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Philippe Fouché töpfert im Forsthaus Pfaffenkopf

Töpferscheibe statt Kamera : „Hahn im Korb“ in der Keramik-Szene

Philippe Fouché tauschte im Ruhestand die Kamera gegen die Töpferscheibe und eröffnete 2018 mit seiner Frau Meggi ein Atelier.

Philippe Fouché ist ein Exot wider Willen. Nicht weil er aus Niort bei La Rochelle stammt und seit 40 Jahren im Saarland lebt oder bis 2014 für den SR als „fester freier“ Mitarbeiter unzählige Filmbeiträge produzierte. Sondern weil er sich in der von Frauen dominierten Welt der Keramik oft in der Rolle des „Hahns im Korb“ wiederfindet.

Wer das Atelier „Bild und Ton“ finden will, muss zunächst das adrette Forsthaus am Pfaffenkopf ansteuern, es dann aber zugunsten des ehemaligen Holzhauerhauses rechts liegen lassen. Orientierung bietet eine Lampe über der kleinen Nebentür. Klopfen, warten. Voilà. Hereinspaziert. Drinnen im „Hexenhäuschen“ fühlt man sich augenblicklich wohl. Regale voller Keramikarbeiten und Bilder schmücken die beiden liebevoll mit einem Faible für Blautöne eingerichteten Räumchen. Im eisernen Ofen prasselt das Feuer, Jazz läuft im Hintergrund. Ehefrau Meggi, Schöpferin der Acrylbilder im türkisfarbenen Outfit, kocht Tee, serviert Kekse und Schokolade. „Das Gemütliche gehört einfach hierher.“ Im Herbst gibt es für Gäste Tarte mit Äpfeln aus dem Garten. Dorthin gelangt man durch die Hintertür. Ein kleines Paradies, wäre da nicht die stark befahrene Straße.

„Töpfern war nie mein Hobby“, dafür fehlte schlicht die Zeit. Der Ur-Impuls ging von Meggi aus, erinnert sich der Gastgeber. Damals war die aus dem Allgäu stammende Lehrerin gerade schwanger und musste um den runden Bauch herum auf die Töpferscheibe greifen. „Ein Freund am Atlantik hat mir dann die Technik gezeigt.“ Das war in den 80er-Jahren. Es folgten sporadische Annäherungen. Erst der Ruhestand ermöglichte dem Wahlsaarbrücker eine intensivere Beschäftigung. Nach Jahrzehnten mit Provisorien – Töpferscheibe in der Küche, Brennofen im Keller – suchte er nach einer Atelier-Werkstatt. Zwei Jahre erfolglos, bis gute Freunde, die Forsthausbewohner Liz und Jörn Wallacher, sie an den Waldesrand lotsten. Bis zu vier Stunden täglich hält sich Fouché hier auf. Die Ideen für seine Unikate entstehen daheim am Frühstückstisch. Schon früher plante er seine Dokus dort beim Kaffee „aus einer Tasse, die ich liebe“: was er wie filmen will, welche Fragen er stellt und so weiter. Seine Interviewpartner waren oft Kunsthandwerker, Gitarrenbauer oder Glasbläser etwa, mit denen er sich identifizierte. „Das wär’s gewesen“ – statt des ungeliebten Germanistikstudiums, hat der Journalist oft gedacht.

Jetzt endlich gilt’s. In Kursen und Workshops holt sich der Quereinsteiger das Know-how. Steingut, Raku, Porzellan – er hat alles probiert. Aufbaukeramik mag Philippe Fouché nicht. „Die Drehscheibe ist mein Medium, ich brauche das Gefühl der Hand“, die Rotation, das Hoch- und Herausziehen der Form aus dem Tonklumpen. Derzeit begeistert den Keramikkünstler vor allem das „weiße Gold“ mit seiner Klarheit und Härte. Dabei dreht sich Porzellan „sehr schwer, ein sehr sensibles Material“. Schnell nimmt das Gemisch aus Kaolin, Feldspat und Quarz Wasser auf, „es fühlt sich an, als ob man Sahne in der Hand hat. Das fasziniert mich.“

Die „Sahne“ kann man nur noch entsorgen. Anders die Scherben, die der 70-Jährige gern hinterm Busch draußen versteckt. Die recycelt Meggi neuerdings durch Integration in ihre Bilder – erste Versuche für ein Partner-Projekt der Malgruppe von Tina Stein.

Technisch stößt Philippe Fouché immer wieder an Grenzen – die er nach und nach überwinden will. Nächster  Quantensprung wäre das Drehen von Porzellantellern auf der Scheibe: „Lernen ist wunderbar, ich gehe gern neue Wege.“ Als frisch aufgenommenes Mitglied im Berufsverband der Kunsthandwerker Saar stellt er im Juni im Nauwieser Viertel aus, Ende des Jahres mit Ehefrau Meggi im Riegelsberger Rathaus. Den Auftakt 2020 bildet der Tag der offenen Töpferei am 14./15. März: eine spannende Premiere. Wer da nicht kann: Gäste sind im Atelier stets hochwillkommen.