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E-Commerce
„Ohne online geht heute nicht mehr viel“

Auf seinem Tablet hat Roland Rebeck alle Datensätze zu sämtlichen Produkten im Blick. Alles wird elektronisch erfasst und verwaltet, so kann er den Status der Produkte schnell erfassen.
Auf seinem Tablet hat Roland Rebeck alle Datensätze zu sämtlichen Produkten im Blick. Alles wird elektronisch erfasst und verwaltet, so kann er den Status der Produkte schnell erfassen. FOTO: Iris Maria Maurer
Saarbrücken. Ab August bietet die IHK Saar die neue Ausbildung „Kaufmann im E-Commerce“ an. Die Firma Zickwolff ist als einer der Vorreiter dabei. Von Jörg Wingertszahn

Wer kennt das nicht: Ein Klick im Internet genügt, und schon ist das neue T-Shirt oder die neue DVD unterwegs. Online-Bestellungen sind mittlerweile so selbstverständlich, dass man manch einen daran erinnern möchte, dass es auch noch den stationären Handel gibt. „Unsere Kunden erwarten innerhalb von Minuten eine Antwort“, sagt Roland Rebeck, Abteilungsleiter Marketing bei der Saarbrücker Firma Zickwolff. Zickwolff macht „alles rund ums Rohr“, so der Slogan des Unternehmens. Rebeck hat ganz klassisch Kaufmann gelernt und sich bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) weiterqualifiziert. Neben dem Marketing betreut er auch den Online-Shop des Unternehmens. „Hier kann man sein Hobby zum Beruf machen“, sagt Volker Henschke, Abteilungsleiter Gebäudetechnik. Das gilt für alle jungen Menschen, die mit Internet, Smartphone und Social Media aufgewachsen sind und sich für elektronische Kommunikation interessieren.


Damit das Geschäft weiter floriert, setzt die Firma künftig auf die Ausbildung zum Kaufmann/Kauffrau im E-Commerce, also im elektronischen Handel oder auch Online-Handel. Zwei Azubis will man einstellen, sagt Henschke, „mit dem Ziel, diese dann auch zu übernehmen“. Damit betritt Zickwolff Neuland, denn bislang gab es diese Ausbildung im Saarland noch gar nicht. Die IHK habe jedoch den Bedarf erkannt und darum in Absprache mit dem Saar-Bildungsministerium diesen Ausbildungsgang ins Leben gerufen, sagt Joachim Rauber, Berater für Aus- und Weiterbildung der Industrie- und Handelskammer des Saarlands. Los geht es im August. Rauber rechnet mit 20 Bewerbern.

„Der neue Beruf wurde notwendig, um den Unternehmen für die neuen Tätigkeitsfelder im starken Wachstumsmarkt E-Commerce ein passendes Berufsbild anbieten zu können, da die bis dato verfügbaren Ausbildungsberufe nur bedingt zu den neuen Anforderungen passen“, erklärt Rauber.



„Wir haben früher viel als Zulieferer für den Bergbau gearbeitet“, sagt Geschäftsführer Martin Haiss. Nach dessen Ende habe man sich neu orientieren und neue Geschäftsfelder erschließen müssen. Die Branche wandele sich. Und da spiele der Online-Handel eine große Rolle. „Der Anteil des Online-Geschäfts wächst und wächst“, sagt Haiss. Zahlen des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels bestätigen dies. Bislang macht der Online-Handel zwar nur rund zehn Prozent des gesamten Umsatzes aus, gegenüber dem stationären Handel wächst das Online-Geschäft aber pro Jahr zweistellig. „Ohne Online-Angebot geht heute nicht mehr viel“, stellt Rebeck fest. In seiner Ausbildung zum Kaufmann habe das aber keine große Rolle gespielt. „Das war in unserem Lehrbuch vielleicht eine Seite zum Online-Handel, das war’s“, sagt er.

Dem will die IHK mit dem neuen Beruf entgegensteuern. Darum werden die Azubis auch im Kaufmännischen Berufsbildungszentrum Halberg unterrichtet, wo auch die Call-Center-Azubis und Anwärter für die kaufmännischen IT-Berufe ausgebildet werden. Was muss man können? „Im Prinzip alles, was der klassische Kaufmann wissen muss. E-Commerce wird dann noch draufgesetzt“, sagt Henschke. Dazu gehört Wissen über die Vertriebskanäle im Internet oder die kaufmännische Steuerung. Technisches Wissen gehört ebenso dazu wie rechtliche Grundlagen und gute Englischkenntnisse.

Der Mitarbeiter der Zukunft wird dann mit seinem Laptop oder Tablet in einer der vier großen Lagerhallen stehen und Waren kommissionieren. Papier hat bei Zickwolff weitgehend ausgedient.

Die IHK stellt den Beruf Kaufmann/ E-Commerce am 27. Februar in der IHK in Saarbrücken vor. Info: Joachim Rauber, Telefon (06 81) 9 52 07 22, E-Mail: joachim.rauber@saarland.ihk.de