensierten Landwirten angebaut werden, so lange der THC-Gehalt unter 0,2 Prozent liegt. Das soll den Missbrauch als Rauschgift verhindern. Aus diesen Hanfpflanzen werden CBD-Blüten und -Öle gewonnen. Nach dem Konsum beschreiben Nutzer eine entkrampfende, angstlösende und entzündungshemmende Wirkung. Neben kleinen Shops vertreiben auch große Internethändler die Produkte und schalten dafür Fernsehwerbung.

Moritz Kammer wurde vor Jahren auf CBD-Produkte aufmerksam, denn er findet: „Hanf ist einfach ’ne geile Pflanze.“ Der 26-Jährige hat mit zwei Freunden „Naturkreis“ gegründet und seit Mitte 2019 bereits drei Läden in Koblenz, Saarlouis und der Mainzer Straße in Saarbrücken eröffnet. In kurzer Zeit hatte „Naturkreis“ Kammer zufolge viele Stammkunden. Er sagt, jüngere Menschen hätten sich aus Blüten „harmlose Joints“ gedreht. Ältere Menschen griffen demnach eher zu den Ölen, die auch in der alternativen Medizin eingesetzt werden.

„Wir verkauften EU-zertifizierte Produkte und dachten, wir sind auf der richtigen Seite“, sagt Kammer. Zwei Jahre ging das gut, bis zum 28. April. An diesem Tag stand das Landeskriminalamt mit einem Durchsuchungsbeschluss vor der Tür und durchsuchte gleichzeitig alle drei „Naturkreis“-Läden. Die Beamten nahmen alle Blüten und Öle mit, sogar Hundefutter aus Hanfmehl und Cannabis-Eistee, den es auch im Supermarkt nebenan gibt.

Kammer schätzt den Wert der eingezogenen Waren auf 30 000 Euro. Schmerzhafter war für ihn jedoch das mündliche Verkaufsverbot, das ihm die Beamten aussprachen.

„Meine Kunden fragen mich täglich, ob sie wieder CBD-Blüten kaufen können, doch ich muss sie wegschicken.“ „Naturkreis“ verkauft jetzt nur noch „Superfoods“ und nachhaltige Produkte. Ob der Laden damit überlebt, weiß der 26-jährige Inhaber noch nicht.

Alexi Glocker hat ein ähnliches Schicksal ereilt. Er war erst 20 Jahre alt, als er mit Partnern „Phönix Hanf“ gründete und drei Läden im Saarland eröffnete. Sie verkauften jahrelang CBD-Blüten und -Öle, bis die Polizei Ende April auch ihre Läden leerräumte und den Handel mit CBD untersagte. „Die Staatsanwaltschaft hat uns mit Untersuchungshaft gedroht, wenn wir weiter CBD verkaufen“, sagt Glocker. Deshalb haben sie ihr Sortiment ausgetauscht und verkaufen jetzt als sogenannter „Headshop“ Cannabis-Zubehör.

Glocker überlegt jedoch, ob er mit „Phönix Hanf“ Deutschland verlassen sollte. In Österreich und der Schweiz ist der Verkauf von CBD-Produkten erlaubt.

Moritz Kammer und Alexi Glocker haben sich jetzt einen Anwalt genommen, denn ihnen drohen Haftstrafen. Ihr Problem: Hanfpflanzen ganz ohne THC kommen natürlicherweise nicht vor, und CBD-Blüten weisen immer einen Rest THC auf. „Die Polizei hat mehrere Kilogramm CBD-Blüten mitgenommen und könnte uns auf die hochgerechnete Nettomenge THC wegen Drogenbesitz anklagen“, rechnet Kammer vor. Die Shopbesitzer sind sich jedoch unabhängig voneinander einig, dass man sich nur theoretisch von CBD berauschen kann und ihre Kunden explizit kein „High“ wollen. Die Polizei widerspricht dieser Einschätzung auf SZ-Anfrage nicht. Dem Landespolizeipräsidium seien keine Fälle bekannt, bei denen „durch eine zweckfremde Verwendung von CBD-Produkten ein Cannabisrausch erzeugt“ wurde.

 Geschäftsführer Moritz Kammer am Tresen von Naturkreis in der Mainzer Straße in Saarbrücken.
Geschäftsführer Moritz Kammer am Tresen von Naturkreis in der Mainzer Straße in Saarbrücken. Foto: Jakob Hartung

Die saarländischen Jusos reagieren mit Unverständnis auf das seit Ende April im Saarland geltende Verbot von CBD-Produkten. Juso-Landesvorsitzende Kira Braun sieht das Verbot als „Ausdruck einer veralteten Drogenpolitik“. CBD habe im Gegensatz zu THC keine berauschende psychoaktive Wirkung. „Es ist unumstritten, dass CBD-Öle entspannend, schmerzlindernd, entzündungshemmend und angstlösend wirken.“ Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler seien sich einig, dass CBD nicht bewusstseinsverändernd wirkt und dass CBD-Öle nicht abhängig machen. Der Verkauf von CBD Produkten im Saarland müsse wieder ermöglicht werden. Dafür müsse sich der Drogenbeauftragte des Saarlandes, Stephan Kolling (CDU), starkmachen. Und langfristig müssten Konsum und der Besitz kleinerer Mengen Cannabis deutschlandweit legalisiert werden. Das fordere auch die SPD in ihrem Programm zur Bundestagswahl.