1. Saarland
  2. Saarbrücken
  3. Landeshauptstadt

OW Himmel, der vielseitige Künstler aus der Pfalz

Atelierbesuch : Auch ein Künstler lebt von seiner „Ware“

Er ist vielleicht einer der am besten vernetzten Künstler der Region: O.W. Himmel hat neben der Kreativität auch eine unbekümmerte Vermarktungs-Fähigkeit.

Die Corona-Krise entwickelte sich bekanntlich auch recht schnell zur Krise der Kultur. Museen und Ausstellungshäuser waren lange Zeit – und sind es aktuell wieder – geschlossen, Ausstellungen wurden verschoben oder fielen ganz aus. Auch der in Köllerbach lebende Künstler O.W. Himmel blieb von den Einschnitten nicht verschont. Eine geplante Ausstellung seiner Plattenlabel-Linoldrucke im Saarbrücker Plattenladen Humpty Records musste er ins nächste Jahr verschieben.

Auch seine „Kunst Zuhause“-Abende – eine Art Tupperparty für Kunst, bei der Himmel versucht, der Abendgesellschaft seine Kunst und die seiner Frau Katharina Krenkel nicht als Investition, sondern als Gebrauchsgut näherzubringen – sind in diesem pandemischen Zeiten undenkbar und wurden bis zum nächsten Jahr ausgesetzt.

Langweilig wird es O.W. Himmel in seinem als Atelier fungierenden Container im heimischen Garten trotzdem nicht. Schließlich hat er ein selbst auferlegtes monatliches Soll zu erfüllen. „Mein Planmonat sieht folgendermaßen aus: Ich drucke je ein Bananenkisten-Label, ein Schallplatten-Label und neu hinzugekommen ein Kaffeesack-Label.“

Seine Faszination für die Konsumkultur prägt O.W. Himmels Schaffen schon lange, Bananen-Labels habe er bisher genau 100 gedruckt, Schallplatten-Labels waren es 143, erinnert er sich. Während sein Schallplatten-Lager randvoll ist – schließlich ist Himmel eng mit den Schallplatten-Läden der Region verbandelt, immer wieder heiße es nach Räumungsaktionen der Läden „Himmel, wir haben den Keller voll, kannst kommen“ – verspricht Himmel jedem, der ihm ein Bananenkisten-Label schickt, das er noch nicht hat und das es in den Druck schafft, einen Gratis-Druck.

Es ist nicht nur sein beständiges, an der Konsumkultur orientiertes druckgraphisches Arbeiten, das Himmel wohl zu einem der außergewöhnlichsten Künstler der Region macht, sondern auch sein spezielles Verständnis von Kunst. Sie ist für ihn nichts elitäres, sondern die Ware, das Produkt des Künstlers – mit dem dieser auch Geld verdienen darf und soll.

Dass er immer wieder größere Ankäufe seiner Kunst zu verzeichnen hat, seine Kunst häufig gezeigt wird, das schreibt er vor allem auch seinem Talent zum Reden, zum Sich-Selbst-Verkaufen-Können zu. „Rausgehen, quatschen, telefonieren“, sagt Himmel, „das ist meine große Gabe.“ In seiner Zunft sei das allerdings nicht weit verbreitet, ergänzt er, „es gibt viele, die machen super Kunst, aber können nur sehr schwer verkaufen.“

Erst 2016 hat das Museum Folkwang in Essen 20 seiner Bananenlabel-Drucke angekauft. „Das war ein großer Ritterschlag für mich“, sagt O.W. Himmel. Noch bis mindestens Jahresende – und somit auch bis nach dem hoffentlich auf vier Wochen begrenzten Lockdown light – werden die im Museum Folkwang übrigens neben zehn großformatigen „Marilyns“ von Andy Warhol gezeigt.

Seine großformatige Arbeit „Im Reich des schwarzen Goldes“, eine Linoldruckgrafik über die Linoldruckgrafik-Produktion, hat das Ministerium für Bildung und Kultur des Saarlandes zuletzt im Rahmen des Corona-Förderpaketes für die Herbstsalon-Ausstellung angekauft.

Sich als Künstler in solch schwierigen Zeiten wie der aktuellen Pandemie auf Almosen zu verlassen, findet O.W. Himmel hingegen „unangebracht“. „Wir Künstler sind schließlich die, die mit Kreativität arbeiten“, sagt er, „viele Sachen sind zwar weggefallen, viele kamen aber auch hinzu.“

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. . .  Gwendolyn Krenkel hat dieses Bild gemalt, das die Bananenkisten-Arbeit ihres Vaters in direkter Nachbarschaft zu Andy Warhols „Marilyn“ im Folkwang-Museum zeigt. Foto: Krenkel

Wie etwa das „Krenkel-Himmel-Kunst-Care-Paket“. Das hat Himmel gemeinsam mit seiner Frau Katharina Krenkel entwickelt, um dem Kunst-Entzug in der Pandemie entgegenzuwirken. Wer eine Mail mit dem Betreff „ich bin kunstbedürftig“ an die beiden schickt, bekommt ein Überraschungspaket voll echter Kunst für zuhause. Einen festen Kaufpreis gibt es nicht, jeder zahlt, was er kann oder will.
www.owhimmel.de