Offene Gärten Saarbrücken : Gärten in Vollendung

Am „Tag der offenen Gartentür“ kann man allerhand Wundersames in den Gärten des Regionalverbandes erkunden.

Man fährt zur angegebenen Adresse, und wenig deutet auf die Wunderwelten, die man am „Tag der offenen Gartentür“ betreten darf, nur ein kleines Schild vom Verband der Gartenbauvereine und Menschen, die einem „Wahnsinn! Wahnsinn!“ rufend entgegenkommen. Familie Straßburgers Garten in Dudweiler begrüßt den Besucher mit einem monumentalen, über 100 Jahre alten Kirschbaum, dieses Jahr allerdings ohne Früchte  wegen des Kälteeinbruchs zur Zeit der Blüte.

Hinter einem sattgrünen Laubengang gelangt man in immer weiter sich öffnende Garten(t)räume. Es ist ein langes Grundstück, und jeder einzelne der 2000 Quadratmeter ist besonders  gestaltet. Wie Zimmer folgen thematische Gartenabschnitte aufeinander und überraschen jeweils mit einem neuen, detailverliebten Anblick. Wer sich etwa zum Kaffeetrinken im Garten treffen möchte, muss schon genau sagen, wo – so viele lauschige Plätze mit Tischen,  Bänken und gemütlichen Liegen gibt es. Im  Gartenhaus kann gekocht werden. „Wir feiern auch viel“, sagt Alexandra Straßburger. Arbeitsintensiv ist das alles auch, das sieht man, aber hier wird vor allem gelebt. „Fantasie ist der Garten der Seele“ steht auf einem Schild, zwischen all dem Blühenden findet sich Dekoratives und Belehrendes: „Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.“

Ebenfalls in Dudweiler zeigt Karl-Heinz Honczek, was er in 35 Jahren aus dem ehemaligen Nutzgarten voller Kartoffeln und Schwarzwurzeln gemacht hat. Das Blattgrün der Funkien mit dem grafisch anmutenden Verlauf der Blattadern und die mit Donnerwurz bepflanzten Schalen geben dem überwältigenden Grün in dieser Oase gleich nach dem Eingang etwas gliedernde Strenge. Ein gepflasterter Weg windet sich, nachdem man den Efeubogen passiert hat, durch den kleinen Park mit Sitzecke, Teichen und farbenfroher Blüte  — wohin das Auge blickt. Vieles wurde in Töpfe gepflanzt, so kann noch die kleinste Ecke genutzt werden. Koniferen, Wacholder, Omorikafichten und Blattwerk bilden eine dichte Gartengrenze.

Ein stimmiges Gesamtbild – aber nein, einen Plan habe er nicht gehabt, doch offensichtlich ein sehr sicheres Händchen. Christine Thomas und ihr Mann hatten nicht gezögert, als sich die Möglichkeit bot, ihr Haus in der Kaiserslauterer Straße um ein Gartengrundstück zu erweitern. Sie wollten einen Nutzgarten und siebten erstmal die Erde. „Vier Container Abraum“, sagt Frau Thomas. Sie sind gut vorbereitet auf den Besuch, die Historie des Gartens kann auf Fotos nachvollzogen werden, und die Saubohnen dürfen aus der Nähe betrachtet werden. Es schmecke einfach viel besser, das Gemüse aus dem eigenen Garten.

Ganz anders ein Villengrundstück mit altem Baumbestand in Püttlingen: Kristin Schulte arbeitet mit dem, was sie vorfand:  einem  Garten im englischen Parkstil des vormals ansässigen Arztes und der Blumenpracht, die ihre Mutter bei namhaften Blumenzüchtern bestellte. Die lebendigen Erinnerungen verwebt sie mit ihrer Kreativität und dem Wunsch, viel Natur zuzulassen und nachts die Grillen hören zu können. Sie brauche „immer was zum Basteln“. Bewahren und Verändern halten sich harmonisch die Waage. Bärbel Wolsdorfers Garten in Püttlingen  entpuppt sich als Fest für alle Sinne, für Auge, Nase und Ohr. Schmucke Rassehühner ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. Rosen überall, es blüht in allen Ecken, Beerensträucher und Gemüsepflanzen teilen sich den hinteren Teil des Gartens. Die vielen verschiedenen Kräuter schicken auf eine animierende Riechreise. Nur echte Gartenliebhaber richten ihre Gärten so arbeitsintensiv ein wie die freundlichen Gartenbesitzer, deren Paradiese an diesem Sonntag besucht werden durften.