Kolumne : Verpackung an der roten Ampel

Geleert und dann in den Müll? Nein. Sie hat die Chance zur Flucht genutzt. Rechts ab geht es in Richtung Meer.

Eine Kreuzung in Saarbrücken. Hastig machen die Autos Dampf, die Ampel zeigt seit Sekunden Gelb und springt dann um: Die Räder stehen still. Müde Blicke gehen ins Leere. Bis Grün ist’s noch lang, ein Fußgänger guckt, ob er jetzt kann. Niemand muckst, schon rennt er los.

Doch dann kommt auf der Rechtsabbiegespur eine leere Plastikverpackung nur. Und bleibt knapp vor der Ampel stehen. Ihr Aufdruck ist verdeckt, sie ziert sich, dass wir sehen, für was sie eine einmal war. Noch bläst’s – mit Dank: für Klopapier! Der abgeflaute Wind legt mit letzter Kraft die verräterischen Buchstaben blank.

Dann also sag, Klopapier-Plastiküberzug, wohin des Wegs? Hast Deine Leut‘ gelassen, die nun der stinkenden Arbeit nachgehen. Raus aufs Land? Wie bist’ entkommen? Auf der Flucht? Zu den Verwandten in der See? Vom Wal verschluckt. Den Blinker gesetzt, willst weiter, schnell, zuckst schon und stellst Dich auf die Zehen. Recycling adé!

Bläst der Bus bei dir zum Start, packt‘s auch dich. Die Ampel springt um, Motorengeheul. Selbst ich darf jetzt gehen. Guten Flug, wir werden uns wahrscheinlich nie mehr wieder sehen.