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Nach Querelen in Saarbrücken
Personalrat: Feuerwehrleute arbeiten angstfrei

Zurzeit vom Dienst freigestellt: Feuerwehrchef
 Josef Schun.
   
Zurzeit vom Dienst freigestellt: Feuerwehrchef Josef Schun.   FOTO: BeckerBredel / bub/fb
Saarbrücken. Angeblich atmet die Mannschaft auf, seit der Leiter der Berufsfeuerwehr vom Dienst entbunden ist. Der geht gerichtlich dagegen vor. Von Matthias Zimmermann
Matthias Zimmermann

Zu wenig Personal, autokratischer Führungsstil, veraltete Ausstattung: Die Liste an Vorwürfen, die vom Personalrat, der  städtischen Mitarbeitervertretung,  und aus den Reihen der Feuerwehr selbst stammt, ist niederschmetternd. Zusätzlich läuft ein Ermittlungsverfahren der Saarbrücker Staatsanwaltschaft gegen den Leiter der Truppe, Josef Schun. Dann der dramatische Einsatz beim Wohnhausbrand in der City Anfang Dezember mit vier Toten – hierbei sprechen Feuerwehrleute von Inkompetenz und völliger Überforderung der Führungsebene. Nach diesem laut Schuns Gegnern verkorksten Einsatz musste dieser den Chefsessel räumen. Vorerst. Denn die Stadt stellte ihn für maximal drei Monate frei. Das war Mitte Dezember.


Die Stimmung im Team soll sich seitdem zum Positiven gewandelt haben, ist Bernd Schumann überzeugt. „Und das ist nicht nur ein Wunschdenken. Die Berufsfeuerwehr fährt jetzt angstfreie Einsätze“, sagte der Personalratsvorsitzende, der zu den schärfsten Kritikern Schuns zählt. Das sei unter der Führung des auf Zeit geschassten Chefs völlig anders gewesen. Was zuvor zur Folge gehabt habe, dass Feuerwehrleute ihren Dienst quittierten.

Er rechnet jedoch damit, dass sich die enge Personallage weiter entspanne. Der Entwurf des Brandschutzbedarfsplanes sehe 21 Stellen vor, die geschaffen werden sollen.



Auch Detlef Schütz, Saar-Chef der Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft sowie einst Mitarbeiter der Stadt Saarbrücken hat die Führungskompetenzen Schuns wiederholt angezweifelt und dies öffentlich kundgetan. Wie der Personalratschef stellt auch der Gewerkschafter einen Wandel innerhalb der Wehr fest. Das liege unter anderem daran, dass der nach ausufernden Querelen 2017 geschaffene Feuerwehrbeirat mit Vertretern der Verwaltung, der Wehr und des Personalrates über die Zukunft verhandelt. Schumann wirkt schon fast euphorisch, wenn er die Beiratsarbeit im Sinne der Mitarbeiterteilhabe beschreibt; es handle sich nun um „echte Beteiligung“. Die habe es unter Schun in den zurückliegenden Jahren nicht gegeben.

Während sich Personalrat und Gewerkschaft unumwunden zur aktuellen Lage im Fall Berufsfeuerwehr äußern, zeigt sich die Stadt recht zugeknöpft. Wie üblich in solchen Fällen verweist Stadtpressesprecher Thomas Blug auf das schwebende Verfahren, das „keine weiteren Angaben“ erlaube. Nur so viel: Gegen die Freistellung habe Schun am 19. Dezember beim saarländischen Verwaltungsgericht Widerspruch eingelegt. Die Stadt reagiere die nächsten Tage darauf. Weiter äußerte sich Blug nicht zur Sache.

Dass es Bedarf an weiteren Mitarbeitern bei der Berufsfeuerwehr gibt, scheint auch bei der Stadt angekommen zu sein. Denn auf Anfrage lässt  Blug wissen: „Durch den noch nicht verabschiedeten Brandschutzbedarfsplan wird sich ein weiterer Mehrbedarf ergeben, der im Falle der Verabschiedung stellenplanmäßig berücksichtigt wird.“

Schun lässt seine Interessen von mehreren Anwälten vertreten. Dazu gehört – neben dem Saarbrücker Advokaten Rainer Link – neuerdings auch Gernot Lehr aus Bonn. Er vertritt die „presserechtlichen Interessen“ seines Mandanten, wie er schriftlich mitteilt. Allerdings sei Schun „leider derzeit rechtlich daran gehindert, die Unrichtigkeit der gegen ihn erhobenen Vorwürfe im Detail zu erläutern“.

Auslöser für diese Verschwiegenheit nach Anwaltsangaben: Die Stadt Saarbrücken, in Person Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD), habe „kein Einverständnis zur Abgabe einer detaillierten Stellungnahme“ gegeben.

Übrigens: Bei der Klage von 14 Berufsfeuerwehrleuten gegen die Landeshauptstadt auf mehr Urlaubstage zeichnet sich seit Ende Dezember Entspannung ab: Beide Seiten wollen zurück an den Verhandlungstisch, der Berufungsprozess am Oberverwaltungsgericht in Saarlouis ruht derweil.